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Papas Glanz im Forster Manitu

Die schönsten Momente sind die, in denen John Lee Hooker jr. (r.) an seinen großen Vater erinnert.
Die schönsten Momente sind die, in denen John Lee Hooker jr. (r.) an seinen großen Vater erinnert. FOTO: lsc
Forst. John Lee Hooker Juniors Konzert ist vor allem eine Erinnerung an eine der größten Blues-Legenden aller Zeiten. Allein dafür hätte sich der Besuch gelohnt. Daniel Schauff

John Lee Hooker - allein der Name versprüht ausreichend Glanz, um eine ganze Stadt zu erleuchten. Das kleine, abgekürzte "Junior" am Ende des Namens des 65-Jährigen schmälert den Glanz nur wenig. Am Samstagabend hat der Sohnemann der Blueslegende das kleine Forst erleuchtet.

Dass John Lee Hooker jr. möglicherweise noch ein paar Jahre braucht, um seinem Papa nachträglich Konkurrenz zu machen, sei ihm zugestanden. Immerhin war die Musik über Jahrzehnte nicht seine Lieblingsbeschäftigung. Die hatte mehr mit Drogen und Alkohol zu tun, bevor der längst nicht mehr kleine John - inspiriert vom christlichen Glauben - seinen eigenen Musikstil entwickelt hat. Den könnte man als eine Art Party-Blues bezeichnen, würden denn Blues und Party irgendwie zusammenpassen.

John Lee Hooker jr. beschreibt sein Rezept als zwei Teile Rhythm and Blues, einen Teil Jazz und ein wenig bodenständigen Detroit Blues. Vergessen hat John Lee Hooker jr. die Portion Nostalgie, die er bei seinen Auftritten mitschwingen lässt. Papa ist immer dabei. Dass er der Sohn einer der größten aller Größen ist, lässt er nicht unerwähnt, singt sogar die Lieder seines Vaters nach. Das sind dann auch die Höhepunkte des Abends im Manitu, für die sich der Besuch allemal lohnt - trotz anfänglicher leichter Mikroprobleme, die der Detroiter Gast offenbar wesentlich gravierender empfand als es irgendwer im Publikum tat.

Der 65-Jährige versteht es wirklich großartig, die Stimmung möglichst schnell auf einen möglichst hohen Pegel zu treiben. "Come on, sing it!", ruft er in den ordentlich gefüllten Manitu-Saal, bevor er beim James-Brown-artigen Tanz einen unfreiwilligen Abgang von der Bühne macht. Glück für ihn: Die Forster fangen ihn auf. Glück für die Forster: John Lee Hooker jr. tanzt einfach weiter, als sei nichts passiert. Das könnte Profi-Verhalten sein, könnte aber auch echte Trance sein, in die sich der Mann hineintanzt und singt.

Vergleichbar mit dem großen Papa ist Sohnemann sicher nicht - aber ein bisschen Glanz bringt auch er an den äußersten Rand Deutschlands.