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| 19:48 Uhr

Rheinische Tradition
Osterjule feiert großes Jubiläum

 Traditionelles Turnier feiert Jubiläum und sorgt für volles Haus.
Traditionelles Turnier feiert Jubiläum und sorgt für volles Haus. FOTO: Angela Hanschke
Neisse-Malxetal/Groß Kölzig. Rheinische Tradition wird zwischen Forst und Spremberg am Leben gehalten.

Ein echter Geheimtipp für eine gesellige Würfelrunde ist das traditionelle Oster-Jule-Turnier in der allseits bekannten Bruchmühle. Am Karfreitag des Jahres 1979 fand um 17 Uhr die Erstauflage in der idyllisch gelegenen Gaststätte statt. Einladungen gibt es seither nicht. Jeder kennt den Termin.

Ins Leben gerufen hat der damalige Bruchmühlenwirt Karl Heinz Winkler diese Tradition. „Ein Dutzend Spieler traf sich damals aus einer Bierlaune heraus in der Schankstube“, berichtete dessen Sohn Gerd Winkler (63). Zum 40. Jubiläum am vergangenen Karfreitag hatten doppelt so viele an der langen Tischreihe im Saal Platz genommen. Mit dabei als Dienstältester:  Frank „James“ Zaroban (55) aus Cottbus, der bereits vor vier Jahrzehnten an jenem denkwürdigen Karfreitag mitgespielt und seither kein Turnier verpasst hat.

Jeder Wurf wurde akribisch dokumentiert

Für den Sieger der Jubiläumsausgabe hatte der gebürtige Groß Kölziger eigens einen speziellen „Hasenpokal“ aus Holz hergestellt. Vor allem in der rheinischen Region ist Jule verbreitet. Eine Handvoll Oster-Jule-Entscheidungen gibt es dort, bei denen um Bierrunden oder gar Geld gespielt wird. Eine kleine Jule-Insel ist auch die Region zwischen Forst und Spremberg. Das Groß Kölziger Turnier ist jedoch sicherlich das originellste im gesamten Bundesgebiet. „Jeder Teilnehmer bringt als Einstand fünf Ostereier mit. Dem Julekönig steht die Hälfte des Einsatzes zu. Der Zweit- und der Drittplatzierte teilen sich den Rest“, erläuterte Frank Zaroban die Modalitäten.

Jeder Wurf wurde akribisch von René Thieme (45) aus Klein Kölzig dokumentiert. Bejubelt wurde Uwe Lehmann, dem der erste Jule-Wurf gelang. Ebenso die nachfolgenden Glückspilze Silvio Labsch und Gerd Winkler. Jüngster Spieler war der 38-jährige Mathias Heinze, der Älteste im Club heißt Wilfried Labsch (69). Ansporn für alle war der Blick auf die Wand neben dem Tresen. „Die schönsten Ostereier hängen dort an der Tafel“, sagte Ralf Heinke aus Klein Kölzig. Mit Applaus begrüßt: die 88-jährige Senior-Chefin der Bruchmühle Inge Winkler, die zum „40. Geburtstag“ gratulierte. Auch sie musterte das Nagelbrett, auf dem mehr als 100 Ostereier in allen Regenbogenfarben prangten. Einige nach alter Sitte mit Abziehbildern verziert, andere mit glitzernden Stickern beklebt oder per Hand mit lachenden Hasengesichtern bemalt. Ein „Jubiläumsei“ war darunter und ein kleines Kunstwerk – ein mittels Wachsreservetechnik verziertes Osterei.

Appenzeller können nicht Julespielen

In der Spielpause wurde aufgetischt. Eine große Schüssel buntgefärbter Eier, deftiges Eisbein und Bier vom Fass. Auch das ist seit 40 Jahren Tradition. Im Jahre 1979 ließen sich die Mitglieder des „Juleclub“ noch das legendäre Groß Kölziger Bier aus der „Brauerei Rattey“ schmecken. Damals war das Turnier noch eine reine Männerdomäne. 40 Jahre später saßen zwei Frauen am Tisch. Rita Engler (51) aus Döbern gehört seit den 1980er Jahren zur Spielerrunde. Lange Zeit als einzige Teilnehmerin. „Es macht einfach Spaß. Der Jule-Termin gehört inzwischen zum Osterfest dazu“, sagte sie. Ellen Zaroban (47) war zum neunten Mal dabei und lobte die gute Stimmung. Manche der Mitspieler treffe man nur dieses eine Mal im Jahr.

Aus dem Kanton Appenzell reiste der aus Klein Kölzig stammende Raik Mixdort an. Bei den Schweizern würden die am Karfreitag gelegten Hühnereier, die sich ungekocht angeblich bis Weihnachten frisch hielten, hochgeschätzt und hochgehandelt, sagte er. Doch Julespielen können die Appenzeller nicht. Erst spätabends fiel in der Bruchmühle die Entscheidung. Vorjahressieger Lothar Thieme musste krankheitsbedingt auf den Start verzichten.

Den Titel „Julekönig“ errang mit 94 Punkten Horst Zschummel aus Groß Kölzig. Vizekönig wurde Mathias Heinze mit 79 Punkten. Auf dem dritten Rang folgte Frank Zaroban mit 72 Punkten. Seit 40 Jahren ist auch „Turnierbeobachter“ Hans-Joachim „Pongo“ Noack aus Klein Kölzig mit von der Partie. Und er wusste noch: „Der allererste Julekönig war Siegfried Zuschke aus Klein Kölzig“.

(aha)