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| 02:36 Uhr

Ohne ihn, gäbe es den Forster Rosengarten nicht

Alfred Boese
Alfred Boese FOTO: gkd1
Forst. Ohne ihn würde es den Forster Rosengarten wohl nicht geben. Alfred Boese gilt als Mitbegründer des floralen Aushängeschildes. Er starb vor 70 Jahren am 21. März 1939, drei Tage nach seinem 60. Geburtstag. Gerd Kundisch/gkd1

Seit 1911 lebte Alfred Boese in Forst und wohnte in der Blumenstraße 37. Zwei Jahre später, am 21. Oktober 1913, entschieden die Stadtverordneten über seinen Vorschlag, die auf dem Gelände der Rosen- und Gartenbauausstellung ausgestellten Rosen käuflich zu erwerben. Dies traf auf die Ausstellungsfläche ebenso zu, so dass aus dem damaligen Messegelände der Ostdeutsche Rosengarten entstehen konnte.

Zudem beteiligte sich Alfred Boese im Jahr 1913 erfolgreich an einer Ausschreibung für die Gestaltung des Wehrinselgeländes. Als Vorstandsmitglied engagierte er sich darüber hinaus in der Ortsgruppe des Volksbundes Naturschutz. Als denkwürdiger Tag gilt unter anderem der 1. Juli 1919, als am Fuße des Forster Wasserturms der 1. Spatenstich für ein acht Hektar großes Sportstadion vollzogen wurde. Und im Jahr 1920 plante er an der Wehrinselstraße auf dem Pachtgelände des TV 1861 die Errichtung eines Sportplatzes. Aus Anlass der Weihe der Sportstätte am Wasserturm ernannte ihn Oberbürgermeister Willo Gründer im Mai 1921 zum Gartendirektor. Neben dem großen Sportplatz für 11 000 bis 20 000 Zuschauer gehörten mehrere Kinderspielplätze, eine Winterrodelbahn und für die wärmere Jahreszeit ein großes Planschbecken in der Größe von 60 mal 15 Meter. Darüber hinaus drei Tennisplätze sowie ein Übungs- und Spielplatz, der im Winter mit 2250 Kubikmeter Wasser für eine Eislaufbahn geflutet werden konnte.

Zu einem Großereignis für die Stadt Forst wurde 1938 die Rosenschau anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Ostdeutschen Rosengartens. Boese, der auch NSDAP-Mitglied war, begrüßte neben anderen Honoratioren der Stadt deren Nazigrößen. In Begleitung von SA-Mitgliedern ist er auf anderen historischen Fotos bei einem Marsch über die Lange Brücke anlässlich der Berufsgartenschau zu sehen. Ungeachtet seiner damaligen politischen Einstellung bleiben seine Verdienste für die Stadt Forst bestehen. Sein Ableben riss eine große Lücke. Am 24. März 1939 wurde er unweit der Grabstätten von Rektor Hermann Standke und des Botanikers Paul Decker beigesetzt.

Paul Engwicht würdigte in einem Nachruf im Rosenjahrbuch des Jahres 1940 Boeses Leistungen: "Er setzte sich mit für die Erhaltung des angepflanzten Rosengartens ein, was dann auch durch die Stadt Frost geschah, wodurch seine geleistete Arbeit die höchste Krönung fand. Die Rose gewann viele neue Liebhaber. Alfred Boese wurde jetzt selbst eifriger Rosenfreund, trat stets, trotz vieler anderer Arbeiten, mit für das Wohl des Rosengartens in Bezug auf Erweiterung und Ausgestaltung ein. Sein Wunsch, einen Versuchsgarten des Vereins Deutscher Rosenfreunde dem Ostdeutschen Rosengarten anzugliedern, ist ihm leider versagt geblieben."

Bis 1999 erinnerten auf dem Forster Hauptfriedhof kein Stein, kein noch so schlichtes Holzkreuz und keine Blume an den Meister aller ostdeutschen Gärten. Bis zu jener Zeit überwucherten Rhododendron-Sträucher seine Grabstätte, die mit zur Forster Geschichte gehört. Nach Leserkritiken in der Rundschau wurde die Ruhestätte kurz vor seinem 123. Geburtstag im März 2000 vom Förderverein des Ostdeutschen Rosengarten und der Stadtverwaltung neu gestaltet. Ein Findling, der die Schriftzüge "Alfred Boese, Gartendirektor, 1879 - 1939" trägt, erinnert seitdem an den großartigen Meister der Gartenkunst.