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Ob alt, ob neu – Kolinskys Fahrräder bei Dieben beliebt

Steffi Kolinsky neben dem Fahrradständer, wo vorige Woche noch ihr alarmgesichertes, neues Fahrrad eingeschlossen stand.
Steffi Kolinsky neben dem Fahrradständer, wo vorige Woche noch ihr alarmgesichertes, neues Fahrrad eingeschlossen stand. FOTO: Candy Hecht
Forst. Sie ist wahrlich vom Pech verfolgt, zumindest was den Fahrraddiebstahl angeht. Allein innerhalb der letzten zwei Jahre wurden Steffi Kolinsky und ihrer Familie sechs Mal das Fahrrad gestohlen. Ob es nun ein alter Gaul oder ein neuwertiger Drahtesel war, das war den Dieben vollkommen egal. Candy Hecht / SvD

Steffi Kolinsky reicht es. Schon so oft wurde ihr, ihrem Sohn und ihrer Tochter das Fahrrad entwendet. Sie musst ihre Versicherung wechseln und gleich danach hatte sie wieder zwei Diebstähle zu verzeichnen.

"Zumindest bekam ich vom Weißen Ring, einer Organisation für Kriminalitätsopferhilfe, für die ersten drei Fahrräder, die mir geklaut wurden, 120 Euro als kleine Entschädigung", sagt Steffi Kolinsky verzweifelt.

Die ersten Räder wurden sogar aus ihrer abgeschlossenen Garage gestohlen. "Gott sei dank stand das Auto nicht drin, sonst wäre es wohlmöglich auch noch weggekommen", sagt sie kopfschüttelnd. Sie wohnt in Nähe der Grenze. Die 46-Jährige ist davon überzeugt, dass es aber nicht die Polen sind, die ihr wieder und wieder die Räder stehlen. Auch Deutsche machen das und bringen ihre Beute dann schnell über die Grenze und verkaufen alles, um sich etwas Geld dazu zu verdienen, sagt Kolinsky

"Bei meiner Tochter wissen wir bis heute nicht, wie die es geschafft haben, ihr neues Fahrrad über das hohe und abgeschlossene Eisentor zu bekommen, ohne dass es jemand merken konnte", erzählt sie.

Auch auf ihrer Arbeitsstelle sei schon ein Fahrrad von ihr weggekommen, berichtet Steffi Kolinsky. "Erst letzte Woche Dienstag wurde aus dem verschlossenen Keller der Volkssolidarität-Sozialstation mein alarmgesichertes Fahrrad gestohlen. Da kommt man sich doch einfach nur veralbert vor", schimpft sie. Und es könne einfach nicht sein, dass man zur Polizei geht und die Beamten einem sagen, man solle doch bitte eine Anzeige übers Internet schicken. "Man sieht hier vielleicht abends einen Streifenwagen fahren, der im Stadtgebiet kontrolliert, aber das reicht doch nicht zu hier in der Stadt", gibt Steffi Kolinsky zu bedenken.

Es traue sich kaum noch jemand in Forst, ein neues Rad zu kaufen, weil es einem ja fast unter dem Hintern weggestohlen wird, berichtet Steffi Kolansky. Schon allein bei der 46-Jährigen belaufe sich der Gesamtschaden bisher auf über 1000 Euro für alle Räder. Derzeit hat sie zwar wieder ein Fahrrad, aber kein neues mehr. Denn die Angst, dass auch dieses bald wegkommen könnte, ist immer da.

Zum Thema:
Traurige Faustregel in Forst: Jeden Tag wird ein Fahrrad gestohlen. Tendenz steigend: Von Januar bis September 2013 wurden 429 Diebstähle zur Anzeige gebracht. Die Polizei geht davon aus, dass es sich bei den Tätern um größere Strukturen oder Organisationseinheiten handelt. "Es gibt Gruppen von fünf bis sechs Personen, die Fahrraddiebstähle planen und in großer Zahl durchführen", sagte Polizeidirektorin Bettina Groß jüngst im Kreistag. Es gehe dabei viel um Beschaffungskriminalität; Fahrrad- oder Buntmetalldiebstähle würden von dieser Tätergruppe als besonders effektiv angesehen und auch öfter begangen. SvD