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| 07:55 Uhr

Großbrand auf Recyclinghof
Notstrom sichert Klinik-Betrieb

FOTO: LR / Steffi Ludwig
Forst. Der mehrstündige Ausfall in Forst liefert den Beteiligten wichtige Erkenntnisse. Von Sven Hering

Für einen Moment waren die Bewohner des Hauses Rosenbrunnen in Forst – eine Einrichtung für geistig behinderte Menschen – verunsichert. Das Licht war soeben ausgefallen, die Brandschutztüren schlossen automatisch. „Da haben sich einige kurz erschrocken, doch dann haben wir die Situation ganz entspannt gemeistert“, schildert Brigitte Nakonz, die Leiterin der Einrichtung, die Zeit des Stromausfalls am Wochenende in Forst. „Wir hatten genügend Mitarbeiter, die sich vor Ort gekümmert haben“, ergänzte sie.

Gleich zweimal mussten einige  Forster am vergangenen Wochenende ohne Strom auskommen. Aufgrund des Brandes auf dem Gelände einer Recylinganlage östlich von Cottbus unweit der B 97 wurde die nahe des Betriebsgeländes verlaufende Hochspannungsleitung des Netzbetreibers Mitnetz Strom von Neuendorf nach Graustein abgeschaltet. Darum hatte die Feuerwehr gebeten.

Der erste Stromausfall ereignete sich laut Stromversorger am Samstag zwischen 14.30 und 17 Uhr. Betroffen waren rund 2300 Kunden in den Orten Bohrau, Briesnig, Dubrau, Eulo, Forst, Gablenz, Gahry, Gosda, Grießen, Groß Bademeusel, Groß Jamno, Groß Schacksdorf, Jethe, Kathlow, Klein Bademeusel, Klein Jamno, Klinge, Mattendorf, Mulknitz, Naundorf, Roggosen, Sergen, Simmersdorf, Sacro und Trebendorf.

In der Nacht zu Sonntag zwischen 0.20 Uhr und 1.35 Uhr fiel laut Mitnetz erneut der Strom aus. Diesmal saßen rund 80 Kunden in den Orten Forst, Mulknitz und Naundorf im Dunkeln.

In der Lausitz Klinik in Forst sicherte ein Notstromaggregat die Versorgung. „Nur ein paar Komfortbereiche blieben ohne Strom, so konnte zum Beispiel kein Fernsehen geschaut werden“, sagt Geschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt. „Ansonsten war ich sehr zufrieden, wie unser Team mit der Situation umgegangen ist.“ Für 30 Stunden Notstromversorgung reicht der Diesel in den Tanks. Bei Bedarf könne die Klinik zusätzlichen Kraftstoff bei der Feuerwehr ordern. Einmal im Monat, so Schmidt, werde ein Notfallszenario – wenn auch in deutlich kleinerem Rahmen – durchgespielt. „Wir sind froh, dass jetzt im Ernstfall alles geklappt hat“, so der Klinik-Chef. Lediglich die Heizung und das Warmwasser fielen kurzzeitig aus. Das Heizhaus sei nach dem Stromausfall nicht gleich wieder hochgefahren, verriet Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Gäbler den Grund. Die Mitarbeiter des  Versorgungsunternehmens mussten dort eingreifen. Auch sonst war der Bereitschaftsdienst gefordert. Schrittweise sei nach dem Abschalten der Hauptleitung die Ersatzleitung, die aus Döbern und Guben kommt, in Betrieb genommen worden. „Das passiert allerdings nicht auf Knopfdruck sofort, sondern sukzessive, praktisch Trafo für Trafo“, erklärt Gäbler. Das habe seine Zeit gebraucht.

Eine wertvolle Erkenntnis habe der Ausfall am Wochenende geliefert. So müsse die Informationskette noch optimiert werden. Gäbler lobte in diesem Zusammenhang die Warn-App Nina des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Damit können wichtige Warnmeldungen des Bevölkerungsschutzes direkt auf dem Handy empfangen werden.

Wer sich am Samstag noch sicherheitshalber mit Feuerzeug und Kerzen eindecken wollte, der hatte damit im Rewe-Markt zumindest für ein paar Stunden ein Problem. „Unsere Kassensysteme sind ausgefallen, wir konnten also nichts mehr verkaufen“, sagt Betreiberin Doreen Urban. Die Frischeprodukte hätten den Stromausfall allerdings gut überstanden. Die Kühlung sei dort auch ohne Strom für mehrere Stunden gesichert, betonte sie. Bei Kaufland ist laut Unternehmenssprecherin Andrea Kübler das Notstromaggregat umgehend angesprungen. „Unser Filialbetrieb inklusive den Kühlgeräten und Kassensystemen lief reibungslos weiter, es gab für unsere Kunden keinerlei Einschränkungen. Einzig die Fahrstühle waren durch die Feuerwehr aus Sicherheitsgründen gesperrt.“

Wie vertrieben sich die Forster die stromlose Zeit? In den sozialen Netzwerken gab es einige Tipps. Bücher lesen, mit Taschenlampe, zum Beispiel. Einige entdeckten beim Kerzenschein die romantische Ader in sich. Und vielleicht, so die in solchen Fällen fast schon obligatorische Mutmaßung, darf sich Forst ja in neun Monaten über einen Baby-Boom freuen.