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| 16:57 Uhr

Forst
Noch trägt Schmidtchen Pullover

Kater Schmidtchen erkundet neugierig den Garten seiner Pflegefamilie. Aufgrund seiner Erkrankung muss er Kleidung und den Kragen tragen.   
Kater Schmidtchen erkundet neugierig den Garten seiner Pflegefamilie. Aufgrund seiner Erkrankung muss er Kleidung und den Kragen tragen.    FOTO: zvg / Petra Susan Minuth / Petra Susan Minuth
Forst. Pflegefamilie sucht nach passender Therapie für den Kater und benötigt dafür Unterstützung. Von Katrin Kunipatz

Neugierig und interessiert streicht Kater Schmidtchen durch den Garten in Bonn. Hier lebt der Medienstar aus dem Forster Tierheim seit elf Monaten in seiner Pflegefamilie. „Es geht ihm trotz seiner Krankheit gut“, sagt Susan Minuth. „Er rennt im Garten, ist aufmerksam, sucht nach Beschäftigung.“

Sie und und ihr Ehemann Michael entschlossen sich im Januar, den Kater zu sich zu nehmen. Zuvor stand Susan Minuth über viele Monate hinweg mit Karen Schulze, Leiterin des Forster Tierheims, in Kontakt. Dort war Schmidtchen im Sommer 2016 als Wildkater eingeliefert worden. Aufgrund einer seltenen Erkrankung leckt und kratzt er sich die Haut auf. Es entstehen tiefe Wunden, die zusätzlichen Juckreiz verursachen. Ein Teufelskreis. Zum Schutz trägt Schmidtchen immer einen Pullover. Der Aufruf für Spenden machte ihn  damals in Deutschland bekannt.

„Aber es schränkt sein Leben als Katze ein“, erklärt Miezen-Mama Susan Minuth. „Denn Schmidti kann sich nicht putzen.“ Wenn bei ihm die Kleidung gewechselt wird, nimmt sich die Bonnerin Zeit und beaufsichtigt Schmidtchens Fellpflege. Zusätzlich bürstet sie ihn. Aber um Kleidung kommt Schmidtchen nicht herum. Befreundete Scheiderinnen nähten passende Shirts und Bloomy-Kragen für den Kater.

Viel hat Susan Minuth in den vergangenen Monaten ausprobiert. Sie war anfangs guter Hoffnung. Eine ihrer vier eigenen Katzen hat die gleiche Krankheit wie Schmidtchen. Bei ihr ist der Juckreiz verschwunden. Sie braucht keine Kleidung und keinen Kragen. Mit Schmidtchen fuhr Susan Minuth zum Tierarzt, suchte Hautspezialisten auf und lies einen Allergietest machen. Nun erhält er eine Hyposensibilisierung. „Aber noch immer bekommt er Cortison“, berichtet Susan Minuth. Demnächst will sie ihn beim Tierheilpraktiker vorstellen.

Selbst bei der Ernährung orientiert sie sich an den Bedürfnissen ihres Schützlings. Schmidtchen bekommt rohes Hühnchenfleisch, angereichert mit Vitaminen und Mineralstoffen, und ein für Allergikerkatzen geeignetes Nassfutter. Weil die anderen Katzen im Haushalt der Minuths ihre besondere Futtermischung bekommen, bleibt die Miezen-Mama dabei, während die Tiere fressen. Dreimal täglich 45 Minuten vergehen dabei. Andere Zeiten nutzt Susan Minuth, um über neue Therapien zu lesen. Ihr Wunsch ist es, dass Schmidtchen einem Leben ohne komplette Verpackung näherkommt.

Um dem großen Interesse am Schicksal Schmidtchens gerecht zu werden, gestaltet sie eine Facebook-Seite für den Kater mit kleinen Videos und Geschichten. Viel Mühe stecke in den Posts, so die Bonnerin. Im Verlauf des Jahres bemerkte die Katzenpflegerin, dass das Interesse immer mehr abnahm. „Ich bin nicht illusorisch zu erwarten, dass jeder spendet“, so Susan Minuth. „Aber dass es fast keine Resonanz auf den Jahresrückblick und den Spendenaufruf gab, hat mir wehgetan.“ Hinzu kam, dass sich die finanzielle Situation der Familie verschlechterte, nachdem der Mann als Alleinverdiener nur noch in Kurzarbeit beschäftigt ist.

Eigentlich hätte sie Schmidtchen weggeben müssen, so die Bonnerin mit dem großen Herz für Katzen. Über eine andere Spendenaktion gab es Unterstützung und auch das Forster Tierheim startete einen Aufruf. Zu den alten sind neue Schmidtchen-Freunde gekommen, die selbst genähte Katzenshirts schicken.

„Trotz der traurigen Momente, Enttäuschungen und Tränen überwiegen die schönen Augenblicke“, so Susan Minuth. „Wenn Schmidtchen abends zu uns aufs Sofa kommt und schmust, zaubert er ein Lächeln in unsere Gesichter.“