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Noch mehr mit Argumenten und Gesichtern arbeiten

Die "Sonnentrommler" der Forster Grundschule Nordstadt begeisterten bei der Eröffnung der interkulturellen Woche im Kreishaus.
Die "Sonnentrommler" der Forster Grundschule Nordstadt begeisterten bei der Eröffnung der interkulturellen Woche im Kreishaus. FOTO: Steffi Ludwig
Forst. Die Wahlergebnisse vom Vorabend hatten bei der Eröffnung der Interkulturellen Woche am Montagnachmittag wohl die meisten im Hinterkopf – hatte doch gerade im Wahlkreis Cottbus/Spree-Neiße die fremdenfeindliche AfD die meisten Zweitstimmen erhalten. Doch hier im Kreishaus trommeln die kleinen "Sonnentrommler" der Grundschule Nordstadt zum Gesang des syrischen Künstlers Serdar Hesso und der Gubener Künstlerin Miriam Quappe. Steffi Ludwig

Serdar Hesso, der inzwischen in Guben lebt, zeigt hier ab sofort auch Bilder in einer Ausstellung. Mitarbeiter der Flüchtlingsnetzwerke, von sozialen Einrichtungen, den Städten und vom Landkreis lauschen gemeinsam mit Flüchtlingen und anderen Gästen.

"Wir wollen mit der interkulturellen Woche einen persönlichen Bezug zu den Flüchtlingen herstellen, wollen die Arbeit der Flüchtlingsbetreuung plastisch machen", sagte die Spree-Neiße-Integrationsbeauftragte Annett Noack angesichts der Wahlergebnisse. Nur so ließen sich Vorurteile in den Köpfen abbauen. Einige Veranstaltungen der interkulturellen Woche sind bereits gelaufen.

Auch Simone Hoth vom Gemeinnützigen Berufsbildungsverein Guben (GBV), der sich seit März 2015 stark in der Flüchtlingsunterstützung engagiert, ist entsetzt vom Wahlausgang und erinnert sich mit Grausen an die Aktionen "Nein zum Heim" in Guben.

"Ich sehe für uns im Landkreis nun eine ganz besondere Herausforderung, uns mit dem Thema auseinanderzusetzen", sagte Landrat Harald Altekrüger (CDU) angesichts des Abschneidens der AfD. Bisher habe der Landkreis das Thema Flüchtlinge "gut gemeistert" und sei mit dem Konzept der dezentralen Unterbringung gut gefahren - auch beim Flüchtlingsstrom 2015 habe kein Flüchtling in Turnhallen oder Zelten schlafen müssen. "Ich denke aber, wir werden nun in Zukunft das ein oder andere Mal mehr in unserer Argumentation gefragt sein", sagte Altekrüger. "Die Wahlergebnisse werden unsere Arbeit nicht einfacher machen, aber wir werden weiter mit unseren Netzwerkpartnern zusammenarbeiten." Denn die vielen ehrenamtlichen Flüchtlingsnetzwerke in Forst, Guben, Spremberg, Welzow oder Kolkwitz hätten im Landkreis in den vergangenen Jahren eine hervorragende Arbeit geleistet, lobte Altekrüger.

Ein Projekt, das sich konkret mit den Vorurteilen in den Köpfen beschäftigt, wurde am Montag auch vorgestellt: In einem Bauwagen, der vom Forster Verein Wertewandel zusammen mit Studenten der Fachhochschule Potsdam entwickelt wurde, sollen die Menschen in einer Ausstellung angeregt werden, über ihre eigenen Bilder im Kopf nachzudenken, beschreibt Manuela Kohlbacher vom Wertewandel-Verein. Am Freitag soll es um 14 Uhr im Forster Kompetenzzentrum vorgestellt werden. Der Bauwagen könne ausgeliehen werden, eine Gubener Schule habe sich bereits angemeldet.

Zum Thema:
Derzeit leben rund 1400 Flüchtlinge im Landkreis Spree-Neiße, darunter 707, die noch keine Anerkennung haben. Davon leben 80 im Flüchtlingswohnheim in der Gubener Straße in Forst, 62 im Wohnverbund in der Forster Mühlenstraße sowie 21 im Wohnverbund in Spremberg am Schomberg. 544 sind in Wohnungen im Landkreis untergebracht. Weitere 672 Flüchtlinge haben ihre Anerkennung bereits und sind in Zuständigkeit des Jobcenters.