Von Steffi Ludwig

Ein Stadtmarketingkonzept – was zunächst eher dröge klingen mag und von einigen Stadtverordneten auch dahingehend kritisiert wurde, dass es doch Wichtigeres in Forst gebe – soll ein Aufgabenheft für die nächsten Jahre sein. Wie kann sich Forst weiterentwickeln oder nach außen darstellen? Dafür soll es Anregungen geben. Und es kann Diskussionen anheizen, wie am Montagabend im Werksausschuss des Eigenbetriebes Kultur, Tourismus und Marketing der Rosenstadt Forst geschehen. „Wenn es das geschafft hat, dann ist das Konzept gut“, resümierte Stadtverordneter Jürgen Meissner (CDU).

Vorausgegangen waren einige kritische Bemerkungen. Jürgen Rother (CDU) stellte fest, in dem Konzept keine wirklich neuen Ansätze gefunden zu haben. Und Doris Dreßler (Die Linke) bemerkte, es gebe andere Dinge, die die Forster bewegten, wie der Wunsch nach einem Haus der Begegnung oder eine Regelung für Familienunternehmen, die keinen Nachfolger finden.

Der amtierende Werkleiter Stefan Palm stellte daraufhin klar, dass man hier nichts vermischen dürfe. Das Ganze sei nur ein Konzept, ein Leitfaden für alle, die sich im weitesten Sinne mit dem Thema Stadtmarketing befassen. Der Anspruch könne nicht sein, alle Probleme lösen zu wollen. Sarah Zimpel (SPD) pflichtete ihm bei.

Die RUNDSCHAU stellt die wichtigsten Punkte zusammen:

Die Erarbeitung: Ab Mai 2018 waren unter starker Beteiligung der Bürger Stärken, Schwächen und Wünsche für Forst analysiert worden. Rund 250 Einwohner, 76 Bürger aus dem Umland sowie mehrere Experten hatten sich entweder per Fragebogen oder persönlich an einer der Diskussionen beteiligt. Die Arbeitsgemeinschaft der Firmen Tourismusplan B und Cima bereitete die Ergebnisse auf.

Das Ziel: Bisher gab es in Forst mehrere Projekte mit unterschiedlichen Zuständigkeiten, die sich mit Stadtmarketing befassten, unter anderem das integrierte Stadtentwicklungskonzept (Insek) oder das Corporate Design. In dem Stadtmarketingkonzept sollte alles gebündelt werden, um einen Handlungsleitfaden zu haben.

Wichtige Erkenntnisse: Zunächst wurden Stärken und Schwächen analysiert. Wesentliche Erkenntnisse: Das Stadtzentrum habe nur eine geringe Besucherfrequenz und entspreche nicht den Nutzungsvorstellungen der Forster. Seit dem Abriss fehlten Entwicklungsimpulse. Der Rosengarten sei das überregional bekannte Highlight, jedoch unzureichend an die Innenstadt angebunden. „Rosen“ als Oberthema seien in der Stadt kaum erlebbar. Die Grenzlage zu Polen sei vor allem infrastrukturell eher trennendes als verbindendes Element, die Chance daraus stehe kaum im Fokus. Die Binnenkommunikation zwischen den wichtigen Akteursgruppen sei bisher unzureichend und beeinflusse die Außenkommunikation negativ.

Alleinstellungsmerkmale und Leitziele: Drei Themen haben sich für Forst herauskristallisiert: (Textil-)Geschichte, Rosen (-garten), vielfältige Stadtgeschichte. An diesen müsse verstärkt gearbeitet werden. Es gehe auch darum, das Wir-Gefühl zu stärken, durch aktive Einbeziehung aller Bevölkerungsgruppen und Ortslagen.

Welche Maßnahmen wurden abgeleitet?

Vorgeschlagen wurde unter anderem eine neue Organisationsstruktur, also dass es einen Koordinator geben sollte, der die bisherigen Stadtmarketing-Akteure Kultur-Eigenbetrieb, Wirtschaftsförderung, Stadtteilmanagement und Gewerbeverein verknüpfe. Doch eine neue Stelle sei derzeit personell und finanziell nicht umsetzbar, so Stefan Palm. Aber für die Zukunft sei das eine politische Überlegung. Auszug der weiteren Ideen und Maßnahmen: Arbeitskreis Marketing, Baustellenmarketing, Thementage in der Innenstadt, innovative Leerstandsnutzung (auch durch Start ups), Wohnen auf Probe, direkte Unternehmensanwerbung, Gästeführer qualifizieren.

Wie geht es jetzt weiter?

Das Stadtmarketingkonzept muss noch vom Hauptausschuss und von der Stadtverordnetenversammlung bestätigt werden. Der Werksausschuss entschied sich bei einer Stimme Enthaltung dafür. Danach wird es auch komplett auf der Internetseite www.forst-stadtentwicklung.de veröffentlicht. Laut Stefan Palm werden einige Maßnahmen bereits angegangen, wie die Gestaltung einer neuen Stadt-Homepage oder die Weiterentwicklung des Textilmuseums. Das Konzept sei dann auch eine gute Grundlage für die neugewählte Stadtverordnetenversammlung.

Was hat das Konzept gekostet?

Nach Auskunft des Fachbereichs Stadtentwicklung rund 40 000 Euro. Zwei Drittel der Kosten wurden über das Programm Stadtumbau Ost von Bund und Land gefördert.