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Neues Mühlrad soll Licht machen

Günter Andreck vom Förderverein Wassermühle Noßdorf steht neben dem zweiten Prototyp des Mühlenrades.
Günter Andreck vom Förderverein Wassermühle Noßdorf steht neben dem zweiten Prototyp des Mühlenrades. FOTO: Katrin Kunipatz
Noßdorf. Ein Förderverein kümmert sich seit zehn Jahren um die historische Noßdorfer Wassermühle. Viel ist schon gelungen. In diesem Jahr wollen die 27 Vereinsmitglieder am Mühlrad und dem Grundstückszaun arbeiten. Katrin Kunipatz

Im Moment zwingt der Winter auch dem Förderverein Noßdorfer Wassermühle eine Pause auf. Aber geruht wird nicht. Zumindest gedanklich bereiten Günter Andreck und die Vereinsmitglieder das neue Jahr vor. Der 63-Jährige war viele Jahre Vereinsvorsitzender, zog sich aber aus persönlichen Gründen zurück. Mit seiner Tatkraft blieb er dem Verein und der Noßdorfer Wassermühle treu.

Zwei Vorhaben stehen 2017 ganz oben auf der Liste. Der Straßenzaun entlang der Noßdorfer Straße soll erneuert werden. Fachgerecht geschnittene Holzbretter liegen bereit. Das Ausgangsmaterial lieferten Robinien, die auf dem Mühlengrundstück gefällt werden mussten, weil sie krank und nicht mehr standsicher waren. Das andere Vorhaben beschäftigt den Verein schon seit drei Jahren. "Ein Wasserrad soll sich wieder vor der Mühle drehen", erklärt Günter Andreck. Doch den Mühlteich, der früher das oberschlägige Mühlrad und ab 1925 die Francis-Turbine mit Wasser versorgte, gibt es nicht mehr. Mühlenfreunde und Anwohner bauten unterstützt von Firmen aus Noßdorf und Umgebung den heutigen 100 Meter langen Mühlengraben neu.

Vom ursprünglichen einen Meter breiten Wasserrad mit einem Durchmesser von 4,5 Metern gibt es keine Bilder. Deshalb konstruierte und baute der gelernte Schmied Günter Andreck einen ersten Prototyp aus Rundstahl mit einem Durchmesser von 2,45 Metern. Die Schaufeln für das Probestück entstanden aus Reststücken von Jalousiekästen, die eine Forster Firma spendet. Montiert und zusammengebaut wurde alles von den Mitarbeitern der Behindertenwerkstatt Forst. Als das unterschlägige Mühlrad funktionierte, begann die Arbeit am zweiten Prototyp. Sigmar Tilgner beschaffte ein hölzernes Grundmodell, für das verschiedene Metallbaubetriebe und Schlosser die Beschläge fertigten. Welle und Kugellager wurden eingebaut. Die Schaufelräder werden aus Aluminiumblech geschweißt. Vier Stück sind für einen ersten Versuch montiert worden. "Mit der Gießkanne haben wir das Rad vor einigen Monaten ausprobiert, es dreht sich kinderleicht", freut sich Günter Andreck. Doch die Kosten sind hoch. Allein für die übrigen Schaufelräder braucht der Verein 1700 Euro. Wie das Wasserrad aufgehängt und je nach Wasserstand in der Höhe verstellt werden kann, muss noch ausgetüftelt werden. "Dazu lassen wir jetzt ein Kostenangebot erarbeiten", sagt der 63-Jährige. Wenn die Summe bekannt ist, wolle man über Sponsoring Geld sammeln. "Wenn alles funktioniert, soll das Mühlrad einen kleinen Generator antreiben, der die Beleuchtung des Geländes möglich macht", sagt Günter Andreck.

Die Überlegungen des Fördervereins gehen aber noch weiter. Noch in diesem Jahr sollen die Überdachungen des Mühlenbackofens und der Ausstellungsfläche fertig werden. Pläne gibt es für die Sanierung des historischen Taubenhauses und den Umbau des alten Kuh- und Pferdestalls zur Schauwerkstatt mit Schmiede und Tischlerei. Intensiv arbeiten Holger Techner, Sigmar Tilgner und Günter Andreck daran, die Francis-Turbine wieder in Gang zu bringen. Mithilfe der Wasserturbine könnte zur Demonstration ein Teil der historischen Mühlentechnik angetrieben werden, so die Idee.

Aus der Geschichte der Noßdorfer Mühle
Grabungen lassen vermuten, dass schon im 13. Jahrhundert in Noßdorf an der Malxe eine Mühle stand. Erwähnt wird 1609/10 der Müller zu Noßdorf, der den Aufbau der Kirche in Dubrau unterstützte.

1925 stellte das Wasserrad seinen Betrieb ein und wurde durch eine Francis-Turbine - eine moderne Wasserturbine - ersetzt. Schon 1870 war eine Dampfmaschine eingebaut worden.