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Neues Leben für alte Gärtnerei

Einige Salatpflanzen wachsen schon in der alten Gärtnerei. Viel haben Felix Marten, Mahsa Nejad und die anderen Vereinsmitglieder noch vor sich.
Einige Salatpflanzen wachsen schon in der alten Gärtnerei. Viel haben Felix Marten, Mahsa Nejad und die anderen Vereinsmitglieder noch vor sich. FOTO: kkz
Forst. Laut kreischt der Rasentrimmer. Felix Marten ist gerade dabei, den Wildwuchs in einem ehemaligen Frühbeet zu roden. Katrin Kunipatz

Der junge Mann ist Mitglied des in Gründung befindlichen Vereins "Schöner Land". "Wir warten noch auf den Eintrag ins Vereinsregister", erklärt er.

Zum Verein gehören im Moment sieben Mitglieder im Alter zwischen 25 und 80 Jahren. Auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Wagner an der Euloer Straße wollen sie den sozio-ökologischen Verein etablieren. Mittel zum Zweck ist dabei der Gemüseanbau. Dieser soll nach ökologischen Grundsätzen und vornehmlich für den eignen Bedarf erfolgen. Der Garten soll aber gleichfalls zum Ort der Begegnung werden. Felix Marten spricht von Erholung, Seminaren oder Deutschkursen für Flüchtlinge. Gleichfalls könnten hier sozial benachteiligte Menschen für sich eine Aufgabe finden und erleben, was in der Gemeinschaft entstehen kann.

Seit Juni vergangenen Jahres sind die Vereinsmitglieder in der viele Jahre brachliegenden Gärtnerei aktiv. "Es gab regelmäßig Arbeitseinsätze, bei denen wir von Freunden unterstützt wurden", berichtet der 28-Jährige. Er selbst ist gebürtiger Forster, hat vor und nach seinem Studium die Welt bereist und lebt - wie die meisten anderen aus dem Verein - in Berlin. In der Hauptstadt liegt das städtische Gärtnern schon lange im Trend. Aber in Berlin habe man ohne Geld kaum Möglichkeiten, etwas zu erreichen. In Forst dagegen ist Platz, die Mieten sind günstig. Die alte Gärtnerei kennt Felix Marten gut, seine Mutter lebt auf dem Grundstück nebenan.

Ein gutes Stück sind die Enthusiasten bereits vorangekommen. Einzelne Abschnitte der kaputten Gewächshäuser wurden wieder hergerichtet. In einem wachsen bereits Tomatenpflanzen. In einem anderen Teil stehen bunt zusammengewürfelt ein Sofa, Tische und Stühle - die improvisierte Mensa. In einigen Frühbeeten wachsen wieder Gemüsepflanzen.

Vor einem Monat hat Felix Marten ein großes Zelt im hinteren Teil des Geländes aufgestellt. Darin lebt er jetzt mit seiner Frau Mahsa Nejad. Der Geisteswissenschaftler mit einem Abschluss in Soziologie und Ethnologie ist arbeitslos, bekommt Hartz IV und genießt die körperliche Arbeit. Einige andere junge Männer werken an den Gewächshäusern. Und auch im Haus ist viel zu tun. Hier sollen eine Wohnung und ein Seminarraum entstehen. Geplant sind außerdem eine Tischler- und eine Metallwerkstatt. Dafür habe man schon Fördermittel beantragt.

Die ersten Forster sind bereits auf die Aktiven aufmerksam geworden und es gab Hilfsangebote. So kümmere sich ein Herr um den Komposthaufen, berichtet Felix Marten. Wie sich das Projekt entwickelt, hängt von den Mitarbeitenden ab. Vor allem wünscht man sich, die Leute vor Ort zu aktivieren, Wissen - beispielsweise zum Haltbarmachen der geernteten Früchte - zu sammeln und die Achtsamkeit für die Umwelt zu stärken.

Zum Thema:
Der Verein "Schöner Land" befindet sich auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei (Euloer Straße 67). Am Sonntag, 14. Mai, zwischen 16 und 18 Uhr findet die erste Pflanzentauschbörse statt. Jeder ist eingeladen, Pflanzen mitzubringen, die in seinem Garten zu viel sind. Auf den Tischen kann wiederum jeder schauen, welche Pflanzen für seinen eigenen Garten interessant sind. "Ziel ist es, die Vielfalt der Pflanzen in den Gärten zu erhöhen", erklärt Felix Marten. Beispielsweise seien Blumen und Blüten wichtig für Bienen. Langfristig tue es der Umwelt gut, wenn statt Rasen und Koniferen verschiedene Gewächse in den Gärten stehen.