Aus Berliner Zeitungsarchiven (taz, Berliner Zeitung) und der Zusammenfassung des Protokolls der 28. Sitzung des Untersuchungsausschusses zur Berliner Bankenaffäre (9. Mai 2003) lässt sich Günter Fuderholz' Karriere seit 1998 nachvollziehen: Er war demnach bis Ende September 1998 Leiter der Abteilung Bauliche Grundsatzangelegenheiten beim Berliner Bausenator. Dann wechselte er zur DSK (Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklunggesellschaft) und wurde deren Geschäftsführer. Die DSK ist eine Tochterfirma der einstigen IBG (Immobilien und Baumanagement), die wiederum eine Tochter der Berliner Bankgesellschaft war. Zwischen Ende 1999 und Ende 2000 war Fuderholz außerdem Prokurist der IBG. 2002 erhielt er die fristlose Kündigung. Günter Fuderholz hat laut Ausschuss-Protokoll seine Arbeitsgerichtsprozesse gewonnen und bekam „sein Gehalt ohne Verwendung bis zum Ablauf seines Vertrages“ .
Was zwischen den Stationen liegt, füllt Zeitungsseiten: Den Wechsel von der Bauverwaltung zur DSK bezeichnete die taz einst als „pikant“ , die damalige Abgeordnete Ida Schillen sprach am 28. Oktober 1999 in der taz von einer „offensichtlichen Interessenkollision“ . „Denn im Gegensatz zu den anderen Investoren räumte der Senat der DSK ausgesprochen günstige Bedingungen für den Erwerb der Grundstücke ein“ , umschrieb die Zeitung am 27. Februar 2001 das Problem, „diesen Vorwurf wollte Günter Fuderholz allerdings nicht auf sich sitzen lassen. Bereits bei der DSK als Geschäftsführer beschäftigt, überzog Fuderholz die taz mit einer einstweiligen Verfügung, mehreren Unterlassungsklagen und Gegendarstellungen. Umsonst. Fuderholz verlor alle Prozesse.“
Günter Fuderholz' letztendlich gescheiterte Kündigung basierte auf Vorgängen um Immobilienfonds. Bei einigen dieser (sehr verlustreichen) Fonds wurden den Anlegern Mietgarantien gegeben. „Und das, obwohl die Wohnungen zusätzlich mit dem Einsatz öffentlicher Fördermittel gebaut wurden“ (taz, 15. März 2002). Fuderholz sagte 2003 als Zeuge im Untersuchungsausschuss aus, dass er als DSK-Geschäftsführer „in den Umfang der Risiken nicht eingeweiht“ war.
Für Barbara Oesterheld, die grüne Berliner Baupolitikerin und Fuderholz-Kritikerin, steht fest: „Er ist sehr kompetent, hat wohnungspolitisch Ahnung und kennt sich aus in Sachen Stadterneuerung“ , sagte sie der RUNDSCHAU. Auch Reiner Wild, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Berliner Mietervereins, stellte Fuderholz ein gutes Zeugnis aus: „Er ist ein profunder Kenner von Stadterneuerungsfragen und sicher ein geeigneter Bewerber“ für den FWO-Vorstandsposten.
Gleichzeitig bleibt Barbara Oesterheld aber dabei: Fuderholz sei in den Berliner „SPD-Seilschaften sehr dicht verwoben“ . Der einstige Wechsel zur DSK „war zwar nicht kriminell, aber jenseits des guten Tons“ . Nach all den Streitpunkten sei es für Barbara Oesterheld nicht verwunderlich, dass Günter Fuderholz in Berlin beruflich „auf keinen grünen Zweig mehr kommt“ und „sich irgendwohin verkrümeln muss, um die letzten Jahre jobmäßig über die Bühne zu kriegen“ . Wild glaubt eher, dass „der erhebliche Stellenabbau bei Bauträgern und die geringe Zahl öffentlicher Aufträge in Berlin auch Günter Fuderholz aus der Hauptstadt treibt“ .
Gern hätte die RUNDCHAU Günter Fuderholz zu seinem beruflichen Werdegang in Berlin und seinem Neuanfang in Forst gestern selbst befragt. Der neue FWO-Chef war aber trotz auf zwei Anrufbeantwortern hinterlassener Rückrufbitten nicht zu erreichen.