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| 17:51 Uhr

Tauschring
Forster können jetzt mit Rosen-Talern bezahlen

Jens Nowotnick (r.) vom Mehrgenerationenhaus will in Forst einen Tauschring etablieren. Angelika Ludwig (l.) und Simone Pflaum unterstützen ihn.
Jens Nowotnick (r.) vom Mehrgenerationenhaus will in Forst einen Tauschring etablieren. Angelika Ludwig (l.) und Simone Pflaum unterstützen ihn. FOTO: Katrin Kunipatz / LR
Forst. Das Mehrgenerationenhaus in der Stadt des Ostdeutschen Rosengartens will in Forst einen Tauschring etablieren. Die ersten Interessenten für die blumigen Taler gibt es schon. Von Katrin Kunipatz

Zeit ist die Währung beim Tauschring. Zeit, in der die alte Dame den Kuchen für den Kindergeburtstag bäckt, während ihr die junge Frau die Gardinen abhängt. So ähnlich stellt sich Jens Nowotnick vom Mehrgenerationenhaus den Tauschring Forst vor. Ende Januar hatte er zu einem ersten Treffen eingeladen. Sieben Interessierte kamen. Drei weitere wollen beim nächsten Mal dabei, freut sich Nowotnick über die Resonanz nach dem ersten Aufruf. Dieser war nur im Mehrgenerationenhaus und in den sozialen Medien bekannt gemacht worden.

Die Idee vom Tauschring ist nicht grundsätzlich neu. Aber in Forst hat es diese Art der organisierten Alltagshilfe noch nicht gegeben. Der Anstoß kam von einer Nachhilfelehrerin, die ehrenamtlich im Mehrgenerationenhaus mitarbeitet, so Jens Nowotnick. „Besucher und die Mitstreiter im Haus fanden die Idee gut“, berichtet er. Es folgte eine intensive Recherche. Den nächsten Tauschring fand Nowotnick in Berlin. Aktive Unterstützung erhielt er vom Vorsitzenden des Tauschrings Unna. Mit ihm hat er das Regelwerk für den Forster Tauschring erstellt.

Jens Nowotnick vergleicht das Angebot des Tauschrings mit einer Art Nachbarschaftshilfe. Die sei jedoch immer mehr eingeschlafen. „Oft kennen sich Nachbarn auch nicht mehr“, bemerkt er. Dabei gäbe es so viele Kleinigkeiten, die sich erledigen lassen, weil jemand mit zupackt. Mal ist nur ein Loch zu bohren. Oder die Seniorin reicht beim Fensterputzen nicht mehr ganz bis nach oben, sie lebt allein und scheut sich jemanden um Hilfe zu bitten. Dafür kann sie gut Stricken. Ein anderer ist vielleicht handwerklich geschickt, tut sich aber mit dem Formulieren von Briefen schwer.

Beim Tauschring kann jedes Mitglied Angebote machen oder Gesuche aufgeben. Ausgeschlossen sind allein Arbeiten, für die ein Meisterbrief erforderlich ist, juristische, notarielle oder steuerrechtliche Beratung sowie der medizinische Bereich. Anfangs werde man sich bei den monatlichen Treffen über die Angebote austauschen, so Nowotnick. Geplant sei eine Tauschzeitung, die gedruckt oder im Internet allen Mitgliedern zur Verfügung stehen würde.

Grundsätzlich gibt es keine Pflicht, dem Tauschpartner direkt eine Gegenleistung zu erbringen. Stattdessen erhält das Mitglied für eine erledigte Aufgabe eine entsprechende Zeitgutschrift auf sein Konto. Diese wird wiederum beim Tauschpartner abgezogen. Dabei ist es unerheblich, wie schwer, praktisch oder kreativ eine Tätigkeit ist. „Die Lebenszeit ist immer dasselbe wert“, sagt Jens Nowotnick. „Für ein Stunde bekommt man vier Rosentaler gutgeschrieben.“ Das Buchungssystem soll von der Freiwilligenagentur gepflegt werden, wenn dort eine neue Mitarbeiter im März startet, kündigt er an.

Mitglied des Tauschrings Forst kann jeder werden. „Im Moment sind es Forster ab 40. Die Älteste ist 84“, sagt Nowotnick. Er hofft für den Anfang auf 20 Mitstreiter und ist überzeugt, dass viele Forster Interesse an dieser Art der Nachbarschaftshilfe haben. Neben der konkreten Erledigung von Aufgaben sieht er im Tauschring einen wichtigen sozialen Aspekt. „Wer für andere tätig wird, fühlt sich wertgeschätzt und gebraucht“, so Nowotnick. Nicht für jeden sei das Ehrenamt der richtige Weg sich zu beweisen. Im Tauschring gibt es keine Verpflichtungen, selbst auf einen Mitgliedsbeitrag wird verzichtet.