Von Steffi Ludwig

Die Stadt Forst will – frühestens zum 1. Juli – eine neue Stelle im Eigenbetrieb Kultur, Tourismus, Marketing Rosenstadt Forst schaffen, die sich ausschließlich mit dem Brandenburgischen Textilmuseum Forst beschäftigt. Das haben die Stadtverordneten in ihrer Dezembersitzung mit dem Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs bestätigt.

Notwendig geworden ist die neue Stelle nach Auskunft des zuständigen Verwaltungsvorstands Sven Zuber aufgrund der geplanten Weiter­entwicklung des Textilmuseums. Die bauliche Aufwertung des Gebäudekomplexes der alten Tuchfabrik ist vorgesehen, um mehr Besucher anzulocken. Zudem soll ein separates Gebäude auf dem Gelände errichtet werden, in dem die Lok 36 der Stadteisenbahn „Schwarze Jule“ untergebracht werden soll. Auch das Archiv verschwundener Orte sowie das Kirchliche Informations- und Begegnungszentrum – beides momentan in Horno zu finden – sollen im Museumskomplex untergebracht werden.

Bisher habe sich die Werkleitung des Eigenbetriebes im Rahmen des „Tagesgeschäftes“ um das Textilmuseum gekümmert, was vorrangig die finanztechnische Abwicklung des städtischen Zuschusses sowie die Beantragung und Abrechnung der institutionellen Museumsförderung des Landkreises Spree-Neiße (siehe Kasten) umfasste. Nun sei jedoch auch eine fachliche Begleitung der Planungen zur Weiterentwicklung des Museums nötig, auch für die Integration des  Kirchlichen Informations- und Begegnungszentrums und des Archivs verschwundener Orte sowie der „Schwarzen Jule“. Wie soll die Betriebskonzeption aussehen, wie die Besucherführung? Das sind nur einige Fragen, die zu klären seien. Die Planungen zum Umbau laufen momentan, jedoch sind die notwendigen acht Millionen Euro für die Umsetzung noch nicht da, Bundes-Fördermittel wurden Ende 2018 beantragt.

Diese Fülle an Aufgaben – hinzu sollen unter anderem noch eine stärkere Einbindung ins städtische Marketing, mehr Netzwerkarbeit mit anderen Einrichtungen im Landkreis, Fördermittelakquise und natürlich eine enge Zusammenarbeit mit dem Museumsverein kommen – sei nur von einem neuen Mitarbeiter zu schaffen, so Zuber. Weder der Eigenbetrieb noch der Museumsverein, der das Textilmuseum im Auftrag der Stadt mit 3,5 Stellen betreibt, könne dies leisten.

„Wir hoffen, dass der neue Mitarbeiter für uns eine Unterstützung ist“, sagt Kristian Schmidt, Vorsitzender des Museumsvereins. Da er jedoch noch nicht genau wisse, wer der neue Mitarbeiter sei und was er genau mache, könne er den Vorgang jetzt noch nicht bewerten, so Schmidt. „Es ist perspektivisch jedoch gut, dass die Stadt mehr Verantwortung für das Museum übernimmt.“ Als Beispiele nannte er die Erstellung einer Internetplattform oder die Begleitung der bauseitigen Investitionen – das könne der Verein gar nicht leisten.

Ob die Stadt das Museum vielleicht auch in Trägerschaft übernehmen würde – auch darüber soll diskutiert werden, bestätigt Sven Zuber. Diese grundsätzliche strategische Diskussion sei aufgrund der Weiterentwicklung der Einrichtung notwendig, aber ergebnisoffen. Voraussichtlich im dritten Quartal 2019 sei hier mit einem ersten Entwurf zu rechnen, kündigt er an. Der Vertrag zwischen Stadt und Museumsverein ist im Jahr 1996 auf unbestimmte Zeit geschlossen worden.

Regelungsbedarf bestehe für das Jahr 2020 auch wegen der städtischen Zuschüsse an den Museumsverein, so Zuber. Im Vertrag war diese nur bis 2001 geregelt, danach immer nur durch ergänzende Vereinbarungen, die abhängig von Stadtverordnetenbeschlüssen waren. In der letzten Vereinbarung von 2017 sei die Höhe des Zuschusses nur bis 2019 geregelt worden. Das Verfahren zur Besetzung der neuen Stelle habe noch nicht begonnen, so Sven Zuber.