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| 01:09 Uhr

Neue Ortsschilder werfen alte Fragen auf

Vier neue Ortsschilder bekam jetzt der Wiesengrunder Ortsteil Mattendorf. Im Ortsteil Klinge wurde das neue Ortsschild noch nicht aufgestellt, da es Uneinigkeit über die sorbisch/wendische Schreibweise des Ortsnamens gibt.
Vier neue Ortsschilder bekam jetzt der Wiesengrunder Ortsteil Mattendorf. Im Ortsteil Klinge wurde das neue Ortsschild noch nicht aufgestellt, da es Uneinigkeit über die sorbisch/wendische Schreibweise des Ortsnamens gibt. FOTO: Angela Hanschke
Nachträglich genehmigten diese Woche die Gemeindevertreter von Wiesengrund die außerplanmäßige Ausgabe von rund 1800 Euro zur Anschaffung von Ortsschildern. Zuvor hatten Amtsdirektor Werner Guckenberger und der stellvertretende Bürgermeister von Wiesengrund, Reiner Brauer, eine Eilentscheidung getroffen. Die Ausgabe wird noch für das Haushaltjahr 2005 wirksam. Von Angela Hanschke

Die neuen Ortsschilder wurden mit der Bildung der Gemeinde "Wiesengrund" nach der Gemeindegebietsreform notwendig. Bereits vor Jahren hatte Wiesengrund seine Zugehörigkeit zum sorbischen/wendischen Siedlungsgebiet erklärt. Hierbei wurde irrtümlich angenommen, dass das Auswechseln der Schilder keine Eigenmittel erfordern würde, Gelder wurden daher nicht in den Haushalt eingestellt.
Der Ortsteil Mattendorf bekam jetzt vier Schilder, drei gingen in den Ortsteil Trebendorf, zwei nach Smarso und je ein Exemplar nach Jethe, Klinge und Gahry. Drei kleinere Schilder sind für Nebenwege in Gahry, Jethe und Mattendorf bestimmt. Das sei knapp bemessen für Jethe und Smarso, bemängelte Klaus Holzbecher.
Es wurde nicht für alle bestehenden Ortstafeln ein Ersatz geliefert. Nun müsse noch einmal geprüft werden, ob zukünftig weitere Tafeln dazukommen müssten, informierte Reiner Brauer, der wie die übrigen Gemeindevertreter von Fördermitteln für die zweisprachige Beschilderung ausging.
„Trebendorf, Trjebejce; Gemeinde Wiesengrund, Gmejna Lukojce“ , so steht es bereits deutsch und sorbisch/wendisch am Ortstein- und ausgang von Trebendorf. In Klinge dagegen wurden die neuen Tafeln noch nicht angebracht. Die sorbische/wendische Bezeichnung sei falsch, informierte Ortsbürgermeister Dieter Stodian. "Seit Jahren steht es auch richtig ,Glinka' auf der Bahnhofsbeschilderung", so Stodian, der sich verärgert über die ursprüngliche Information zeigte, wonach die Ortstafeln die Gemeinde nicht finanziell belasten würden.
Überrascht über die neue Schreibweise zeigte sich auch Bernd-Rainer Ackermann, der Chef, der Klinger Heimatfreunde. "Glinka" heiße es auch in der Chronik des devastierten Ortes und sei von Glina, einem Wort für Lehm abgeleitet worden. Schließlich sei Klinge einmal für seine reichen Lehm- und Tonlagerstätten bekannt gewesen, die auch Material für die ehemals drei bestehenden Ziegeleien lieferten, berichtet er. Er sei überzeugt, auf historischen Flurkarten heiße es "Glinka", so Ackermann. "Seit Eh' und Jeh'" stehe diese Bezeichnung auch am Bahnhof. Ähnlich klingende Ortsnamen gebe es in Trebendorf mit „Glina“ und „Glienonicken“ (Lehmbeete) in Groß Schacksdorf.
Die Sorben/Wendenbeauftragte des Landkreises, Kerstin Kossack, erklärte jedoch auf RUNDSCHAU-Anfrage, dass „Klinka“ die korrekte Schreibung sei. Sie beruft sich dabei auf das 1999 erschienene Deutsch/Niedersorbische Wörterbuch von Manfred Starosta, das den neuesten Stand der Orts- und Flurnamenforschung verkörpere. Damit will sich Ortsbürgermeister Dieter Stodian nicht so ohne weiteres abfinden: "Wir wollen unsere alte Schreibweise behalten", meinte er.