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| 12:03 Uhr

Windpark spaltet die Gemeinde
Neiße-Malxetal entscheidet knapp gegen Windpark

Windkraftanlagen
Windkraftanlagen FOTO: LR / Elisabeth Wrobel
Jerischke. Neiße-Malxetal votiert mit Patt zu 20 geplanten Windkraftanlagen bei Jerischke. Die Entscheidung trifft jedoch das Landesumweltamt. Von Steffi Ludwig

Es war eine sehr emotionale Debatte am Donnerstagabend im Schullandheim Jerischke. Die Gemeindevertreter hatten über einen Antrag der Firma Ostwind über die Errichtung von 20 Windkraftanlagen nördlich von Jerischke im sogenannten Windpark Bahren West zu entscheiden – beziehungsweise über die Grundstücke auf der Gemarkung Jerischke, die als Abstandsflächen dienen sollen. Denn, wie Bauamtsleiter Uwe Eppinger mehrfach betonte, habe das Landesumweltamt letztlich die finale Entscheidungsgewalt über die Errichtung der Anlagen. Deshalb seien Einwendungen auch direkt dorthin zu senden.

Es waren jedoch mehr als 40 Einwohner der Gemeinde Neiße-Malxetal und umliegender Orte gekommen, um ihrem Unmut über den Windpark Luft zu machen. Dagmar Baumann aus Bahren betreibt mit ihrem Sohn eine Ferienwohnung, die rund 1000 Meter Abstand zum Windrad hätte. Sie fürchtet um die Ruhe der Urlauber und darum, dass sie die Wohnung aufgeben müsse. Andere Einwohner bewegte der Artenschutz und der Infraschall sowie dessen negative Auswirkung auf den Menschen. Eine Vertreterin aus Klein Bademeusel betonte, dass die Angst umgehe in ihrem Ort. Alle seien froh gewesen, dass sich wieder junge Leute hier angesiedelt hätten, und nun werde „dieses schöne Landstück“ kaputt gemacht. Auch Fragen danach, wer bei einem Brand hafte, oder nach den Schutzmaßnahmen für die Trinkwasser-Selbstversorger aus Raden kamen auf. Frank Schneider aus Klein Düben fragte die Ortsvorsteher, ob sie die Bürger befragt hätten, ob solch eine Anlage überhaupt gewollt ist. Lediglich der Jerischker Ortsvorsteher Dietmar Thron bemerkte, dass er eine Bürgerversammlung begrüßt hätte, aber dafür zu wenig Zeit gewesen sei.

Dabei hatten die Gemeindevertreter bereits 2012 mit Stimmenmehrheit für den Windpark votiert, 2014 sollten die 20 Windräder in Betrieb gehen. Eine Änderung der Zuständigkeiten im Landesumweltamt hatte laut Uwe Eppinger jedoch dafür gesorgt, dass aus der schon kurz bevorstehenden Genehmigung nichts wurde. So musste das Verfahren noch einmal neu aufgerollt werden.

Für ihn sei es nicht schön, dass so viel Emotionalität in dem Thema liege, sagte Augustin Köllner von der Firma Ostwind, ebenfalls in Jerischke dabei. Er wolle so transparent wie möglich informieren. Seit Dienstag gebe es die Internetseite www.windpark-bahren-west.de, zudem seien mehrere Infotage geplant. Zum Brandschutz sagte er, dass mehrere Löschteiche sowie ein zweiter Feuerwachturm errichtet werden müssen. Es gebe strenge Auflagen, auch beim Trinkwasser. Die Fundamente endeten oberhalb der grundwasserführenden Schichten. Die 20 Windenergieanlagen sind jeweils 241 Meter hoch und sollen 100 000 Haushalte mit Strom versorgen.

Die Gemeindevertreter standen gewaltig unter Druck, Dietmar Thron gab zu, seit Tagen schlecht geschlafen zu haben. Sie könnten mit ihrem Beschluss ein Zeichen setzen, wurde im Raum immer wieder betont – auch wenn letztlich die Behörde entscheide. Bürgermeister Eberhard Müller betonte, dass sich die Gemeinde nicht darum gerissen habe, im Windeignungsgebiet zu liegen. Dennoch hätten die Gemeindevertreter auch eine Versorgungspflicht der Einwohner, sagte er und wies auf den kommenden Ausstieg aus der Kohleverstromung hin.

In der namentlichen Abstimmung entschieden sich schließlich fünf Gemeindevertreter für den Windpark-Antrag und fünf dagegen. Diese Patt-Situation bedeutet, dass der Antrag abgelehnt ist. Die Bürger applaudierten. Nun müsse sich das Landesumweltamt mit dem Beschluss und den Einwendungen befassen, resümiert Uwe Eppinger.