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| 15:41 Uhr

Trockenheit
Flussbett komplett ausgetrocknet

Stauwärter Uwe Landow am Auslaufbauwerk des Schöpfwerkes in Briesnig. Der Neiße-Malxe-Kanal ist komplett ausgetrocknet.
Stauwärter Uwe Landow am Auslaufbauwerk des Schöpfwerkes in Briesnig. Der Neiße-Malxe-Kanal ist komplett ausgetrocknet. FOTO: LR / Steffi Ludwig
Forst. Neiße-Malxe-Kanal zwischen Briesnig und Bohrau ist ohne Wasser. Fische und Muscheln tot. Von Steffi Ludwig

„So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt Uwe Landow, während er in das ausgetrocknete Bett des Neiße-Malxe-Kanals im nördlichen Forster Ortsteil Briesnig schaut. Normalerweise müsste hier das Wasser einen halben Meter hoch entlangfließen, weiter in die Neiße. Doch jetzt ist nur aufgerissene Erde zu sehen, an einige Stellen liegen verendete Muscheln.

Seit 35 Jahren ist Uwe Landow Stauwärter, arbeitet in den zwei Schöpfwerken des Gewässerverbandes Spree-Neiße in Briesnig. Die Unterhaltung und Bewirtschaftung der Gewässer im Auftrag des Landes Brandenburg sind seine Aufgaben. Vor einigen Jahren sei das Wasser hier schon einmal versiegt – aber noch nie so lange und auf so einem großen Stück des Flusslaufes, berichtet der 53-Jährige. Denn bereits seit zwei Wochen ist der Bereich des Neiße-Malxe-Kanals zwischen Bohrau und Briesnig ausgetrocknet. Keine kleine Pfütze ist mehr zu sehen. Besonders gut lässt sich das Dilemma auf der Brücke in Briesnig Richtung Naundorf betrachten, hat Reik Kasper von der Agrargenossenschaft bemerkt. Auch er hat solch einen Zustand hier noch nicht erlebt.

Das Wasser, mit dem die Malxe aus Döbern kommend den Kanal speist, reiche einfach nicht aus, erklärt der Stauwärter. Dafür sei einerseits die Trockenheit, die seit dem Frühjahr vorherrsche, verantwortlich. Andererseits seien derzeit die Teichwirtschaften bemüht, alles Wasser, das aus Döbern kommt, anzustauen, um Sauerstoff für die Fische in die Teiche zu bekommen, erklärt Landow. Hinzu komme das Problem, dass der Biber in Groß Kölzig, Jocksdorf oder Noßdorf Dämme baue und so das Wasser zurückhalte.

„Die Auswirkungen auf die Natur sind extrem“, sagt Uwe Landow. Alle Fische und Muscheln in dem Bereich sind verendet. „Weißfische, kleine Zander und Schleie – das ist schon ein Verlust“, so der Stauwärter. „Dafür freuen sich der Storch und der Fischreiher, dass sie mehr zu fressen haben.“ Auf die Wasserversorgung habe die Austrocknung keine Auswirkungen, höchstens für die direkten Anlieger mit Brunnen, deren Grundwasserpegel fällt. Gebraucht werde nun viel Regen, nicht nur ein kurzer Gewitterschauer, damit sich die Malxe wieder auffülle und somit auch der Kanal.

Dies hofft inständig auch Teichwirt Christoph Junghanns, der 250 Hektar Teiche zwischen Groß Jamno und Mulknitz bewirtschaftet. „Wir haben erste massive Verluste zu verzeichnen und haben inzwischen das Füttern der Fische eingestellt“, berichtet er. Denn die Fische bräuchten zum Verdauen Sauerstoff. Wenn dieser nicht genügend vorhanden ist, könnten sie die Nahrung nicht mehr umsetzen und sterben. „Wir haben quasi die Produktion eingestellt und versuchen nur noch, die Fische zu retten“, so Junghanns. Denn gerade auch die Fischräuber wie der Kormoran hätten momentan ein leichtes Spiel, da die Fische durch das Niedrigwasser und den Sauerstoffmangel dicht unter der Oberfläche schwimmen. „Wenn in den nächsten drei Wochen kein großer Regen kommt, sehe ich schwarz“, bringt es der Fischwirt auf den Punkt.

Der Neiße-Malxe-Kanal ist in der Lausitz aber bei Weitem nicht der einzige Wasserlauf ohne Inhalt. Die Hitzewelle hat auch der Schwarzen Elster in Senftenberg das Wasser geraubt und sie austrocknen lassen. Das freigelegte Flussbett bringt etliche Muscheln und stellenweise tote Fische zu Tage.

Die Muscheln im Flussbett sind verendet.
Die Muscheln im Flussbett sind verendet. FOTO: LR / Steffi Ludwig