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Naundorferin schreibt persönliche Chronik auf

Leonie Starick mit den Fotos aus ihrer Kindheit.
Leonie Starick mit den Fotos aus ihrer Kindheit. FOTO: Steffi Ludwig
Forst. "Meine Heimat Naundorf" hat Leonie Starick (86) ihre kleine persönliche Chronik überschrieben. Die alte Dame, die heute im neuen Horno lebt, möchte ihre Erinnerungen an die Kindheit weitergeben, bevor es zu spät ist und hat sich deshalb an die RUNDSCHAU gewandt. Steffi Ludwig

1931 wurde sie geboren, 1942 starb die Mutter. "Es waren Kriegsjahre", sagt Leonie Starick bitter. Das Wasser aus dem Brunnen reichte nur zum Einweichen und Abkochen der Wäsche. So mussten sie bis zum Hauptgraben fahren, um in dem klaren Wasser die Wäsche zu spülen. Ab und zu sei auch Hochwasser vorgekommen.

In Naundorf habe es damals eine Kirche, ein Feuerwehrhaus, eine Schule, eine Gaststätte, ein Gefängnis und ein Gutshaus gegeben, erinnert sie sich.

Eine Zeitlang lebte sie bei der Tante in Dresden und kam dann nach Naundorf zurück. "Das Brot mussten wir in Briesnig holen und haben es auf dem Heimweg manchmal angeknabbert, weil wir Hunger hatten", berichtet die 86-Jährige. Vieles hätten sie entbehrt: So habe es beispielsweise keinen Zucker und keinen Strom gegeben.

Erinnern kann sie sich auch an zwei Schulfreundinnen in Neu Sacro. Deren Mutter habe sie mit der Milchkanne in den Kuhstall zum Milchholen geschickt und daraus eine leckere Suppe gekocht. "Die koche ich mir heute immer noch", sagt Leonie Starick.

Hätte sie die vergilbten Fotos nicht, könnte sie sich gar nicht mehr an die Zeit erinnern, sagt die 86-Jährige, die mit ihrem Sohn in einem Haus lebt.

Sie ist gesundheitlich angeschlagen, hat mehrere Operationen überstanden. Aber trotzdem sagt sie von sich: "Mir geht es gut, ich bin zufrieden." Der Pflegedienst Hagen Wunderlich kümmere sich gut um sie, auch ihrer Nachbarin sei sie sehr dankbar, weil sie viel mit ihr herumgefahren sei.

Die Bilder aus ihrer Kindheit hütet sie gut - erinnern sie sie doch immer wieder an ihre Zeit in Naundorf.