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| 17:59 Uhr

Gartenerlebnisse
Bienenparadies in der Morgenröte

Steffi Merke-Reßing zeigt ihrer Tochter Junis, welche Käfer in einem naturnahen Garten leben.
Steffi Merke-Reßing zeigt ihrer Tochter Junis, welche Käfer in einem naturnahen Garten leben. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Forst. Naturnahen Garten strebt Steffi Merke-Reßing an. Er bietet Lebensraum für viele Insektenarten. Von Katrin Kunipatz

Der Garten von Steffi Merke-Reßing ist anders als die üblichen Kleingärten in der Sparte „Morgenröte“ in Forst. Exakt gezogene Beete mit brauner Erde findet man bei der 39-Jährigen nicht. Erdbeerpflanzen wachsen auf einem Hügel. Verrottender Grasschnitt bedeckt den Boden. „Dieser Mulch verhindert, dass der Boden zu schnell austrocknet, und es wächst nicht so viel Unkraut durch“, erklärt die Gärtnerin.

Tatsächlich hat die Mutter zweier Kinder diesen Beruf erlernt. 1997 habe sie die Ausbildung abgeschlossen. Der Ertrag stand damals im Vordergrund und um den zu erreichen, kamen Pflanzenschutzmittel zum Einsatz. „Das Natürliche hat mir gefehlt“, so Merke-Reßing. Denn schon auf dem Bauernhof ihres Opas hatte sie mitbekommen, wie die Dinge der Natur miteinander zusammenhängen. Sie wechselte in den Garten- und Landschaftsbau und traf auf einen Chef, der ihre Ideen teilte. „Doch es war schwer, die Kunden zu überzeugen, dass es besser ist, Unkraut rauszukratzen als zu spritzen“, sagt Steffi Merke-Reßing. Jeder wollte den Vorgarten so pflegeleicht wie möglich.

In ihrem eigenen Kleingarten verfolgt sie ein anderes Konzept. Es orientiert sich am Drei-Zonen-Garten. „Ein naturnaher Garten ist mein Ziel“, so Steffi Merke-Reßing. Sie setzt auf einheimische Pflanzen. Via Internet tauscht sie Saatgut mit anderen, um das Alte zu bewahren und Vielfalt zu erhalten. Dünger, Schädlingsbekämpfungsmittel oder Pflanzengift gibt es bei ihr nicht. „Dafür bleibt alles, was im Garten ist, auch hier“, betont die Gärtnerin.

Unkraut wird ausgerissen. Zusammen mit den Resten von Pflanzen landet es auf dem Kompost, der später neue Nährstoffe in die Beete bringt. Bei der Schädlingsbekämpfung vertraut sie auf die Kreisläufe der Natur: Vögel fressen Raupen. Selbst Weinbergschnecken dürfen bleiben, sie fressen nämlich Nacktschnecken, erläutert sie. Baumschnitt wird zu einer Totholzhecke aufgeschichtet. Im vergangenen Jahr überwinterte hier ein Igel. Große Äste bleiben ebenfalls liegen. Genau wie das Steinbeet dient es Tieren als Unterschlupf und Kinderstube. Eidechsen und Blindschleichen konnte sie schon beobachten. „Im vergangenen Jahr habe ich neun verschiedene Schmetterlinge im Garten gesehen“, sagt sie. Darunter waren der Kleine Fuchs, ein Admiral und der sehr seltene Segelfalter. „Es sind diese kleinen Erfolge, über die ich mich freue“, so Merke-Reßing.

Natürlich ist ein naturnaher Garten zeitaufwendig. Dessen ist sich Steffi Merke-Reßing bewusst. Für sie ist der Garten wichtig – als Aufgabe und Therapie. Denn aufgrund einer chronischen Lungenerkrankung kann sie nicht arbeiten gehen. Bei schweren Arbeiten im Garten hilft ihr Mann Steffen. Und wenn alles blüht, bleibt der Rasen eben ungemäht. In der Gartensparte gilt die junge Frau deshalb als Sonderling. Während manche total begeistert seien, schütteln andere den Kopf, berichtet sie. Sie selbst möchte das Verständnis für Gärtnern im Einklang mit der Natur fördern und hat noch viele Pläne.

In diesem Jahr soll eine Magerwiese rund um den Apfelbaum entstehen. Dort können Wildkräuter wachsen – Blüten, die für Bienen und andere Insekten wichtig sind. Ein weiterer Wunsch sei das Schlüssellochbeet. Es ist kreisförmig, hat aber einen Einschnitt, damit die Mitte des Beetes gut zu erreichen ist. Dort befindet sich der Kompostbereich, über den das Beet mit Nährstoffen versorgt wird. Und eine Bienenecke soll es auch einmal geben.