ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:55 Uhr

Seltene Straßenbäume
Naturkunstwerk „Forster Tor“

Zwei Linden bilden das „Forster Tor“ auf der L 49 kurz hinter Dubrau in Richtung Cottbus.
Zwei Linden bilden das „Forster Tor“ auf der L 49 kurz hinter Dubrau in Richtung Cottbus. FOTO: LR / Frank Hilbert
Forst. Zwei Linden an der L 49 kurz hinter Dubrau bilden eine außergewöhnliche Konstruktion. Von Steffi Ludwig

Ramona Nagel muss es wissen. Seit 27 Jahren sind Bäume ihr Steckenpferd. Die Sachbearbeiterin Baumschutz der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises kennt in Spree-Neiße nahezu jeden Baum und hat auch bei sämtlichen Fahrten und Urlauben immer die Bäume im Blick. Aber solch eine Naturkonstruktion wie an der Landesstraße L 49 zwischen Forst und Cottbus, kurz hinter Dubrau, hat auch sie noch nicht gesehen.

Zwei riesige Linden stehen sich hier auf beiden Seiten der Straße gegenüber, nur minimal versetzt. Ihre Kronen sind zusammengewachsen und bilden quasi ein Tor über der Straße. „Das ist schon sehr außergewöhnlich“, findet Ramona Nagel.

Etwa 80 Jahre sind die Linden alt. Sie waren damals zusammen mit Obstbäumen an der Straße gepflanzt worden. Die Obstbäume seien jedoch eingegangen, so die­  Baumexpertin. Zu DDR-Zeiten habe sich keiner so richtig um die Bäume und auch die zwei Linden gekümmert. Nach Auskunft des Leiters der Forster Straßenmeisterei, Matthias Kockott, stehen sie fast genau auf der Grenze zwischen Amt Döbern-Land und Gemeinde Neuhausen. Ob sie bewusst dort gepflanzt wurden, können weder er noch Ramona Nagel sagen. Von älteren Kollegen der Straßenmeisterei ist überliefert, dass zu DDR-Zeiten dort die Grenze zwischen den damaligen Kreisen Cottbus-Land und Forst verlaufen ist und somit auch die Grenze der Straßenmeisterei Forst. Aus dieser Zeit stammt auch die Bezeichnung „Forster Tor“, die sich im Volksmund gehalten hat.

Nach der Wende habe sich die Straßenmeisterei sehr für die zwei Lindenbäume eingesetzt, so Ramona Nagel. Die Bäume seien damals kleiner gewesen, hätten sich aber schon gegenseitig gestützt und geschützt. Die Mitarbeiter und Leiter Hartwig Noack hätten dafür gesorgt, dass die Ackerseite nicht beschnitten wird und deshalb auch enge Kontakte mit den anliegenden Landwirten gehalten, so Nagel. Möglichst wenig Eingriffe von außen, lautete damals das Pflege-Credo.

Auch jetzt werden die Bäume nur sehr wenig und sehr selten beschnitten. Laut Matthias Kockott habe die Spremberger Firma Frischke Landschaftspflege vor etwa vier Jahren die Linden das letzte Mal geschnitten. „Und das sehr vorsichtig“, bestätigt Bauleiter und Baumkontrolleur Oliver Schulze von Frischke Landschaftspflege. Es gebe nur die Vorschrift, dass der lichte Raum unter den Bäumen auf einer Landesstraße eine Höhe von 4,50 Metern haben muss. Und die habe das „Forster Tor“ ungefähr. Durch das Durchfahren der Autos oder Lkw könnten sich zudem keine Blätter in diesem Bereich bilden, so Kockott.

Die Straßenmeisterei und die Untere Naturschutzbehörde setzen sich dafür ein, dass das „Forster Tor“ erhalten bleibt. „Linden sind sehr robust – die beiden schaffen noch 20 bis 50 Jahre“, ist Ramona Nagel überzeugt. Zweimal im Jahr gebe es Baumschauen im Landkreis, bei denen es in erster Linie um die Verkehrssicherheit gehe. „Wir reagieren erst, wenn die Sicherheit beeinträchtigt ist“, sagt sie.