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Nähmaschine erfüllt Wünsche

Samineh Mohammabtaheri (l.) und Fatemeh Koorepazi nähen Kostüme für Forster Kalenderdarsteller.
Samineh Mohammabtaheri (l.) und Fatemeh Koorepazi nähen Kostüme für Forster Kalenderdarsteller. FOTO: Katrin Kunipatz
Forst. Über 120 Menschen sind in Forst Teil eines Kalenderprojektes. Das Flüchtlingsnetzwerk will auf zwölf Seiten die Vielfalt in der Stadt zeigen. Katrin Kunipatz

Stadtteilmanagerin Kathleen Hubrich koordiniert das Projekt. Die Idee - Vielfalt und Einzigartigkeit der in Forst lebenden Menschen in Fotografien festzuhalten - schlummere schon länger in ihrem Kopf. "Aber erst jetzt ist es auch sprachlich möglich das Projekt umzusetzen", sagt sie.

Samineh Mohammabtaheri nickt. Die iranische Christin lebt seit drei Jahren in Forst. Seitdem hat sie verschiedene Sprachkurse absolviert und ist jetzt Gemeindedolmetscherin für Geflüchtete. Im Iran hat sie neun Jahre lang als Maskenbildnerin fürs Fernsehen gearbeitet. Beim Kalenderprojekt übernimmt sie das Schminken der Models - so die Frauen, Männer und Kinder es wünschen.

Denn für das Foto darf jedes Kalendermodel in eine Wunschrolle schlüpfen. Die Liste füllte sich schnell. "Problemlos hätten wir 18 Seiten füllen können", sagt Kathleen Hubrich. Deshalb lassen sich jetzt einige gemeinsam ablichten. Fotografiert werden sie von Hossein. Er arbeitete im Iran fürs Fernsehen und freut sich im Rahmen des Projektes einige seiner Fähigkeiten zeigen zu können. Die ersten Aufnahmen mit sechs jungen Männern, teilweise in traditioneller afghanischer Kleidung, entstanden kürzlich am Neißeufer. Weitere Fototermine folgen in den nächsten Wochen. Eine Herausforderung werde es sein, die 74 Darsteller des Euloer Kinderzirkus (Eukizi) auf ein Foto zu bannen, vermutet Stadtteilmanagerin Kathleen Hubrich.

Bis es soweit ist, hat Fatemeh Koorepazi noch viel zu tun. Die 31-Jährige ist Schneiderin. Im Iran hatte sie Modedesign studiert. Jetzt lebt sie mit ihrer Familie seit zwei Jahren in Forst. Für den Kalender näht sie nach den Wünschen der Kalendermodels Kostüme. Zwei Jungen wollen als Napoleon und persischer König fotografiert werden. Entstehen sollen auch ein echtes Brautkleid und ein rosa Prinzessinnenkleid. Schnittmuster braucht Fatemeh dafür nicht. Allein die Maße der Frauen und Kinder reichen ihr aus.

Die Stoffe dafür hat Kathleen Hubrich mit den beiden iranischen Frauen in Forst und Cottbus gekauft. Der Nachmittag wurde zur Vokabelstunde. Jetzt kennt die iranische Schneiderin beispielsweise die Worte für Samt, Tüll, Seide und Borte. Genäht wird in einem kleinen Zimmer, das die freikirchliche Gemeinde Forst zur Verfügung stellt. Die beiden Nähmaschinen hat Manuela Kohlbacher, die sich im Flüchtlingsnetzwerk engagiert, besorgt. Ein Teil der Nähgarne spendete das Textilmuseum. Zeit zum Nähen hat Fatemeh Koorepazi immer, wenn die Kinder in der Kita sind oder am Nachmittag. Und manchmal sogar nachts, wenn ein Stück unbedingt fertig werden soll.

Dabei wird nicht alles neu hergestellt. Die Theatergruppe von Pfarrer Bodo Trümmer hat eigene Kostüme. Und auch für die Eukizi-Kinder gibt es einen großen Fundus. Nur sind die Sachen oft nicht mehr ganz in Ordnung. Christel Ihlo vom Strickkreis und Fatemeh Koorepazi reparieren die Kleidung.

Kathleen Hubrich freut sich vor allem, dass die beteiligten Flüchtlinge eine Aufgabe bekommen. Für Fatemeh hofft die Stadtteilmanagerin, dass sich aus dem Projekt heraus vielleicht eine Arbeitsmöglichkeit für die Schneiderin ergibt. Frauen aus der freikirchlichen Gemeinde wünschen sich einen Nähkurs. Selbst dies ist im Sinn des Kalenderprojektes. "Menschen verbinden sich", so Hubrich, "und es entsteht neuer Zusammenhalt".

Zum Thema:
Ins Leben gerufen hat das Kalenderprojekt das Forster Flüchtlingsnetzwerk. Hier sind seit 2014 Bürger, Vereine, Unternehmen und Kirchgemeinden beteiligt. Beim Kalender arbeiten mit: das Netzwerk für Gesunde Kinder mit der Nähgruppe im Familientreff, die Nähgruppe im Textilmuseum und Flüchtlinge aus dem Iran. Fördermittel für das Projekt kommen aus dem Programm "Demokratie leben". Bezahlt werden mit dem Geld die Stoffe und der Druck es immerwährenden Kalenders. Die 2000 Stück sollen kostenfrei an Unterstützer oder Beteiligte gehen, so Kathleen Hubrich.