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| 16:55 Uhr

Forst
Freund und Förderer verloren

Auf dem Forster Weihnachtsmarkt war Reinhard Kalleske, gezeichnet von seiner Krankheit, das letzte Mal bei einem Auftritt von Michelle Bönisch dabei.
Auf dem Forster Weihnachtsmarkt war Reinhard Kalleske, gezeichnet von seiner Krankheit, das letzte Mal bei einem Auftritt von Michelle Bönisch dabei. FOTO: Bönisch
Forst. Nachwuchssängerin Michelle Bönisch trauert um verstorbenen Komponist Reinhard Kalleske. Von Steffi Ludwig

Er war für sie der Texter ihrer ersten Lieder und ihr Förderer, aber auch viel mehr als das: nämlich ein Freund, gehörte quasi zur Familie. Als Ende Februar das Herz von Reinhard Kalleske aufhörte zu schlagen, war das für die Forster Nachwuchssängerin Michelle Bönisch (18) und ihre Familie sehr schwer. Und auch die Beerdigung am Gründonnerstag wird noch einmal viele Erinnerungen aufwühlen. „Er war für Michelle wie ein Opa, kam zu jedem Geburtstag“, berichtet ihre Mutter Katrin Bönisch. „Ich war für ihn das Enkelmädchen, das er lange Jahre nicht hatte“, ergänzt Michelle. „Ich kenne ihn rund zwölf Jahre, länger als mein halbes Leben.“

Denn es war bei einem ihrer ersten Auftritte, als Reinhard Kalleske ihren Großvater Jürgen Bönisch ansprach. Jürgen Bönisch, der sich viele Jahre um die Auftritte von Michelle kümmerte, habe daraufhin gesagt: Wir suchen jemanden, der textet. „So kam es, dass er meine ersten Lieder getextet hat“, erzählt Michelle, die damals Stefanie Hertel als Vorbild hatte und auch viele von deren Liedern auf Familien-, Heimat- und Stadtfesten sang.

Bei ihrem ersten Talentwettbewerb im Vogtland sang sie dann sehr erfolgreich zwei Titel von Reinhard Kalleske. Dort traf sie auch auf Eberhard Hertel, den Vater von Stefanie, und es entstand die Idee, an der ARD-Volksmusik-Gala „Die Krone der Volksmusik“ teilzunehmen. In der Livesendung sang die damals Zehnjährige vor großem Publikum auch Kalleskes Lied „Wir Kinder malen unsere Welt“.

Der Musikpädagoge und Komponist reiste immer mit, war bei den Auftritten dabei, auch beispielsweise bei Jugend musiziert in Stuttgart. „Er hat mich an die Hand genommen, hat immer an mich geglaubt“, so Michelle Bönisch. Mit geschlossenen Augen habe er beim Vorsingen zugehört und dabei seinen Bart gestreichelt, erinnert sie sich schmunzelnd.

Kalleske hat sie auch dann noch begleitet, als seine Technik nicht mehr ausreichte und sich die Nachwuchssängerin neue Tonstudios und Produzenten suchte. Der Forster textete sogar Lieder für die Familie, zu allen runden Geburtstagen. „Michelle hat sie dann vorgetragen. Und er hat immer ganz besondere Worte gefunden“, erinnert sich Katrin Bönisch.

Auch als er bereits von seiner Krebserkrankung gezeichnet war, ist er im Dezember zu Michelles Auftritt auf den Forster Weihnachtsmarkt gekommen. „Quasi direkt aus dem Krankenhaus“, so Michelle. Deshalb habe sie zwei Lieder zusätzlich für ihn gesungen – denn es war das letzte Mal, dass er sie singen hörte.

Auf dem Sterbebett habe Kalleske zu ihr gesagt: „Du machst Deinen Weg.“ Und das hat Michelle Bönisch auch vor: Denn gerade, als ihr Mentor starb, machte sie Fotos für ihre neue CD. Das Album „Ultraleicht“ wird bald erscheinen, am 10. Juni präsentiert sie es im „Hornoer Krug“. Ihr Musikstil hat sich über die Jahre von der Volksmusik zum deutschen Schlager-Pop-Dance gewandelt. Ob sie mal von der Musik leben kann, weiß die Forsterin noch nicht. Im Moment gehe das Abitur mit den Prüfungen im Mai vor. Und dann plane sie, Musik auf Lehramt zu studieren, in Leipzig, Berlin oder Potsdam.

Reinhard Kalleske war Anfang März für seine Verdienste vom Noßdorfer Mühlenverein geehrt worden – denn auch für Noßdorf hatte er vier Lieder komponiert. Diese werden weiterleben, ebenso wie viele andere seiner Werke.