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| 17:27 Uhr

Himmelfahrt
Nachwuchs für die Bahn

Tom Mehling (15) bei seinem ersten Einsatz als neues Vereinsmitglied. Er stellt die Weichen um, damit die kleine Parkbahn ihre Runden drehen kann.
Tom Mehling (15) bei seinem ersten Einsatz als neues Vereinsmitglied. Er stellt die Weichen um, damit die kleine Parkbahn ihre Runden drehen kann. FOTO: Margit Jahn
Klein Kölzig. Die Alte Ziegelei mit Feldbahn in Klein Kölzig zog Himmelfahrt nicht nur Ausflügler an. Von Margit Jahn

Welcher Junge träumt nicht den Traum, einmal Lokführer zu sein. Diesen Traum hat sich jetzt Tom Mehling, 15 Jahre jung, Neuntklässler der Gutenberg-Oberschule aus Forst, erfüllt. Er ist bahntechnisch gesehen schon ein alter Hase, ist er doch seit Langem Mitglied bei der Parkeisenbahn Cottbus. Doch in Klein Kölzig bei der Feldbahn mitzumachen, reizte ihn besonderes. Die Tante hat in der Nähe einen Garten, und bei Spaziergängen sind sie gern auf dem alten Ziegeleigelände unterwegs gewesen. Als er beobachtet hatte, dass die alte Ziegeleibahnstrecke wieder aufgebaut werden soll, hielt ihn nichts mehr. Es folgte eine Mail Uwe Eppinger, Chef des Klein Kölziger Ziegeleibahn-Vereins, der Tom nur zu gern am Himmelfahrtstag als neuen und jungen, vor allem engagierten Nachwuchs aufgenommen hat.

Tom Mehling sagt: „Hier kann man bei dem Neuaufbau helfen und später sagen, ich habe die Strecke mit aufgebaut.“ Die kleine Hürde des Fahrweges verbleibt noch, Tom hofft, später mal mit dem Moped nach Klein Kölzig zu fahren, denn immerhin müssen 14 Kilometer für eine Strecke bewältigt werden und mit öffentlichen Verkehrsmitteln sei es schwierig.

Doch zu Himmelfahrt hatte er einen guten Einstand. Verführerisch duftete es an der Alten Ziegelei in Klein Kölzig nach Bratwürstchen, der Blick schweifte über die Gleisanlage zu den romantisch dahinter liegenden kleinen Teichen, und an der Ziegelei, die den historischen großen Ringbrandofen mit den 18 Kammern beinhaltet, war geschäftiges Treiben angesagt. Der Platz füllte sich mit radelfreudigen Himmelfahrtsausflüglern, und Uwe Eppinger sowie seine Bahnkollegen begrüßten ihre Gäste.

Die Kinder entdeckten gleich das kleine Waldbähnchen, und wann immer genügend Fahrgäste zusammenkamen, stieg Thomas Hempel, der ehemalige Lokführer bei der Deutschen Bahn, in seinen kleinen Führerstand. Dann setzte er sich mit der Bahn und den drei Hängern mit 24 Plätzen in Bewegung, um eine kleine Runde, etwa 650 Meter, durch den Wald und wieder zurückzufahren. Seit 2008 ist er im Verein. Er setzt sich in seiner Freizeit dafür ein, das „Wiedererwachen der Geschichte der Region lebhaft mitzugestalten“. Mit einem Schmunzeln sagt er: „Man braucht ein paar Verrückte, um so ein Projekt zu stemmen.“

Mit dem Projekt meint er, dass der Verein zum Ziel hat, den neuen Rundkurs um die Ziegelei, der etwa 2100 Meter lang wird, fertig zu stellen. Im April sind dazu 200 000 Euro Fördermittel gekommen, und demnächst erfolgen die Ausschreibungen und Aufträge für den Aufbau der alten Strecke. „Wenn alles klappt, wird im Oktober eröffnet“, sagt Uwe Eppinger zuversichtlich. Vielleicht sei es schon zu den Herbstferien geschafft, und die Kindereinrichtungen der Region und Familien können dann von diesem interessanten, neuen Angebot Gebrauch machen.

Schon jetzt zeigen Schulklassen reges Interesse, aber auch Feierlichkeiten werden vor Ort angeboten. „Wir stehen bereit“, so Eppinger. Weiter schwärmt der Chef von der demnächst möglichen Gelegenheit, „durch wunderbare Landschaften, die man sonst nicht sieht, etwa 20 Minuten lang fahren zu können“. Damit wird gleichzeitig der Unesco Global Geopark Muskauer Faltenbogen gestärkt, und der Tourismus bekommt ein weiteres attraktives Aushängeschild in der Region. 20 Millionen Jahre Erdgeschichte sollen hier Jung und Alt begeistern.

Geplant ist auch für Ende 2019/20 der Umzug des Geoparkbüros in die Alte Ziegelei. Eine alte Untertage-Lok wird derzeit von den Bahnfreunden wieder aufgebaut. Über technik- oder naturbegeisterten Nachwuchs würden sich die Bahnfreunde jederzeit freuen. 21 Mitglieder hat der Verein derzeit.

Während Anja und Leon Dieckmann derweil eine Runde mit der romantischen kleinen Bahn drehen, passt der Papa auf den jüngsten Nachwuchs, der noch im Kinderwagen liegt, auf. Ursprünglich stammt die Familie des Mannes aus Klein Kölzig, wohnt derzeit aber in Dresden. Demnächst wird sie wieder in die alte Heimat kommen, denn „die familiäre Unterstützung ist wichtig“.

Mutti Anja berichtet nach der Fahrt: „Für die Kinder ist es hier schön und ein kleines Highlight im Dorf. Das nimmt man immer gern mit,  wenn man hier ist und die Bahn fährt.“ Sohn Leon (3,5 Jahre alt) ist hingegen sichtlich begeistert, dass er auch „rückwärts“ gefahren ist. Dies geschieht bei der Weichenstellung.