Auch zwei Wochen nach dem Auftritt von Bürgermeister Gerhard Reinfeld (CDU) im Forster Gymnasium haben sich die Gemüter noch nicht wieder beruhigt. Seine Äußerungen zur geistigen Nähe von Links- und Rechtsradikalismus sowie der These, dass Hitler ohne Ernst Thälmann nicht denkbar gewesen sei, sind immer noch Gesprächsthema in der Rosenstadt. Der PDS-Fraktionsvorsitzende sieht dabei eine Linie mit den CDU-Landespolitikern Jörg Schönbohm und Sven Petke, die gelegentlich auch mit provokanten Äußerungen auffallen.
Selbstverständlich muss eine Demokratie gerade auch Meinungen aushalten, die möglicherweise vielen nicht angenehm sind - gerade das macht den Wesenszug einer Demokratie aus. Und eine Aussage muss nicht allein deswegen schon falsch sein, weil sie nicht populär ist. Wenn man sich die Grundaussagen des Bürgermeisters ansieht, können durchaus Argumente gefunden werden, die diese Äußerungen stützen.
Die Weimarer Republik stand am Ende eben tatsächlich nur noch mit wenigen Demokraten da. Die KPD um Ernst Thälmann zählte nicht dazu. Sie sah in der SPD den größeren Feind als in Adolf Hitler. Insofern hat Thälmann nicht sonderlich an der Verhinderung des Diktators mitgewirkt.
Es bleibt jedoch die Fragen stehen, warum sich der Bürgermeister von Forst auf eine historische Diskussion eingelassen hat, die er am Ende gar nicht weiterführt? Scheinbar spontan, wurde er durch einen Schüler mit einem Che-Guevara-T-Shirt zu seinen Einlassungen über extreme Linke und Rechte provoziert und ließ damit etwas ratlose Schüler des Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasiums zurück. Der Schule war gerade der Titel „Schule ohne Rassismus“ verliehen worden. Vielleicht sollte die Diskussion fortgesetzt werden, damit aus eher emotionalen Kränkungen eine sachliche Auseinandersetzung wird. Ich wünsche ein nachdenkliches Wochenende.