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| 18:34 Uhr

Rätselhafter Fall
Nach Doppelmord in Forst: Was wissen die Nachbarn?

 Was passierte in diesem Gebäude in der Amtstraße in Forst? Anwohner wollen schon seit geraumer Zeit verdächtige Aktivitäten bemerkt haben.
Was passierte in diesem Gebäude in der Amtstraße in Forst? Anwohner wollen schon seit geraumer Zeit verdächtige Aktivitäten bemerkt haben. FOTO: Sven Hering
Forst. Nach dem Doppelmord am Montag wird in Forst über die Hintergründe spekuliert. Denn die Behörden schweigen weiter. Von Bodo Baumert, Sven Hering und Julian Münz

Nach dem Doppelmord in Forst führen die Spuren offenbar zur Balkan-Mafia. Wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtet, soll es sich bei dem Fall um einen Streit innerhalb der sogenannten Kotor-Mafia handeln. Kotor ist eine Hafenstadt in Montenegro. Die dortige Polizei berichtet von einem „Krieg“ unter den Angehörigen des Skaljari- und des Kavac-Clans. Die beiden Toten von Forst sollen dem Skaljari-Clan angehören. Nach Informationen der „Märkischen Allgemeinen“ sollen die Männer in Forst regelrecht hingerichtet worden sein.

Die brandenburgische Kleinstadt steht damit plötzlich im Zentrum von blutigen Mafia-Auseinandersetzungen? Wie reagieren die Forster auf diese Entwicklung?

Rätsel um Forster Gewaltverbrechen FOTO: dpa / Patrick Pleul

Vom Nachbargrundstück nichts mitbekommen

Im Autohaus Handro, das direkt neben dem Tatort liegt, muss vor allem erst einmal Arbeit nachgeholt werden. Am Montag mussten Autobesitzer mit Werkstatttermin wieder kehrtmachen. Die Polizei hatte das Areal großräumig abgesperrt. Die Werkstatt wurde geschlossen. „Aber die Kunden zeigen Verständnis“, sagt Firmenchefin Heike Handro, die ansonsten über die Aktivitäten in ihrer unmittelbarer Nachbarschaft nichts mitbekommen hat. Das Autohaus sei durch eine große Mauer vom Nachbargrundstück getrennt.

„Man hat schon gesehen, dass da etwas nicht stimmt“

Einige Bewohner im Umfeld des Tatorts zeigen sich hingegen wenig überrascht davon, dass der Doppelmord etwas mit der organisierten Kriminalität zu tun haben könnte. „Man hat schon gesehen, dass da etwas nicht stimmt“, sagt etwa ein älterer Herr aus dem direkt gegenüberliegenden Wohnblock. Eine weitere Anwohnerin stimmt ihm zu: „Ich habe immer wieder gesehen, wie dort Fahrzeuge hielten und Dinge auf- und abgeladen haben“, so die Frau. Von Autos mit Berliner Kennzeichen, die oft am Haus gehalten haben sollen, berichten fast alle der Befragten.

Ein jüngerer Anwohner aus dem gegenüberliegenden Haus ist sich sicher, dass das Gebäude in der Amt­straße zum Cannabis-Anbau genutzt wurde. „Ich bin ja nicht von gestern, man konnte dort herüber gucken“, sagt er und fügt hinzu: „Wenn man illegale Geschäfte macht, muss man damit rechnen, dass so etwas passiert.“ Verunsichert sei er wegen der Tat deshalb nicht.

„Ich mache mir schon Sorgen.“

Ein wenig anders sieht das bei einer Bewohnerin des Nebengebäudes aus, die im Vorfeld nichts Ungewöhnliches in dem Haus, in dem die Leichen gefunden wurden, beobachtet hatte: „Ich mache mir schon Sorgen. Wer weiß, wo hier noch welche von diesen Leuten sind“, sagt sie. Beruhigend findet sie, dass die Polizei seit der Tat Tag und Nacht im Hof des Hauses präsent ist. Experten der Kriminalpolizei suchen seit Montag Hinweise. Laut Polizeisprecherin Ines Filohn geht es darum, so viele DNA-Spuren wie möglich sicherzustellen. Die Arbeit der Kriminalisten könne deshalb einige Tage dauern.

Bürgermeisterin beruhigt

Die Forster Bürgermeisterin Simone Taubenek (parteilos) warnte am Mittwoch davor, sich auf Spekulationen einzulassen. „Die Staatsanwaltschaft gibt nicht ohne Grund zum jetzigen Zeitpunkt keine Ergebnisse bekannt“, betonte die Volljuristin, die vor ihrem Wechsel ins Forster Rathaus 23 Jahre lang in verschiedenen Führungspositionen bei der Polizei gearbeitet hat. Zugleich wiederholte die Bürgermeisterin mit dem guten Draht zur Polizei ihre Einschätzung vom Dienstag: „Für die Bewohnerinnen und Bewohner in unserer Stadt besteht keinerlei Gefahr.“ In den sozialen Netzwerken sieht die Stimmungslage allerdings ein wenig anders aus. Solange die Täter noch frei herumlaufen, so schreiben einige Forster, mache man sich durchaus Sorgen.

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