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Museum zeigt seltene Nähmaschinen

Michaela Zuber und Stefan Buss zeigen eine alte Overlock-Nähmaschine, die zu DDR-Zeiten mit Elektromotor ausgestattet wurde.
Michaela Zuber und Stefan Buss zeigen eine alte Overlock-Nähmaschine, die zu DDR-Zeiten mit Elektromotor ausgestattet wurde. FOTO: Selmons
Forst. Interessante Ausstellungsstücke aus dem Fundus hat das Brandenburgische Textilmuseum abgestaubt und für eine neue Ausstellung in Szene gesetzt. Ab heute sind historische Nähmaschinen oder Bügeleisen zu entdecken, die eine besondere Perspektive auf die Geschichte zeigen. Jürgen Scholz

"Auf so einer Nähmaschine habe ich noch nähen gelernt", sagt Museumsleiterin Michaela Zuber und deutet auf eine der neun Nähmaschinen, die ab dem heutigen Donnerstag bei der "Depotausstellung - Aus der Sammlung des Museums" zu sehen sind. Wohl jeder hat Erinnerungen an die meist schwarzen, schweren Maschinen, die von einer Fußwippe über einen Lederriemen angetrieben wurden und bei jedem Kind magische Anziehungskraft entwickelte.

Doch von den mehr als 50 Heimnähmaschinen des Museums sind nur besondere Stücke zu sehen. Etwa die Overlock- oder Interlock-Maschine der Firma Mauser, die wahrscheinlich aus den 1930er-Jahren stammt. Sie schneidet überstehenden Stoff ab und kettelt den Rand, wie Michaela Zuber erklärt. So franzt an der neuen Kante nichts aus.

Solide waren die Maschinen und lange in Betrieb, wie Stefan Buss vom Textilmuseum zeigen kann. Denn der Fußantrieb über Wippe ist ersetzt worden durch einen Motor. VEB Elektromotoren Grünheide/Sachsen steht auf dem Antriebsapparat. Gerade an solchen Umbauten zeigt sich die spannende Geschichte, findet Stefan Buss, der sich freut, "wenn man die Zusammenhänge der mechanischen Funktion entdeckt und dann nach einigem Fummeln alles wieder funktioniert". Funktionstüchtig sind alle ausgestellten Maschinen.

Auch die Reisenähmaschine aus den 1930er-Jahren im Begelittkoffer oder eine Nähmaschine mit fein aufgemalten Verzierungen aus der Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts. "Die Marke ist unklar", sagt Stefan Buss. Aber es sei damals auch üblich gewesen, dass etwa in England patentierte Maschinen in Deutschland einfach nachgebaut wurden - natürlich ohne Lizenz. Kopiert wurde damals wie heute.

"Es wäre eine umfangreiche Forschungsarbeit, solche Dinge aufzuarbeiten", sagt Michaela Zuber und deutet auf eine ganze Reihe von Bügeleisen. "Erinnert irgendwie an Wilhelm Busch und den Schneider Böck", kommentiert Stefan Buss. Böck hatte sich nach dem Sturz ins Wasser mit einem Bügeleisen vom Schmerz befreien wollen. Solche uralten Stücke sind jetzt in der Ausstellung zu sehen. Michaela Zuber dreht an einem Verschluss und ein ofenartiger Mini-Innenraum ist zu sehen. "Kohle oder Holzkohle wurde da reingemacht", so Zuber. Dann wurde auf die richtige Temperatur gewartet.

Einen Tisch weiter stehen die elektrischen Bügeleisen, wie sie noch viele kennen - aus DDR-Zeiten, mit oder ohne Temperaturregelung.

Nur ein Stück entfernt wird die Erinnerung an die Forster Textilfachschule wach. Gezeigt werden Druckmodelle für den Textildruck, wie Michaela Zuber erläutert. An den Platten, die mit verschiedenen Farben Textilflächen verzierten, sind deutlich florale Motive zu erkennen.

Wunderwerke der Mechanik werden auch mit den Schreibmaschinen aus dem Museumsfundus gezeigt. Die hätten zwar direkt nichts mit der Textilgeschichte zu tun, sagt die Museumschefin, "doch wir haben so viele, dass wir mal welche zeigen wollten".