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| 18:12 Uhr

Munitionsbergung auf dem Acker
Granaten zwischen Kartoffeln

Mitarbeiter einer Munitionsbergungsfirma sondieren den Acker in Keune. Erst danach darf die Agrargenossenschaft ihre Speisekartoffeln ernten.
Mitarbeiter einer Munitionsbergungsfirma sondieren den Acker in Keune. Erst danach darf die Agrargenossenschaft ihre Speisekartoffeln ernten. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Forst. Erntestopp auf einem 30 Hektar großen Acker. Es läuft Suche nach Weltkriegsmunition. Von Katrin Kunipatz

Vier Granaten an vier Tagen waren zu viel. Bei der Kartoffelernte auf einem Acker in Keune wurde die Weltkriegsmunition Ende September gefunden. Vereinzelte Funde gebe es immer, so Susanne Zahn, Geschäftsführerin der Agrargenossenschaft Forst. Aber diese Häufung sei ungewöhnlich. Zumal der Acker seit Jahren bewirtschaftet wird und auch immer wieder Kartoffeln darauf angebaut wurden. Aber scheinbar wandert die Munition mit den Jahren nach oben. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst, der jedes Fundstück barg, wandte sich mit dem Hinweis auf die möglichen Gefahren an die Stadtverwaltung. Karten weisen den Acker als kampfmittelbelastetes Gebiet aus. Normalität in Forst, verlief doch die Front im Frühjahr 1945 direkt an der Neiße entlang.

Seit über 70 Jahren liegen Granaten und Bruchstücke größerer Bomben im Boden. Je weiter die Munition verrottet, desto instabiler wird sie, erfuhr Sylke Koal, Leiterin des Fachbereichs Ordnung und Sicherheit von den Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes. Um Leib und Leben der Mitarbeiter auf dem Acker und die in der Nähe befindliche Grundschule Keune zu schützen, forderte sie die Agrargenossenschaft Mitte vergangener Woche auf, die Kartoffelernte einzustellen und geeignete Maßnahmen zur Gefahrenabwehr einzuleiten.

Also blieb die Erntemaschine stehen. Aber die Kartoffeln oder gar den ganzen Acker für immer liegen lassen, kam nicht infrage. „Für uns zählt jeder Hektar“, sagt Geschäftsführerin Susanne Zahn. Hinzukommt, dass im Boden des rund 30 Hektar großen Schlags etwa die Hälfte der Kartoffelernte dieses Jahres liegt. Zeit zum Warten blieb auch nicht. „Bevor der erste Bodenfrost kommt, müssen alle Kartoffeln in der Halle sein“, so Zahn.

Nur die Sondierung des gesamten Feldes nach Weltkriegsmunition bot die nötige Sicherheit. Erfreut war Susanne Zahn, dass die Firma Röhll Munitionsbergung aus Brandenburg gleich am Montag mit einigen Trupps auf dem Acker mit der Suche begann. Auch am Donnerstag liefen die Männer in Zweierteams Schritt für Schritt die Reihen entlang. Einer sondiert und der Zweite gräbt. Etwa alle zehn bis 20 Meter schlägt eine der fünf Sonden aus. Entsprechend langsam geht die Suche voran. Weniger als ein Viertel der Fläche sei nach drei Tagen geschafft, so Zahn.

Unklar ist deshalb, wie lange sich die Ernte hinzieht. Prognosen will die Geschäftsführerin nicht wagen. Wie schnell die Kampfmittelbeseitiger vorankommen, hängt letztlich davon ab, wie viel Granaten und Munitionsteile im Boden liegen. Ebenfalls noch nicht endgültig geklärt ist, wer die Kosten für die Munitionsbergung übernimmt. Zwischen 130 000 und 300 000 Euro könnte die Aktion kosten. „Die geernteten Kartoffeln wiegen diese Summe nicht auf“, so die Geschäftsführerin. Ob die Agrargenossenschaft die Summe erstattet bekommen kann? Dazu laufen im Moment Gespräche.