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| 10:19 Uhr

Weltkriegsmunition im Boden
Explosive Ernte auf einem Acker in Forst (Lausitz)

Enrico Schnick vom Kampfmittelbeseitigungsdienst trägt eine der großen Granaten zum Fahrzeug. Innerhalb von zwei Tagen förderten die Mitarbeiter der Munitionsbergefirma Reste von Granaten und Blindgänger zu Tage. Nächste Woche geht die Suche weiter.
Enrico Schnick vom Kampfmittelbeseitigungsdienst trägt eine der großen Granaten zum Fahrzeug. Innerhalb von zwei Tagen förderten die Mitarbeiter der Munitionsbergefirma Reste von Granaten und Blindgänger zu Tage. Nächste Woche geht die Suche weiter. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Forst. Granaten und Munitionsschrott sind auf einem Feld in Forst (Lausitz) zutage gefördert worden. Nach der Kartoffel-Ernte sollen auch die tiefer liegenden Munitionsreste geborgen werden. Das könnte bis zu 300 000 Euro kosten. Von Katrin Kunipatz

Fast reicht der abgesperrte Bereich nicht aus, um alle verrosteten Fundstücke aufzunehmen. Über 90 Leitwerke von Weltkriegsgranaten und mehrere Eimer mit Munitionsschrott haben Mitarbeiter der Firma Röhll Munitionsbergung in den vergangenen zwei Tagen aus dem Acker im Forster Ortsteil Keune geborgen. Darunter waren auch 15 noch nicht explodierte Granaten. Alle Gegenstände werden am Freitagnachmittag sorgfältig in Autos verladen und vom Kampfmittelbeseitigungsdienst abtransportiert.

Beendet sind die Arbeiten auf dem Kartoffelacker noch nicht. Voraussichtlich bis Donnerstag kommender Woche werden die Munitionsberger das Feld sondieren und alle verdächtigen Gegenstände aus einer Tiefe bis 50 Zentimeter nach oben holen, so Enrico Schnick vom Kampfmittelbeseitigungsdienst. Entsprechend langsam geht die Kartoffelernte auf der rund 30 Hektar großen Fläche voran. Denn die Kartoffelerntemaschine darf erst die Knollen aus dem Boden holen, wenn die Sondierung durch ist.

Begeistert ist die Geschäftsführerin der Forster Agrargenossenschaft, Susanne Zahn, davon nicht. Aber für die jetzt laufende Munitionssuche gab es keine Alternative. Ende September fanden sich innerhalb weniger Tage vier nicht explodierte Weltkriegsgranaten auf der Erntemaschine. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst empfahl, die Ernte vorerst einzustellen. Aber im Boden können die Kartoffeln nicht bleiben. Sie machen etwa die Hälfte der diesjährigen Ernte aus. Und auf die Ackerfläche kann die Agrargenossenschaft ebenfalls nicht verzichten.

Deshalb läuft seit dem 1. Oktober die Munitionsräumung. Kosten von rund 300 000 Euro stehen im Raum. Wer den Einsatz bezahlt, dazu wollte sich das brandenburgische Innenministerium mit dem Verweis auf die noch nicht abgeschlossene Suche nicht äußern. Grundsätzlich müsse bei einer gezielten Suche der Eigentümer die Kosten übernehmen, erklärt Andreas Carl, stellvertretender Pressesprecher des Innenministeriums. Jedoch könne die Höhe der zu zahlenden Summe begrenzt werden, sofern die Belastung für den Eigentümer unverhältnismäßig ist. Weltkriegsmunition tritt immer wieder auf Ackerflächen in Brandenburg zutage. Für solche Zufallsfunde ist der Kampfmittelbeseitigungsdienst verantwortlich und trägt letztlich die Kosten für die Entschärfung, Abholung und Vernichtung.

Außergewöhnlich groß sei die Menge der auf diesem Feld bei Forst gefundenen Gegenstände, so Enrico Schnick.In den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs verlief die Front entlang der Neiße, auch Forst war stark umkämpft. Große Teile der Stadt und der umliegenden Orte gelten deshalb als Kampfmittelverdachtsflächen. In diesen Bereichen muss vor tieferen Erdarbeiten nach Munition gesucht werden. Erst danach kann das entsprechende Flurstück als kampfmittelfrei grün in der Karte markiert werden.

So soll es für das Feld bei Keune geschehen. Geplant ist, nach der Ernte den gesamten Acker bis in eine Tiefe von zwei Metern zu sondieren und sämtliche Munitionsreste herauszuholen, erläutert Enrico Schnick. Er ist sich sicher, dass dort weitere Granaten oder Bomben lagern. Im Moment gehe aber keine Gefahr von den Blindgängern aus.