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Baugeschehen
Wasser raus – Fundament rein

Die Widerlager für Radwegbrücke über den Mühlgraben baut die Firma Schmidt und Dunkel.
Die Widerlager für Radwegbrücke über den Mühlgraben baut die Firma Schmidt und Dunkel. FOTO: Katrin Kunipatz / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Forst. Zweieinhalb Wochen ist der Mühlgraben in Forst leer, damit eine neue Brücke gebaut werden kann. Von Katrin Kunipatz

Der Mühlgraben ist ohne Wasser. Jedes Jahr Ende Oktober wird für einige Tage der Zufluss südlich der Stadt geschlossen und das Gewässer leert sich. Dann können verschiedene Instandsetzungsarbeiten erledigt werden.

Überall ist jetzt der Grund des Grabens zu sehen. Aber in den Senken und Löchern bleibt das Wasser stehen. Deshalb sind Mitglieder des Anglervereins Forst Nord seit einer Woche jeden Vormittag im Mühlgraben unterwegs. Vorsitzender Bernd Lang erklärt: „Wir kontrollieren, wo noch Fische sind.“ Die Tiere werden mit einem Elektro-Kescher eingefangen und in Behälter mit gut durchlüftetem Wasser in die Neiße umgesetzt. An fünf Tagen in dieser Woche wurden so größere und kleinere Fische mit einem Gewicht von insgesamt rund 1300 Kilogramm gerettet. Am Samstag können Interessierte dem Anglerverein sogar zuschauen. „Wir werden von 9 bis 12 Uhr im Bereich zwischen den Brücken an der Max-Fritz-Hammer-Straße und Am Haag Abfischen“, sagt Bernd Lang. Auch in der kommenden Woche wird es weitere Kontrollen geben. Erst am 1. November wird das Wasser wieder in den Mühlgraben gelassen.

Bis dahin will Johann Setz, der seit 2016 Eigentümer des Wasserkraftwerks an der Mühlenstraße ist, die für dieses Jahr geplanten Arbeiten erledigt haben. Er baut einen neuen Horizontalrechen ein. Bisher gab es vor dem Einlauf zur Turbine einen Doppelrechen. Diese Konstruktion ist aufwendig. Der vordere der beiden Rechen müsse regelmäßig von Hand gereinigt werden, erklärt Johann Setz. Außerdem erhöht sich durch den großen Abstand der Stäbe von acht Zentimetern die Strömungsgeschwindigkeit und es fällt den Fischen schwer, wieder  zurückzuschwimmen. „Der neue Horizontalrechen wird einen Stababstand von 15 Millimetern haben, so wie es im Land Brandenburg vorgeschrieben ist“, sagt Johann Setz. Am Dienstag soll er eingebaut werden. Anschließend wird auch der Uferbereich vor dem Wasserkraftwerk wieder befestigt.

Nahe der Gartengemeinschaft „Naturheilverein“ wird im trockenen Mühlgraben ebenfalls gebaut. Die Firma Schmidt-Dunkel Straßen- und Tiefbau errichtet hier die Fundamente für eine neue Brücke. Sie soll den südlich an der Gartensparte verlaufenden Rad- und Fußweg über den Mühlgraben führen. Am Betriebsgelände von Mattig­&­Lindner vorbei erreicht man über den neuen Weg die C.-A.-Groeschke-Straße. In dieser Woche entstand die Basis. Schalung und Bewehrung sind jetzt vorbereitet. In der kommenden Woche soll der Beton gegossen werden. Wenn er abgebunden hat, folgt eine weitere Ebene. Bevor der Mühlgraben wieder befüllt wird, müssen die neuen Pfeiler über die Wasserlinie hinausragen. Bis zum Frühjahr kommenden Jahres entsteht dann die Brücke. „Es handelt sich um eine neuartige Konstruktion aus Stahl und glasfaserverstärktem Kunststoff“, erklärt Beate Schödel, die bei der Stadt mit diesem Projekt betraut ist. „Gegenüber den Holzbrücken, über die normalerweise Rad- und Gehwege geführt werden, ist diese Bauweise wartungsarm und damit günstiger in der Unterhaltung“, sagt sie. Geplant ist, dass der neue Weg einschließlich Brücke bis zum Juni 2018 fertig ist.

Die Zeit des abgelassenen Mühlgrabens nutzt die Stadt außerdem, um die nötigen Brückenprüfungen durchführen zu lassen. Zwar könnte man einige Brücken auch vom Wasser aus mit dem Boot anschauen. „Aber unter die Brücke Am Haag kämen wir nicht drunter“, erklärt Torsten Tzscheuschner vom Fachbereich Brücken- und Straßenbau. Und gerade wenn die Widerlager kontrolliert werden müssen, ist es leichter, dies trockenen Fußes vom Flussbett aus zu tun.

Alle drei Jahre muss eine Brücke geprüft werden. Im Wechsel finden die einfache und die Hauptprüfung statt. In diesem Jahr hat die Stadt sieben Brücken und drei Durchlässe an der Nordumfahrung zur Kontrolle angemeldet. „Es ist mehr als sonst, weil mehr Geld da ist“, sagt Torsten Tscheuschner. Der Zeitraum von 14 Tagen sei dabei bisher immer ausreichend gewesen. Wegen der Bauarbeiten habe man diesmal zweieinhalb Wochen vorgesehen, so Beate Schödel. Mehr soll es nicht sein, weil ein Mühlgraben ohne Wasser auch immer eine Stillstandszeit für das Wasserkraftwerk bedeutet.