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Mühlenduft liegt in der Luft

Eberhard Detert bekommt Hilfe von zwei reckengroßen Gästen, als er das Wildschwein aus dem Backofen transportieren muss.
Eberhard Detert bekommt Hilfe von zwei reckengroßen Gästen, als er das Wildschwein aus dem Backofen transportieren muss. FOTO: mjn1
Noßdorf. Von allen Seiten kamen schwungvolle und fröhliche Radkorsos, um der Einladung in die Noßdorfer Mühle zu folgen. Leise plätscherte das Malxewasser durch die improvisierten Mühlenflügel. Margit Jahn / mjn1

Auf der Wiese konnten sich die zahlreichen Besucher von Selbstgebackenem verwöhnen lassen. Alle Hände voll zu tun hatte hingegen Mario Kloas, der für die Ausrichtung des Himmelfahrtsspektakels mit mehr als 30 Helfern verantwortlich war. Eine Woche lang wurde das Gelände vorbereitet.

Ulli Lehmann und Uwe Schmidt starteten als Nachbarn ihre Tour auf dem Mühlengelände. Die beiden großen Recken kamen Eberhard Detert gerade recht, denn das Schwein musste aus dem Mühlen-Backofen hinter dem Haupthaus nach ganz hinten auf die Wiese transportiert werden. Kurzerhand boten sie ihre Hilfe an. Gemeinsam und mithilfe einer Schubkarre konnte das leckere Schwein dann tatsächlich zur schon wartenden Besucherschlange gebracht werden. Dies war gar nicht so einfach, denn das große Blech war schwer und natürlich heiß.

Während unter dem Gartenpavillon das Wildschwein seine Liebhaber fand, wurde gleich nebenan Kaffee, frischer Kuchen, Erbsensuppe, Soljanka, aber auch Milchreis für die Liebhaber der süßen Küche angeboten. Besonders die Kinder nahmen das Angebot gerne an.

Unterstützt wurden die Noßdorfer Verkäufer von iranischen Frauen, die von Stadtteilmanagerin Kathleen Hubrich vermittelt wurden. "Sie sind wirklich sehr fleißig und packen sofort mit an", sagte Mario Kloas lobend über Samineh und Nilofar Mohammadtaheri sowie Fatemeh und Mohammad Koorepazi.

Zum aktuellen Stand der laut Kirchenbuch im Jahr 1624 gebauten Wassermühle informierte Mario Kloas, dass die Erneuerung des Wasserrades ein Stück weit zurückgestellt wurde. Auflagen des Denkmalamtes, aber auch technische Fragen müssten in der Grobplanung erst einmal verfeinert werden, erklärt er. Derzeit werde mit einer Firma in Sachsen verhandelt, die sich auf den Bau von Wassermühlen spezialisiert habe. Davon gebe es nur sehr wenige. Zunächst will sich der Verein aber in Hohenbocka eine Wassermühle anschauen, denn der Denkmalschutz verlange für den Bau des Mühlenrades umfangreiche Unterlagen. Die hohe Kosten, aber auch die technische Umsetzung gilt für die Vereinsmitglieder als Hauptherausforderung. Von entscheidender Bedeutung sei aber auch die Entwicklung der Wasserstände, erklärt Kloas. Denn die Malxe gelte als Wasserscheide von Forst. Auch das Regenwasser sorge für mehr oder weniger Wasser im Durchfluss.

Das Mühlenrad wird also noch eine kleine Weile als Provisorium zu betrachten sein, ehe es seine ursprüngliche Form im entsprechenden Material bekommen kann. Deshalb seien den Noßdorfern auch jede Spende, ob groß oder klein, willkommen.

Dietmar Pavel vom Verein will auch die Veranstaltungen wieder an Ort und Stelle bringen. "In den letzten Jahren sind wir zu viel rausgegangen. Wir wollen zurück zur Natur", begründet er. Ein Vereinszimmer soll auf dem Gelände gestaltet werden. Derzeit trifft man sich noch in der Schule. Diese unmittelbare Nähe auf dem historischen Standort soll für eine noch bessere, zentrale Gemeinschaft sorgen.

Zum Thema:
Im Jahr 1925 musste das alte Wasserrad der Noßdorfer Mühle einer Turbine weichen und verlor so seinen historischen Charme. Denn zu einem echten Mühlenrad gehört ein Mühlenwerk mit seinem Räderspiel.Besucher des Mühlengeländes erwartet eine Ausstellung mit der im Originalzustand erhaltenen Mühlentechnik, die bis 1975 für den Müllereibetrieb genutzt wurde. Der Weg vom Korn zum feinen Mehl wird hier erlebbar gemacht.