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Ausstellung
Modellbahnbörse wieder beliebt

Heinz-Peter Bischoff (rechts) beim angeregten Fachsimpeln mit Besuchern. Viele Besucher nutzen die Modellbahnbörse, um ihre eigenen Anlage zu ergänzen oder sich fachkundigen Rat bei den Experten einzuholen.
Heinz-Peter Bischoff (rechts) beim angeregten Fachsimpeln mit Besuchern. Viele Besucher nutzen die Modellbahnbörse, um ihre eigenen Anlage zu ergänzen oder sich fachkundigen Rat bei den Experten einzuholen. FOTO: Angela Hanschke
Forst. 300 Besucher nutzen die Gelegenheit, sich fachkundigen Rat bei den Experten einzuholen.

Seit knapp 120 Jahren belegen Modelleisenbahnen zur Weihnachtszeit einen der Spitzenplätze auf den Wunschlisten. Beinahe ebenso undenkbar in Forst: eine Weihnachtsausstellung im Brandenburgischen Textilmuseum ohne kunstvolle Landschaftsminiaturen, durch die Loks mit ihren Wagen rauschen. Am Samstag, dem vorletzten Tag der Ausstellung, die dem Museum innerhalb von fünf Wochen mehr als 2000 Besucher bescherte, hatten traditionsgemäß bei der Tauschbörse Sammler und Händler aus dem gesamten Altbezirk Cottbus ihre Stände aufgebaut.

„Ich bin ehrlich“, sagte ein auf Automodelle spezialisierter Sammler aus Spremberg, der seinen Fundus aus Platzgründen reduzieren will. Es gebe auch schwarze Schafe, die Mängel an Modellen verschwiegen oder Verpackungen hochwertiger Produkte verwendeten, berichtete er. Und meinte: Frauen könnten die Leidenschaft für dieses Hobby nur schwerlich nachvollziehen.

Zahlreiche Besucherinnen, die mit ihren Familien in die Sorauer Straße 37 kamen, widerlegten dies allerdings. Dagmar Gronwald aus der Region Spremberg begleitete ihren Ehemann Matthias Albrecht, der Zuhause eine Anlage mit bewaldeten Gebirgszügen und verstreut liegenden kleine Bahn- und Bauernhöfen aufgebaut hat. „Es ist ein schönes Hobby. Und es macht Spaß zuzuschauen oder selbst am Reglerpult zu stehen“, beteuerte sie.

Ursula Götz aus Forst unterstützte am Samstag am Stand ihren Ehemann Siegfried Götz. Der 79-Jährige lebt seit dem Ruhestand sein Hobby aus. „Damit ich nicht nur vor dem Fernseher sitzen muss“, meinte er.

Viele Fachgespräche mit Interessierten Besuchern führte auch Heinz-Peter Bischoff, Mitglied des Forster Museumsvereins und Inhaber des Spielzeuggeschäfts in der Berliner Straße 13, wo er auch gebrauchte Eisenbahnen in allen drei Spurweiten anbietet. „Viele Besucher kauften heute nach Gefallen. Und dann muss der Preis stimmen“, sagte er.

Thorsten Friedrich vom Forster Museumsverein nutzte die Tauschbörse als Testlauf. „Tischlergearbeitete Modultische für Modellanlagen mit einem Meter Breite und einer Länge von 1,5 Metern in jeder gewünschten Höhe“ könne er anbieten, teilte er mit. „Bereits in den 1940er Jahren hatte ich eine Märklin-Bahn. Mein Vater hat am meisten damit gespielt. Ich habe sie noch immer zu Hause“, sagte der 83-jährige Forster Sammler Günter Sallan mit glänzenden Augen.

„Ich bin seit 1971 Eisenbahner“, verriet ein Besucher und fotografierte fasziniert die maßstabsgerecht gebaute Dampflok aus dem Besitz der Familie Gerald Kulke.

Eisenbahn-Tagträume bewegten auch den neunjährigen Maurice aus Peitz, der im vergangenen Jahr zum Geburtstag mit einer „einfachen Anlage ohne Platte“ beschenkt wurde. Nun hofft er auf eine größere: eine Lego-City-Eisenbahn mit Güterzug.

Den jüngeren Bruder begeisterte besonders die Anlage mit Car-System, an der seit etlichen Jahren innerhalb der Arbeitsgemeinschaft „Modellbau des Museumsvereins“ erfahrene Modellbauer sowie Kinder und Jugendliche arbeiten.

„Ohne unsere Vereinsmitglieder, die uns ehrenamtlich unterstützen, hätten wir die Ausstellung nicht zeigen können“, würdigte Museumsleiterein Michaela Zuber auch den Einsatz von Ulrich Rhode aus Forst, der am Samstag, die beiden Lego-Bahnen betreute, die sich erwartungsgemäß bei den Jüngsten größter Beliebtheit erfreuten.

Die Erwachsenen, darunter auch die Forsterin Silke Sommer, bewunderten die raffinierten Details der „Winterlandschaft ums Jahr 1913“ des Cottbusers  Hans-Joachim Bänsch. Sie geht bereits am Donnerstag auf die Reise nach Löbau. Bernd Rubin vom Cottbuser Modellbahnverein Spreewaldbahn“ ließ auf ihr seine eigenen Loks kreisen und betreute nebenan seine „Landschaft mit königlich-sächsischer Schmalspurbahn ums Jahr 1895“.

Zufrieden mit dem Tag zeigte sich auch Museumsleiterin Michaela Zuber. „300 Besucher kamen allein heute. Etliche bereits vor 13 Uhr. Wir haben natürlich keinen warten lassen.“