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| 02:35 Uhr

"Mobbing? Das gibt's bei uns auch!"

Gespannte Aufmerksamkeit beim Auftakt des Präventionsprojektes zu Mobbing im Internet.
Gespannte Aufmerksamkeit beim Auftakt des Präventionsprojektes zu Mobbing im Internet. FOTO: Beate Möschl
Forst. Die Siebtklässler der Gutenberg-Oberschule in Forst wollen sich gegen Gemeinheiten im Internet stark machen. Anleitung und Hilfe gibt das mehrfach preisgekrönte Präventionsprojekt "Cybermobbing – Aufgeklärt!". Das macht seit Montag Station in Forst. Beate Möschl

Generation Kopf unten auf dem Schulhof? Eine Frage, die schon auf einen Blick ein "Ja" zur Antwort bekommt. Denn auf dem Schulhof wird in den Pausen immer das Handy gezückt und - mit dem Kopf nach unten - fleißig aufs Display geschaut, getippt und drüber gewischt. Selbst wer nebeneinander steht oder sitzt spricht nicht miteinander, sondern simst sich was.

Was in den Köpfen angesichts der Nachrichten, Bilder und Videos vorgeht, verbirgt sich dem Betrachter. Das, was in der Cyberwelt verbreitet wird, jedoch nicht. Nicht alles will man wirklich wissen - und schon gar nicht alle Welt wissen lassen. "Ihr stellt Euch ja auch nicht im Bikini an die Ampelkreuzung in Forst", sagt Ina Boost von der Beratungsstelle der Polizei beim Workshop zum Thema Mobbing am Montagvormittag in der Gutenberg-Oberschule. Bei dem Gedanken müssen selbst die Schüler lachen. Wenn sie daran denken, bevor sie Daten oder Bilder von sich ins Netz stellen, sind sie künftig besser dran, rät die Polizistin. Auch mancher vermeintlich unbedarfte Spaß muss sich dann nicht zu bösen Gemeinheiten oder gar zur Straftat auswachsen.

Dafür will das Projekt "Cybermobbing - Aufgeklärt!" des Cottbuser Vereins Media2Be sensibilisieren und zeigen, wie man sich gegen Mobbing im Internet wehren kann. Der Workshop am Montag diente der Vorbereitung. Was folgt, ist die interaktive Auseinandersetzung mit dem Thema, bei dem die Schüler Filme und Handy-Videos drehen, und auch Eltern einbezogen werden.

Sozialarbeiterin Nicole Bossog und Hanka Füllekruß, Teamleiterin Klasse 7 und Klassenleiterin, haben das Projekt nach Forst geholt. Ist das wirklich nötig? "Ja, das ist es", sagen gleich mehrere Schüler im Workshop. "Das gibt es bei uns auch", fügen andere an. Das sind die Mutigen, die drüber reden und sich Hilfe holen.

Und das ist gut so, wie Ina Boost deutlich macht. Beim abschließend gezeigten Film halten die Schüler bei einer Szene fast hörbar die Luft an, denn der Junge mit den Sommersprossen ist ein Mobbing-Opfer und verzweifelt. "Es ist genug. Ich muss einen Weg finden, dass das aufhört", sagt er und filmt sich dabei. Die Mutter bekommt das Video geschickt und erschrickt. Zum Äußersten kommt es im Film zum Glück nicht. "Er hat sich nicht das Leben genommen, wie ihr in dem Moment vielleicht gedacht habt", spricht Ina Boost die Schüler direkt auf ihre Gefühle an und sagt: "Er hat einen Weg zur Lösung gefunden." Die Forster Oberschüler, die wissen wollen, wie man sich helfen kann, haben erste Antworten bekommen. Zusätzlich zum Tipp "Holt Euch Hilfe" gibt Ina Boost weitere Regeln mit auf den Weg: Auf keinen Fall antworten auf beleidigende Mails oder Hass-Mails. Den Kontakt sperren zu dem "Mobber". Den beleidigenden Angriff aus dem Netz nicht einfach löschen, sondern sichern als Beweis für das Mobbing.

Die Polizistin verabschiedet die Siebtklässler mit den Worten "seid freundlich zueinander und behandelt andere immer so, wie ihr selbst behandelt werden wollt" in die nächste Staffel des Präventionsprojektes. Die beginnt in der kommenden Woche. Dann setzen die Schüler der Klasse 7a ins Bild, was sie beim Thema Mobbing bewegt. Beim Filmdreh werden sie unterstützt von Studenten der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg, Fachrichtung soziale Arbeit.

Zum Thema:
Das mehrfach ausgezeichnete Projekt "Cybermobbing - Aufgeklärt" des Cottbuser Vereins "Media To Be" wird gefördert durch die Medienanstalt Berlin-Brandenburg, die F.C. Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz, den Landespräventionsrat Brandenburg, die externe Koordinierungsstelle Partnerschaften für Demokratie im Landkreis Spree-Neiße, das Jugendamt Cottbus und das Bildungsministerium.