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| 07:09 Uhr

Windenergie
Mit Helm und Weste zum Turm

Abo Wind lud zur Besichtigung der Baustelle in Briesnig ein. Der Projektverantwortliche Alexander Seidel (vorn, blauer Helm) führt die Gruppe über die Baustelle.
Abo Wind lud zur Besichtigung der Baustelle in Briesnig ein. Der Projektverantwortliche Alexander Seidel (vorn, blauer Helm) führt die Gruppe über die Baustelle. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Briesnig. Großes Interesse bei Baustellenführung in Briesnig. Fast 200 Leute wollen Windräder sehen. Von Katrin Kunipatz

Diesen Ansturm hatte Abo Wind nicht erwartet. Die Wiesbadener Firma erbaut nah des Forster Ortsteils Briesnig einen kleinen Windpark und hatte am Sonntag zu einer Führung über die Baustelle eingeladen. Fast zweihundert Menschen aus Briesnig, Bohrau und Forst kamen. Unter ihnen sind auch einige Familien, die sich nicht freuen, die fünf Windräder jeden Tag im Blick zu haben. Trotzdem wolle man die Chance nutzen und aus der Nähe sehen, was entsteht, so eine Briesnigerin. Um das große Interesse zu befriedigen, fanden schließlich drei Touren Stunde statt.

Unterwegs auf der Baustelle des Windparks Briesnig FOTO: LR / Katrin Kunipatz

Ausgestattet mit Warnweste und Helm stiegen Senioren, Familien mit kleinen Kindern, Schüler und junge Leute am Dorfplatz Briesnig in den Bus. Planer Alexander Seidel begrüßte die Anwesenden und nannte die technischen Eckdaten des Windparks. Alle fünf Windräder liefern – die entsprechende Witterung vorausgesetzt – 16 Megawatt Strom. „Das ist so viel, wie 14 000 Haushalte in einem Jahr benötigen“, sagt er. Über ein 30-kV-Kabel wird der erzeugte Strom zur neu gebauten Umspannstation zwischen Gosda und Dubrau geleitet, dort transformiert und ins 110-kV-Hochspannungsnetz übergeben. Soweit soll es zum Jahresende sein. Abo Wind sei zuversichtlich dieses Ziel zu erreichen, so Seidel. Vier der fünf Windräder sind bereits weithin sichtbar. Hier läuft der elektrische und technische Innenausbau. „Das leichte Drehen der großen Rotoren nennt man Trudeln“, erklärt der Projektleiter. Strom werde dabei noch nicht erzeugt. Es diene der Entlastung der Hauptwelle.

Am fünften und am weitesten nördlich stehenden Windrad hält der Bus. Die Besucher sehen Maschinenhaus, Nabe, Antriebsstrang und die drei Rotorblätter. Viel davon ist eingepackt. Die Anwesenden bestauen die gigantische Größe der Einzelteile. Alexander Seidel erklärt, dass die Rotorblätter noch am Boden mit der Nabe verschraubt werden. Der entstandene „Stern“ wird nach oben gezogen und am Antriebsstrang montiert. Dies dürfe nur bei Windstärken von maximal sieben Meter pro Sekunde also etwa 25 km/h passieren. Und wenn nachts der Wind abflaut, wundern sich die Briesniger, dass Sonntagmorgen ein weiteres Windrad fertig ist, wo am Sonnabend nur der fast 140 Meter hohe Turm stand.

In dieser Woche wird auch der letzte Turm auf diese Höhe anwachsen. Zwei Stahlröhren mit etwa zwei Meter Durchmesser liegen bereit. Sie werden auf den 80 Meter hohen unteren Teil des Turmes aufgesetzt. Dieser besteht aus einzelnen Betonsegmenten, die nur übereinandergestellt werden. Die Betonhalbschalen und -ringe sind plan geschliffen und passen deshalb exakt aufeinander, erklärt Bauleiter Tim Koslowski. Diese Genauigkeit sei nötig, weil der ganze Turm nur wenige Zentimeter aus dem Lot sein darf. Im Inneren werden die Betonsegmente miteinander verspannt. Im Keller unter dem Turm befinden sich die entsprechenden Spannhülsen. Außerdem findet dort der Trafo Platz. Die Fahrt geht weiter zum ersten Windrad in der Reihe. Hier ist der Blick ins Innere möglich. Der Turm wirkt recht geräumig. Der Aufzug ist bereits eingebaut.

Eine Frage Besucher dreht sich um die mögliche Erweiterung des Windparks. Projektleiter Alexander Seidel erklärt, dass Abo Wind nichts Ähnliches plane, sondern nur das von Vattenfall begonnene Projekt umsetze. Jedoch sei es möglich, westlich der fünf Windräder weitere aufzustellen, dort ist auf der rekultivierten Fläche ein Windeignungsgebiet ausgewiesen. Andere wollen wissen, wie lange die Windräder stehen bleiben. Normal seien 15 bis 20 Jahre, so Seidel. Für den Rückbau muss der Betreiber Geld zurücklegen. Dann würden Turm und Fundament entfernt. Im Boden bleiben nur die Stützen, die im Kippenboden für die zusätzliche Stabilisierung des Fundaments nötig sind.

Nach etwas mehr als einer Stunde klettern die Teilnehmer wieder in den Bus. Helm und Weste haben die meisten bereits abgegeben. Es sind begehrte Stücke an diesem Sonntag in Briesnig. Denn nur entsprechend ausgestattet kann auch die letzte Tour über die Baustelle starten.