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Mit Glasfaser und Kupfer gegen die weißen Flecken

Döbern-Land. Auch Döbern-Land hofft auf Fördermittel zum Breitbandausbau. Einwohner aus Jämlitz-Klein Düben warten so sehr darauf, dass sie schon den Klageweg in Erwägung gezogen haben, falls der Amtsausschuss das Planungskonzept am Montagabend nicht beschlossen hätte. Annett Igel-Allzeit

Der Beschluss zum Planungskonzept ist nach einer umfangreichen Diskussion einstimmig durchgegangen. Döbern-Land hat mitnichten, was die Stadt Guben mit einem weitgehend gut ausgebauten Glasfasernetz genießt. Doch an Gubener Verhältnisse kommt Döbern-Land auch mit dem neuen Förderprogramm nicht heran. Immerhin, so erklärt Rainer Schubert, Breitbandbeauftragter des Landkreises Spree-Neiße, wird das Fördermodell Mischplanung favorisiert: Während die Glasfaser an Schulen und Gewerbe bis ans Gebäude kommt (FTTB), gibt es für die übrigen unterversorgten Anschlüsse die FTTC-Technik. Hier werden Glasfasern zwischen Hauptverteiler und Kabelverzweiger eingesetzt, für das letzte Stück zum Kunden aber Kupfer.

Ekkart Herold (Bündnis 93) ärgert, dass mit dem Motto "Internet für alle" fürs Förderprogramm des Bundesverkehrsministeriums geworben wird. "Es wird nicht für alle besser. Viele werden weiter mit 30 Megabit pro Sekunde leben müssen", erklärt er. Nur wo bisher kein Internet funktioniert oder weniger als 30 Megabit pro Sekunde anliegen, will der Fördermittelgeber helfen. "Aber einen Strang zu einem weißen Fleck zu führen, ohne unterwegs noch etwas zu verbessern - das ist doch nicht effizient." Martin Bleidießel (SPD) vermutet hinter einem Teil der unterversorgten Anschlüsse von Felixsee die Bungalowsiedlung. Er bezweifelt, dass Urlauber für einen zweiten Provider zahlen und sich das für den Anbieter rechnet, wenn sie nur vier Monate da sind. Yvonne Fischer (CDU) warnte dagegen, den Tourismus zu unterschätzen.

Tatsächlich stellte das Markterkundungsverfahren für Döbern-Land 499 unterversorgte Haushalte fest: 50 in Döbern, 186 in Felixsee, 24 in Groß Schacksdorf-Simmersdorf, 39 in Jämlitz-Klein Düben, 106 in Neiße-Malxetal, neun in Tschernitz und 85 in Wiesengrund. Sie mit einem Breitbandanschluss von mindestens 50 Megabit zu versorgen, wird mit der Mischplanung mehr als 5,9 Millionen Euro kosten. Der Bund würde sich mit 70 Prozent, das Land mit 20 Prozent beteiligen. Zehn Prozent Eigenanteil könnten aus dem Topf für finanzschwache Kommunen fließen.

Die Einwohner aus Jämlitz - Klein Düben warten sehr aufs Internet, hatten sogar überlegt, als Gemeinde Fördermittel zu beantragen oder sie vor Gericht zu erstreiten - weil es in ihren Augen zur Grundversorgung gehört und nicht noch mehr Einwohner Döbern-Land verlassen sollen.

Wie Rainer Schubert erklärt, werden sie bis zur Realisierung drei Jahre warten müssen. Er versichert aber, dass der Breitbandausbau eine Grundlage dafür ist, dass es in weiteren Überarbeitungsstufen besser für alle wird. Ekkart Herold sieht allerdings auch die Kosten, die Einwohner für ihren Internetanschluss bereits gezahlt haben, bevor das Förderprogramm auf den Weg gebracht wurde.