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| 02:38 Uhr

Mit Frömmigkeit und Nächstenliebe

Wolfgang Rose
Wolfgang Rose FOTO: zar1
Guben. Der Autor des Buches ". . . der Dienst der Diakonie, das sind Jesu Hände. Die Diakonissen des Naemi-Wilke-Stifts in Guben 1878-2008", Wolfgang Rose, hat innerhalb der Reihe Kultur im Stift aus dem im Juni erschienen Buch einige Passagen vorgelesen. Das Buch beleuchtet die 130-jährige Geschichte des Gubener Diakonissen-Mutterhauses. Jana Pozar

Die Geschichte des Diakonissen-Mutterhauses wurde in biografischer Form verfasst. Personalakten sind in großer Form überliefert worden. "Ich fand Akten von den Anfängen im Jahr 1878 bis zum vorläufigen Ende im Jahr 2008", erklärt Wolfgang Rose. Auch die Erinnerungen der letzten Diakonissin in Guben, Adelheid Hahn, sind darin zu lesen. "In all den Jahren habe ich eine bewegte und wechselvolle Geschichte miterlebt. Die Zeiten waren von Veränderungen und Entwicklungen geprägt", sagt die 87-Jährige, die die letzte Oberin in Guben war.

Mehr als 200 Frauen sind im Laufe der Geschichte der Diakonissenschaft in Guben beigetreten. Wolfgang Rose erzählt von Marie Stapel. Sie hatte sich Anfang des 20. Jahrhunderts als Diakonissin in Guben beworben. "Sie wollte nicht nur irdischen Lohn, sie wollte ihren Dienst den Hilfsbedürftigen, dem gemeinsame Glauben, dem Herrn widmen", weiß Rose. Dabei sei die Zahl der Frauen, die Diakonissen werden wollten, immer gering gewesen. Wohl auch, weil im Laufe der Zeit die Möglichkeiten für Frauen größer wurden, einen Beruf zu ergreifen und nicht nur in Heim, Hof und Landwirtschaft zu arbeiten. Dem wollten die meisten entfliehen. Nachweislich seien es Gründe wie schwere Lebensbedingungen auf dem Lande Ende des 19. Jahrhunderts, Flucht aus kollektivem Zwang und verborgener Tyrannei. Besondere Motivation seien Frömmigkeit und Nächstenliebe gewesen. "Das waren auch die erwarteten Bedingungen", sagt der Autor. Berta Stieg beispielsweise bewarb sich als 23-Jährige im Jahr 1904 in Guben. "In ihrem bisherigen Leben war sie nicht ganz im Dienste des Herrn", war ihrer Bewerbung zu entnehmen.

Die Aufnahme ins Diakonissenmutterhaus aber war dann ein bürokratischer Vorgang. "Es wurden auch Frauen abgelehnt, wenn sie beispielsweise den Anforderungen des Berufes nicht gerecht werden können", berichtet der Historiker. "Scheuern, kochen und nähen sollten sie schon vorher können, denn das würden sie in der Ausbildung nicht mehr lernen", versichert Rose. Wohl auch deshalb gaben etwa 60 Prozent aller Bewerberinnen an, "in Stellung" gewesen zu sein.

Die Aufnahme in das Diakonissenhaus, in die Glaubensgemeinschaft, fand wiederum auf spirituellem Gebiet statt. Nach der Haubenfeier begann die fünf- bis sechsjährige Probezeit.

Im Buch wird auch über die Arbeit, die Zusammenarbeit von Leitung und Angestellten, echten Freundschaften zwischen Diakonissinnen berichtet. "Es ist die Chronologie des Mutterhauses, Geschichten von Schwestern, die in Guben waren, gespickt mit zahlreichen Bilderserien", sagt Wolfgang Rose. Adelheid Hahn fügt hinzu: "Unsere Arbeitsbereiche damals waren viel kleiner als heute. Heute gibt es unseren Dienst von einst in abgewandelter Form. Die Entwicklung ist der Fortgang der Geschichte." zar1