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Mit Findlingen gegen Autodiebe

Forst. Entsetzt ist der Forster Stadtverordnete Thomas Burchardt (Wir für Forst). Bei einem Radausflug am Wochenende musste er feststellen, dass die Brücke zwischen Zelz und dem polnischen Siedlec "für den grenzüberschreitenden Rettungsdienst gesperrt ist". Katrin Kunipatz

Riesige Steine liegen neben den bereits mit zusätzlichen Sicherungen versehenen Pollern. Ohne Aufwand kommt hier kein Feuerwehrauto entlang. Burchardt wähnt, es sei das Werk von Schildbürgern. "Diese einseitige Maßnahme des Landkreises ist erschreckend", sagt er. "Hier wird einfach eine Grenze dichtgemacht."

Der Landkreis Spree-Neiße ist als Baulastträger für die Neißetalbrücke in Zelz verantwortlich. Seit neun Jahren kann man hier wieder die Neiße überqueren. Viele gute Dinge gibt es seitdem: Jährlich findet das Brückenfest statt. Radfahrer auf dem Oder-Neiße-Radweg nutzen die Verbindung und auch für den Tourismus im Geopark Muskauer Faltenbogen sei die Brücke eine Bereicherung. Aber lang dürfte auch die Liste der Autos, Land- und Baumaschinen aus Deutschland sein, die seit der Eröffnung der Brücke von Kriminellen nach Polen geschafft wurden.

Immer wieder hatte der Landkreis aufgerüstet, um dem Problem zu begegnen. Einbezogen waren in die Gespräche mit Zelzer Bürgern, die Polizei und der Landkreis. Die absenkbaren Poller erhielten zusätzliche Sicherungen, damit sie nicht heruntergedrückt werden können. Doch nichts half wirklich dauerhaft. "Mit Akkuwinkelschleifern oder roher Gewalt zerstörten die Diebe die Sicherungen oder den inneren Mechanismus der Poller", berichtet Frank Kuckert, Sachgebietsleiter der Unteren Straßenbaubehörde. Seine Mitarbeiter konnten bei den Streckenkontrollen nur die Defekte bilanzieren. "Mit einem 14-tägigen Rhythmus erreichten die Diebstähle jetzt ihren Höhepunkt", so Kuckert.

Um weitere Straftaten zu verhindern, mussten neue Sicherheitsmaßnahmen her. Anfang Juli fiel deshalb im Landkreis die Entscheidung, mit einem Findlingspaar die beiden Pollersicherungen auf deutscher Seite zu unterstützen. Diese und weitere Maßnahmen, auf die der Landkreis nicht näher eingehen möchte, haben das Ziel, "vorübergehend eine Behinderung für mehrspurige Kraftfahrzeuge zu erzeugen". Seit dem 28. Juli liegen die beiden großen Brocken am deutschen Eingang der Brücke. Radfahrer und Fußgänger können den Weg weiterhin passieren. Und zumindest für das am 9. September stattfindende deutsch-polnische Brückenfest soll die ungehinderte Befahrbarkeit wieder hergestellt werden.

Zum Thema:
Eingeweiht wurde die Brücke, die Zelz und Siedlec verbindet, im September 2008. Jährlich wird seitdem mal auf deutscher und mal auf polnischer Seite gefeiert. Das 1,8 Millionen Euro teure Bauwerk ist als Brücke für Fußgänger und Radfahrer geplant und zu 75 Prozent mit EU-Fördermitteln gebaut worden. Festgelegt ist weiterhin, dass Rettungsdienst und Feuerwehr im Katastrophenfall nach entsprechender Anforderung die Brücke passieren können. Einen solchen Einsatz gab es bisher nicht. Poller verhindern, dass permanent Fahrzeuge die Brücke nutzen.