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Mit dem Rollstuhl aufs Karussell

In der Wichernschule gibt es bereits rollstuhlgerechte Spielgeräte. Auf diesem Karussell haben laufende und fahrende Schüler Freude.
In der Wichernschule gibt es bereits rollstuhlgerechte Spielgeräte. Auf diesem Karussell haben laufende und fahrende Schüler Freude. FOTO: kkz
Forst. Kinder sollen spielen und sich dabei idealerweise draußen tummeln. Spielplätze sind dafür eine gute Gelegenheit. Hier kann der Nachwuchs klettern, schaukeln, im Sand buddeln und in Kontakt mit anderen Kindern kommen. Ein Wunsch, den auch die Eltern behinderter Kinder haben. Katrin Kunipatz und Steffi Ludwig

Nur ist es für Kinder, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, schwierig, die städtischen Spielplätze zu nutzen. Die Linken-Fraktion nahm sich des Problems an und so wurden - unterstützt von allen Stadtratsfraktionen - 20 000 Euro für die Anschaffung und Aufstellung eines barrierefreien und für Rollstuhlfahrer nutzbaren Spielgeräts in den Haushalt 2017 eingestellt.

Die Stadtverwaltung sucht jetzt nach einem möglichen Standort und plant darüber hinaus die Errichtung eines inklusiven Spielplatzes im Stadtgebiet. Das Vorhaben soll in den nächsten vier Jahren umgesetzt werden, erläutert Sabine Jahnke im Bauausschuss. Dazu habe man zunächst zwölf Spielplätze in der Forster Innenstadt untersucht - und festgestellt, dass Forst gar nicht so schlecht dastehe, erklärte Beate Schödel vom Fachbereich Bauen im Kulturausschuss. Auf vier öffentlichen und den Spielplätzen an den Grundschulen Mitte und Nordstadt könnten Kinder aller Altersklassen und mit Handicaps spielen. Beate Schödel verweist auf Nestschaukeln, in die auch Kinder mit Handicap gesetzt werden könnten. Zudem seien die Spielplätze barrierefrei erreichbar und böten ausreichend Sitzplätze. Einzig der Spielplatz am Robert-Koch-Platz bilde eine Ausnahme, da hier der Zugang durch Böschungen eingeschränkt sei, berichtet Beate Schödel. Inklusion - die gleichberechtigte Nutzung der Spielgeräte durch behinderte und nicht behinderte Kinder - ist also schon jetzt möglich, betont Sabine Jahnke.

Drei Spielplätze sind aus Sicht der Stadtverwaltung besonders geeignet, um das Thema Inklusion umzusetzen. Auf dem Spielplatz am Platz des Friedens ist eine Kompletterneuerung nötig. Er soll zwischen 2018 bis 2020 mithilfe von Städtebaufördermitteln neu gestaltet werden. In diesem Zuge könnte er als Inklusionsspielplatz ausgestaltet werden. Am Mühlgraben gibt es im Zentralen Park bereits Spiel- und Sitzmöglichkeiten. Im Zusammenhang mit der Umgestaltung der Grünen Mitte könnte hier auf den Freiflächen ein Spielplatz mit dem Schwerpunkt Inklusion entstehen. Genügend Platz gibt es auch am ehemaligen Jugendklubhaus in der Gubener Straße. Jedoch besteht für die bestehende Gestaltung eine Zweckbindungsfrist bis zum Jahr 2033. Eine Veränderung kann nur in Rücksprache mit dem Fördermittelgeber erfolgen.

Die übrigen Spielplätze im Stadtgebiet - so sie noch keine inklusiven Spielgeräte haben - bieten sich für eine Erweiterung weniger an. Die Flächen sind zu klein. Ein neues Spielgerät könnte nur im Austausch für ein anderes aufgestellt werden, legt Sabine Jahnke dar.

Horst Beier (Die Linke) favorisiert eine zentrumsnahe Variante. Für ihn ist der Platz des Friedens bereits im Außenbereich. Weiterhin kündigt er an, erneut das Gespräch mit den betroffenen Eltern zu suchen. Sabine Jahnke stellt in Aussicht: Wenn geklärt ist, wohin das neue Gerät kommt, kann es noch in diesem Jahr aufgestellt werden. Das Thema soll deshalb im September wieder im Bauausschuss behandelt werden, kündigt Verwaltungsvorstand Heike Korittke an.

Zum Thema:
Diese Bedingungen soll ein Inklusionsspielplatz erfüllen: Der Spielplatz und die Sitzplätze sind barrierefrei erreichbar. Die Spielgeräte bieten vielfältige Möglichkeiten und können durch jedes Kind genutzt werden.Es gibt Angebote, um miteinander zu spielen, beispielsweise Sandkasten, Schaukel und Karussells für mehrere Kinder, unterschiedliche teilweise befahrbare Untergründe und Häuschen.Begleitpersonen sollen bei Behinderung den Spielplatz erreichen, aber nicht jedes Spielgerät.