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| 02:37 Uhr

Ministerpräsident wird erster Ehrenbürger

Von Manteuffels Grabstein in Krossen.
Von Manteuffels Grabstein in Krossen. FOTO: Geisler/mgs1
Forst. In loser Folge berichtet die RUNDSCHAU über bedeutsame Menschen, Orte und Bauten der Stadt Forst und lässt wichtige Ereignisse in der Stadtgeschichte noch einmal Revue passieren. Im heutigen Beitrag erinnert Manfred Geisler an den Ehrenbürger Otto Theodor Freiherr von Manteuffel. mgs1

Vor 160 Jahren, im August 1854, hat die Stadt Forst ihre erste Ehrenbürgerwürde vergeben. Erster Träger dieser Auszeichnung war Otto Theodor Freiherr von Manteuffel.

Er entstammte dem bekannten pommerschen Adelsgeschlecht derer von Manteuffel, das urkundlich erstmals im Jahr 1287 erwähnt wird. Ein direkter Vorfahre war Christoph Friedrich von Manteuffel, der 1742 von Kurfürst Friedrich August von Sachsen in den Freiherrenstand erhoben wurde. Mitglieder der Familie hatten in unterschiedlichen Funktionen großen Einfluss auf die preußische und deutsche Geschichte.

Am 3. Februar 1805 in Lübben geboren, besuchte Otto Theodor ab 1819 die Landesschule in Pforta. Nach dem Studium der Rechte in Halle arbeitete er zunächst am Kammergericht in Berlin, ehe er ab 1831/32 in die Verwaltung des Landratsamtes im Kreis Sternberg im Regierungsbezirk Frankfurt (Oder) wechselte.

Sein Aufstieg im Verwaltungsapparat war jetzt nicht mehr aufzuhalten. Schon 1833 wurde er zum Landrat des Luckauer Kreises ernannt. Noch im gleichen Jahr wurde er Ritterschaftlicher Abgeordneter des Provinziallandtags der Mark Brandenburg, später dessen Vorsitzender. Es folgten die Ernennung zum Oberregierungsrat und zum Abteilungsdirigenten der Regierung in Königsberg (1841). Schon jetzt erhielt er die Ehrenbürgerwürde fast aller Städte des Kreises Luckau. Höhepunkt des Jahres 1841 war sicher seine Heirat auf dem Rittergut Cümritz mit Bertha von Stammer aus dem Hause Görlsdorf. Nach einer Zwischenstation als Vizepräsident der Regierung in Stettin wechselte er, nach seiner Berufung zum Geheimen Oberregierungsrat durch den Prinzen von Preußen im Jahre 1844, nach Berlin. Im gleichen Jahr wurde sein Sohn Otto Karl Gottlob geboren.

1945 übernahm Otto Theodor eine Tätigkeit als Direktor im Innenministerium und bekleidete ab 1848 das Amt des preußischen Innenministers im Kabinett von Friedrich Wilhelm Graf von Brandenburg. Am 19. Dezember 1850 erreichte er den Höhepunkt seines politischen Schaffens. Er wurde zum preußischen Ministerpräsidenten und zum Minister für auswärtige Angelegenheiten ernannt (bis 1858).

1854 wurde Otto Theodor von Manteuffel zum ersten Ehrenbürger der Stadt Forst ernannt. Diese Ehrung wurde ihm gleichzeitig von 23 Städten in Brandenburg verliehen. Davon zeugt ein Ehrenbürger-Urkundenbuch, das 26 Seiten umfasst und im Niederlausitz-Museum in Luckau aufbewahrt wird. Otto Theodor von Manteuffel hatte keinen direkten Bezug zur Stadt Forst. So bleiben die Gründe für diese Ehrung sehr allgemein formuliert. Im Ausstellungskatalog des Niederlausitz Museum heißt es: "Wegen seiner Verdienste um das Vaterland erteilten ihm die Städte (…) am 8. November das Ehren-Bürger-Recht. Damit würdigten die Städte sein entschiedenes Auftreten gegen den konstitutionellen Liberalismus und die bürgerliche Bewegung 1848/49." In der Auszeichnung wird Manteuffel als "Retter des Staats aus drohender Gefahr" bezeichnet. Aus der Sicht der Stadtmagistrate galt von Manteuffel nach den Tumulten der Revolution und den Tuchmacherstreiks als Garant für "Ruhe und Ordnung".

Nach seinem Karriereende zog sich Otto Theodor auf sein Gut Drahnsdorf zurück, blieb der Politik aber zunächst erhalten. 1859 und 1860 nahm er kurz für Görlitz ein Mandat im Abgeordnetenhaus ein. 1876 nahm er noch einmal am brandenburgischen Provinziallandtag teil und wurde zu dessen Präsidenten gewählt.

Sechs Jahre später, am 26. November 1882, verstarb Otto Theodor von Manteuffel an einer Lungenentzündung auf seinem Gut in Krossen. Kaiser Wilhelm kondolierte mit einem persönlichen Schreiben an die Witwe. Die Beerdigung erfolgte im Familiengrab auf dem Krossener Friedhof. Zum Begräbnis entsandte Kaiser Wilhelm den Fürsten Radziwill.

Mit seinem Tod sollten die Ehrungen aber nicht enden. So wurde noch 17 Jahre später, 1908, im Lübbener Hain ein Denkmal nach einem Entwurf des Kölner Bildhauers Peter Bürger feierlich enthüllt. Allerdings sollte es nur kurze Zeit Bestand haben. Bereits im Ersten Weltkrieg wurde es wegen des dringend benötigten Buntmetalls eingeschmolzen.

Im Laufe der Jahre verwahrloste die Familiengrabstätte immer mehr. Da eine Instandsetzung die finanziellen Möglichkeiten der Familie überstiegen hätte, entschlossen sich die Nachfahren Heinrich Kahlbaum und seine Mutter, Valeska Kahlbaum, geb. Freiin von Manteuffel, im Sommer des Jahres 2000, die Grabsteine an die Krossener Kirche umzulagern. Dazu gehörten auch die Steine von Otto Theodors Ehefrau Bertha und von seinem Sohn Carl Otto Gottlob.