| 17:26 Uhr

Frisches Grün statt bunter Blätter
Miniermotte lässt Kastanien im Herbst blühen

Kastanienblüte im Herbst
Kastanienblüte im Herbst FOTO: Katrin Kunipatz / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Forst. Ihre Blätter haben die Kastanien entlang der Wehrinselstraße schon vor Wochen verloren. Braun und vertrocknet sind sie zu Boden gefallen. Und während sich das Laub der Linden, Ulmen oder Buchen dieser Tage rot und gelb färbt, überrascht eine Kastanie am Rosenweg in Forst mit frischem Grün. Eine RUNDSCHAU-Leserin rief an, weil ein Teil des Baumes sogar in voller Blüte steht. Von Katrin Kunipatz

„So spät gab es so viele Blüten noch nie“, sagt die Forsterin. Jedes Jahr beobachtet sie, wie die Miniermotte die Kastanien ruiniert und fragt, ob es nicht endlich ein Mittel gegen den Schädling gibt. Eine Frage, die Doris Holtz, Fachbereichsleiterin Umwelt beim Landkreis Spree-Neiße, verneinen muss. „Natürliche Gegenspieler, die dem Bestand gefährlich werden können, gibt es nicht“, teilt sie mit. Die Puppen der Motte würden nur von wenigen heimischen Arten für die Ernährung genutzt, eine echte Reduzierung des Bestands sei jedoch nicht zu erwarten. Ebenfalls keine sichtbare Wirkung brachten die Pheromonfallen. Dabei werden die männlichen Miniermotten mit weiblichen Lockstoffen in Fallen gelockt, um die Anzahl der Paarungen und damit die Zahl der Nachkommen zu vermindern, erläutert Doris Holtz. In Forst habe man es auf der Kastanienallee am Kegeldamm versucht. Eine deutliche Reduzierung der Motte erreichte man nicht. Allein das Wetter ist ein entscheidender Gegenspieler des Schädlings. Der warme Herbst des vergangenen Jahres und das trockene Frühjahr 2017 taten der Motte gut. „In diesem Jahr ist der Befall deutlich intensiver ausgefallen als in den letzten beiden Jahren“, so die Fachbereichsleiterin. Ein kalter Winter kann die Miniermotte zwar eindämmen, aber nicht mehr ganz zum Verschwinden bringen. Als sogenannte Puppen sind die Larven in einem Kokon von Nässe und Kälte geschützt, der fest mit dem Blatt verbunden ist. „Manche Puppen können über zwei Kälteperioden pausieren und erst eineinhalb Jahre später schlüpfen“, berichtet Doris Holtz. Die wirksamste Methode, um die Kastanienminiermotte einzudämmen, ist deshalb Entfernung und Vernichtung des Laubs. Im städtischen Bereich kann es zusammengekehrt und anschließend verbrannt oder bei Temperaturen von über 50 Grad Celsius kompostiert werden. Dies ist jedoch mit großem Aufwand verbunden und im Wald gar nicht umsetzbar. Einzige Hoffnung bietet die rotblühende Rosskastanie. Sie stammt ursprünglich aus Nordamerika und ist gegenüber der Miniermotte weniger anfällig, erläutert die Leiterin des Fachbereichs Umwelt. Die Erfahrungen der zurückliegenden Jahre zeigen aber auch, dass die Miniermotte die Kastanien nicht so stark beeinträchtigt, wie noch vor zehn Jahren befürchtet. Damals sei man davon ausgegangen, so Doris Holtz, dass die Bäume nach etwa zehn Jahren so geschwächt sind, dass sie gefällt werden müssen. „Aber es gibt Kastanien, die schon lange von der Kastanienminiermotte befallen sind und trotzdem noch ausreichend standsicher sind“, sagt sie. Gefordert sind vor allem die Eigentümer der Rosskastanien – bei Straßenbäumen je nach Verantwortlichkeit die Stadt, der Kreis oder das Land – regelmäßig die Standfestigkeit der Bäume zu beurteilen. Die kann zweimal im Jahr nötig sein.

Wie schädigt die Miniermotte die Rosskastanie?

Kastanienblüte im Herbst
Kastanienblüte im Herbst FOTO: Katrin Kunipatz / Medienhaus Lausitzer Rundschau

Die Raupen der Motte befallen die Blätter und zerstören sie. Der Baum kann nicht mehr richtig atmen, keine Nähr- und Abwehrstoffe einlagern und kein Holz bilden. Die geschwächte Rosskastanie ist anfällig für andere Schädlinge oder Pilze. Auch die Festigkeit des Holzes wird geringer. Im Landkreis Spree-Neiße trat die Kastanienminiermotte vor zehn Jahren erstmals auf. Heute sind nahezu alle Bäume befallen. Die Kastanie gilt als klimaregulierender Baum, der viel Staub bindet und in der Stadt wichtig ist.