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| 19:00 Uhr

Auszeichnung
Der kreative „Klassenpapa“

Daumen hoch: Die Schüler des Forster Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasiums hatten  Michal Kwasniewski für den Lehrerpreis vorgeschlagen.
Daumen hoch: Die Schüler des Forster Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasiums hatten Michal Kwasniewski für den Lehrerpreis vorgeschlagen. FOTO: LR / Steffi Ludwig
Forst. Michal Kwasniewski vom Forster Gymnasium bekommt den brandenburgischen Lehrerpreis. Von Steffi Ludwig

Er ist kreativ, humorvoll und offen – und er ist ihr „Klassenpapa“. So lautet das Urteil der Schülervertretung des Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasiums über Michal Kwasniewski. Und aus diesen Gründen haben sie ihn auch für den brandenburgischen Lehrerpreis vorgeschlagen. Er wurde als einer von drei Lehrern aus Spree-Neiße nominiert – und hat das Rennen gemacht. Am Donnerstagabend wurde der 33-Jährige in der Potsdamer Staatskanzlei ausgezeichnet, gemeinsam mit 17 Lehrkräften anderer Landkreise und kreisfreier Städte Brandenburgs.

Alles war im Vorfeld streng geheim: Selbst Michal Kwasniewski wusste am Donnerstagmittag noch nichts von seinem Gewinn, nur von der Nominierung. Denn da stand er noch vor seiner zehnten Klasse und hielt eine Polnisch-Stunde ab – mit einer der für ihn typischen etwas anderen Lernformen. Er ließ die Schüler mit ihren Smartphones ein Quiz gegeneinander spielen, zum Thema Frisuren. Wichtig dabei für den gebürtigen Polen, der fast akzentfrei Deutsch spricht: Das meiste wird auf Polnisch erklärt oder gefragt. Sein Bonus ist dabei, dass Polnisch seine Muttersprache ist und dass er mit seinen Schülern viele Wanderfahrten oder Projektwochen in Polen veranstaltet. „So können sie vor Ort erfahren, dass das, was wir lernen, kein Märchen, sondern Wirklichkeit ist“, beschreibt er seine Beweggründe. So habe es beispielsweise Anfang Dezember ein deutsch-polnisch-unkrainisches Projekt in der Forster Partnerstadt Lubsko gegeben, bei dem die Schüler in den drei bis vier möglichen Sprachen sprechen konnten. „Und wenn es Englisch ist, ist es auch in Ordnung. Hauptsache, die Schüler lernen sich kennen und können ihre Vorurteile abbauen.“ Anfang Juni fahre er wieder mit den Schülern nach Kreisau in die Internationale Jugendbegegnungsstätte im Moltke-Schloss, wo es Seminare und Treffen mit polnischen Schülern gibt.

Denn was ihm ganz wichtig ist: „Die Schüler sollen nicht für die Noten lernen, sondern für ihre persönliche Entwicklung, für ihre Kontakte.“ So sei es auch bei ihm gewesen, als er, der in Zentralpolen geboren wurde, auf seinem ersten Schüleraustausch in Deutschland war: „Ich konnte wenig Deutsch und wollte es unbedingt lernen, um mich mit den anderen unterhalten zu können.“ Er studierte schließlich Deutsch in Polen und kam an die Europaschule Guben, wo er zwei Jahre als Fremdsprachenassistent arbeitete. Seit 2010 ist er  am Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium Forst, wo es anfangs nur eine Polnisch-Arbeitsgemeinschaft gab. Inzwischen gibt es von der 7. bis zur 12. Klasse jeweils eine komplette Polnischklasse, die Kwasniewski und Kollegin Christin Guttke unterrichten. Auch das Fach Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER) unterrichte er ab und zu.

„Er hat ein offenes Ohr für uns und unsere Probleme. Er ist nicht nur ein Lehrer, sondern auch eine Vertrauensperson für uns“, erklären die Schülerinnen Annalena Roscher und Martyna Mach, wie sie auf die Bezeichnung „Klassenpapa“ kommen.

„Ich freue mich natürlich, dass den Schülern mein Unterricht und die Projekte gefallen“, sagt Kwasniewski. „Sie sind dadurch auch offener für die Sprache geworden und sehen, dass sie einen Sinn hat – gerade hier an der Grenze.“ Er selbst lebt mit seiner Frau, die Deutschlehrerin in Polen ist, in Gubin. „Ich möchte mich aber auch bei der Schulleitung bedanken, dass sie mir grünes Licht für meine Projekte geben, und bei den Kollegen, dass die Schüler für die Fahrten nach Polen aus dem Unterricht rausgenommen werden und den Stoff nachholen können.“