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„Mein Vater hat 8,9 Pfennig pro gefüllten Wagen verdient“

Groß Kölzig.. Der hölzerne Grubenhunt in der Heimatstube zog das Interesse der Besucher auf sich. „Den haben wir aus dem Wasser einer Kohle mulde gezogen“ erklärt Wolfgang Grätz stolz. Einige Bretter seien noch original, der Rest erneuert.

Nun werde noch nach dem rechten Platz für dieses Ausstellungsstück gesucht.
Sommertour-Gast Kurt Noack aus Groß Kölzig konnte zu diesem Gefährt gleich eine Geschichte erzählen. Sein Vater hatte bis 1945 in der Grube gearbeitet. „Es gab immer einen Häuer und einen Schlepper“ , berichtet Noack von der Arbeitsteilung. Einer hat die Kohle abgehauen, sein Kollege hat sie mit einem Blech in den Grubenwagen geschleppt. Dann wurde das Gefährt zu Tage befördert, dort an die Seilbahn gehängt. Auf dem Döberner Bahnhof wurde die Kohle verfrachtet, ein Großteil ging in die Forster Tuchfabriken.

Arbeit wurde schlecht bezahlt
„Das war eine harte Arbeit“ , schildert Kurt Noack. Pro Schicht hätten zwei Arbeiter ungefähr 50 Hunte gefüllt. „Mein Vater war Schlepper, er hat 8,9 Pfennig pro gefüllten Wagen bekommen“ , der Häuer habe etwas mehr verdient.
Wolfgang Grätz bestätigt: „Die Arbeit war beschwerlich und wurde schlecht bezahlt.“ Trotz des Hungerlohns hatte der Häuer eine wichtige Aufgabe. Er musste entscheiden, wo weiter gegraben wurde. Dabei prüfte er sorgfältig das Gestein.
Es gab auch Todesfälle
„Das musste ein intelligenter, verantwortungsbewusster Mensch sein“ , erläutert Wolfgang Grätz. Die Brüche seien manchmal an die vier Meter hoch gewesen. Wenn da falsch gearbeitet wurde, dann konnte es zu folgenschweren Einstürzen kommen.
Heimatforscher Grätz weiß von schlimmen Unfällen: „Wir haben 14 Todesfälle ermittelt. Einige wurden in dem feinen Sand verschüttet und konnten nicht befreit werden.“ (jal)