| 02:37 Uhr

Mehr Raum fürs Glashandwerk

Die Schleifstelle ist Teil der neuen Ausstellung im Heimatmuseum. Ralf Klekar (l.) und Ralf-Siegbert Milk stellen die nächsten Exponate an ihren Platz.
Die Schleifstelle ist Teil der neuen Ausstellung im Heimatmuseum. Ralf Klekar (l.) und Ralf-Siegbert Milk stellen die nächsten Exponate an ihren Platz. FOTO: kkz
Döbern. Döberner Heimatfreunde widmen sich seit 25 Jahren der Geschichte der Stadt. Neue Ausstellung im Museum eröffnet im Mai zum Thema Glasmachen und Glasschleifen. Katrin Kunipatz

Im Heimatmuseum Döbern wird jeder Quadratmeter genutzt. Die Exponate sind überlegt angeordnet und sorgfältig beschriftet. "Alles haben wir von Döbernern erhalten", sagt Ralf-Siegbert Milk, Gründungsmitglied des Vereins. Neben der Vitrine mit Glaswaren und Werkzeugen der Glasmacher sind Utensilien des Bergbaus ausgestellt. Im gleichen Raum finden sich Gegenstände, die von Döberner Handwerkern und Unternehmern erzählen. Ein Zimmer widmet sich bekannten Sportlern sowie Döberner Vereinen, und im dritten Raum geht es um die Schulgeschichte. Selbst im Gang haben die Döberner Heimatfreunde eine kleine Küche mit einer Kochmaschine untergebracht, wie sie vor 100 Jahren in fast jedem Haus stand. Das Ausstellungskonzept steht fest. Und weil nicht alle historischen Gegenstände in der Heimatstube Platz finden, werden viele im Fundus auf dem Dachboden aufbewahrt. "Wir tauschen nur einzelne Exponate aus", erklärt Ralf Klekar, stellvertretender Vorsitzender. Ziel aller Mühen ist es, das Wissen um die Historie Döberns für die Nachwelt zu erhalten.

Den Grundstein für die Döberner Heimatfreunde legte Geschichtslehrer Rudolf Richter vor 25 Jahren. Er leitete die Arbeitsgemeinschaft "Junge Historiker". Sein Ziel war es, eine Heimatstube mit Museumscharakter einzurichten. Unterstützt wurde seine Idee von einigen geschichtsinteressierten Einwohnern. Zwölf Gründungsmitglieder kamen am 29. Februar 1992 zusammen. Heute sind noch drei von ihnen im Verein aktiv. Initiator Rudolf Richter ist bereits verstorben. Die Döberner Heimatfreunde sind auf 67 Mitglieder angewachsen. Sie organisieren jährlich zwei Feste, einen historischen Vortrag und öffnen außer im Winter jeden Sonntag das Museum für Besucher. Erfreut ist Ralf Klekar über das rege Interesse am Verein. "Unser jüngstes Mitglied ist 30, die meisten sind 45 Jahre und älter."

Seit 2013 wird das Heimatmuseum aufgebaut. Zuvor hatte der Verein nur einen Raum im ehemaligen Bauernhaus, das mal Dorfgaststätte, Schule, Umsiedlerunterkunft und Bibliothek war. Nach der Eröffnung 2014 wurden die Außenanlagen einbezogen. Einblicke in das Leben der Menschen im Ort geben ein funktionstüchtiger Brunnen mit Schwengelpumpe, eine Bergmannsstelle und seit 2016 auch eine Wasch- und Sommerküche. Beliebt bei Kindergärten und Grundschule ist die Ausstellung zu Waagen und Gewichten. "Freude macht es den Kindern, sich auf der Personenwaage zu wiegen", so Ralf-Siegbert Milk.

Für dieses Jahr ist eine neue Ausstellung geplant. "Das Glas und die Glashütten haben Döbern vor 130 Jahren zum Aufschwung verholfen", sagt Ralf Klekar. "Im Museum können wir aber nur einen winzigen Teil zeigen." Deshalb wird im ehemaligen Kuhstall eine Glasmacher- und Schleiferwerkstelle eingerichtet. Zwei komplette Schleifstellen stehen schon an ihrem Platz. Wie die Glasherstellung und -veredelung funktionierte, erleben die Museumsbesucher in einem Film. Auf großformatigen Tafeln ist zu sehen, wie früher Fensterglas entstand. Im Außengelände soll noch in diesem Jahr eine Litfaßsäule aufgestellt werden, um für Termine zu werben. Pläne gibt es, um die landwirtschaftlichen Geräte besser zu präsentieren. Weiterhin forschen die Mitglieder in der Ortsgeschichte. Die Resultate sind jährlich im "Döberner Kultur- und Heimatblatt" nachzulesen. Zu recherchieren gibt es noch genug. Im Archiv, das der Verein zusammengetragen hat, sei noch Stoff für hundert Jahre, sagt Ralf Klekar.

Zum Thema:
Ab April hat das Heimatmuseum Döbern, Ringstraße 53, wieder sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Darüber hinaus können unter Telefon 035600 30218 oder 31011 Termine vereinbart werden. Am Montag, 27. März, beginnt um 19 Uhr der jährliche geschichtliche Vortrag im Deutschen Haus in Döbern. Im Mai soll die Glasmacher- und Schleiferwerkstatt eröffnet werden. Noch bis Ende Juni wird die Bergmannsstelle überarbeitet.