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Mehr Betreuung nötig

Spree-Neiße.. Die Kreisverwaltung wird voraussichtlich im Herbst ein überarbeitetes Konzept für die Jugendhilfearbeit im Kreisgebiet vorlegen. Weniger Jugendliche, aber immer mehr Problemfälle erfordern nach Ansicht der Verwaltung eine Neuausrichtung der Schwerpunkt. Von Jürgen Scholz

Die Kreisverwaltung geht davon aus, dass es in den nächsten fünf Jahren einen Rückgang bei der Anzahl der Kinder und Jugendlichen in den relevanten Altersgruppen um mindestens 30 Prozent geben wird. Relevant, das sind bisher praktisch alle bis zum 27. Lebensjahr. Die verschiedenen Bereiche der Jugendarbeit waren bisher vor allem auf die Altersgruppe der zwölf- bis 27-Jährigen zugeschnitten. Geht es nach den Vorstellungen des Planungsstabes in der Kreisverwaltung soll eine Konzentration auf die Altersgruppe der zehn- bis 18-Jährigen erfolgen. Denn insbesondere die Jugendsozialarbeit sieht sich zunehmend mit Problemen konfrontiert, die nach Ansicht von Sachgebietsleiterin Christine Apt eine künftig eine qualifizierte Arbeit fordern. Ausschlaggebend dafür sind auch vermehrt Probleme bei Familien, die nach einem Hausbau nun finanzielle Probleme haben, so die Sachgebietsleiterin für Jugendarbeit. Aber auch die zunehmende Abhä ngigkeit von Sozialhilfe macht sich in der Jugendarbeit verstärkt bemerkbar.
Kerstin Schulz gehört dem Planungsstab im Landratsamt an, der mit der Neuausrichtung der Jugendarbeit befasst ist und seine Arbeitsergebnisse im Herbst auf den Tisch legen wird. Der Anteil der Jugendlichen an der Bevölkerung wird in den nächsten Jahren zunehmend geringer, die Probleme nicht. Die scheinbare Perspektivlosigkeit beim Start ins Berufsleben spielt dabei eine Rolle.

Schwerpunkt auf die Arbeit
Zwischen 1995 und 2002 wurden insgesamt etwa 830 000 Euro durch das Jugendamt für Baumaßnahmen und Ausstattung im Bereich der Jugendarbeit zur Verfügung gestellt; durchschnittlich etwa 100 000 Euro jährlich. In diesem Jahr werden es nur noch 50 000 Euro sein – wenn dieses Geld angesichts der finanziellen Probleme des Kreises freigegeben wird. Da der Kreis auch auf dem Land mittlerweile einen vernünftigen Ausstattungsgrad sieht, soll der Schwerpunkt sich künftig mehr an einer qualifizierten Koordination der Jugendarbeit orientieren. Fachleute in jedem Amt sollen bei den größer werdenden Problemen eine koordinierende Aufgabe zwischen Jugendlichen, Schulen und Elternhaus wahrnehmen, um die zur Verfügung stehenden Mittel effizient einzusetzen. Als Vorzeigebeispiel wird das Forster Projekt in der Frankfurter Straße gesehen, wo künftig Jugendarbeit und Grundschule an einem Ort verstärkt zusammenarbeiten sollen. Ähnliche Projekte laufen auch im Gubener Haus der Familie und über das Albert-Schweitzer-Familienwerk in Schulen. Eine Konzentration auf weniger Angebote könnte durchaus dabei herauskommen. Derzeit ist man im Kreis dabei, den Umfang zu bes timmen. Dabei soll auch der Zuständigkeitsbereich für die einzelnen Einrichtung definiert werden.
Rund 800 000 Euro aus dem Kreishaushalt sollen dieses Jahr eingesetzt werden. Hauptsächlich werden damit Personalkosten getragen. Den investiven Anteil von 50 000 Euro will Bildungsdezernent Hermann Kostrewa aber nach Möglichkeit trotzdem halten, gleichzeitig aber für eine umfangreichere qualifizierte Arbeit sorgen. Ob diese Rechnung auch mit den zur Verfügung stehenden Finanzmitteln beglichen werden kann, vermag Kostrewa noch nicht zu sagen.

Hintergrund
Jugendarbeit im Kreis

 Insgesamt gibt es im Kreisgebiet 19 Einrichtungen der Jugendarbeit. Nicht mit eingerechnet sind die zahlreichen Jugendklubs im ländlichen Bereich. Erklärtes Ziel ist, dass in jedem Amt und jeder Stadt zumindest eine qualifizierte Kraft tätig ist. Jugendarbeit reicht von Freizeitangeboten von Vereinen und freien Trägern bis zur Jugendsozialarbeit