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| 17:32 Uhr

Forst
Waren die Maibäume früher wirklich größer?

Nur mit Muskelkraft wird beispielsweise der Noßdorfer Maibaum aufgerichtet.
Nur mit Muskelkraft wird beispielsweise der Noßdorfer Maibaum aufgerichtet. FOTO: Angela Hanschke
Forst/Amt Döbern-Land. Horst Gieschke ist sich sicher, dass der Maibaum einst mehr in die Höhe reichte. In Noßdorf ist er allemal ein Grund zum Feiern.

Vor sechs Jahren wurde der Brauch in Noßdorf nach jahrelanger Pause wieder belebt und ist seither ein kleines, sehr lebendiges Volksfest samt Tanz in den Mai. Die Frauen vom „Förderverein Noßdorfer Wassermühle“ sorgten mit Blechkuchen, Kaffee, Soljanka und Schmalzstullen fürs leibliche Wohl der Feiernden. „Inzwischen wurde der Stamm durch ein neues Exemplar ersetzt und in diesem Jahr durch Malermeister Bernd Schilensky spiralförmig mit einem Anstrich in den brandenburgischen Landesfarben rot/weiß versehen“, berichtet Hagen Rösler, Vorsitzender des Fördervereins.

„Tag der Arbeit“ war für Annerose Pohl, Regine Sommer und Petra Gronich bereits einige Tage zuvor. Sie wanden den Kranz und eine Girlande aus Tannengrün um den zwölf Meter langen Stamm mit der Birke und der Landesflagge an der Spitze. Horst Gieschke (86) hat bereits viele Maibäume in seinem Geburtsort betrachtet. „Früher waren sie höher als heute“, zieht er den Vergleich zur Jugendzeit. Einst hätten sie auch jenseits der kleinen Zufahrt zur Dorf­aue vor einer der stattlichen Linden gestanden. Letzteres bestätigt Günther Seelig, der seit dem Jahre 1963 in Noßdorf lebt und mit 100 Jahren ältester Einwohner ist. Auffallend viele kleine Kinder spielten fröhlich auf dem Festgelände, erklommen die von der Forster Agrargenossenschaft zur Verfügung gestellten Strohballen und den Maibaum am Boden. „Stimmt ein in unser Lied“ sangen die Mitglieder des Noßdorfer Männergesangverein. Nachdem das abendliche Glockengeläut der benachbarten Kirche verstummt war, stemmten zehn Männer den Stamm mithilfe von fünf Stangenpaaren in die Höhe. Mindestens einen Monat wird er nun den Dorfanger schmücken.

Innerhalb der Stadt Forst haben die Einwohner in Keune, Horno, Noßdorf, Naundorf, Sacro, Briesnig, Mulknitz, Bohrau, Klein Jamno, Groß Jamno, Eulo sowie Klein  und Groß Bademeusel Maibäume errichtet. Auch in den meisten Dörfern des Amtes Döbern-Land wurde unter Maibäumen getanzt. Spitzenreiter war Gahry, wo zwei Exemplare aufgestellt werden.