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Machtgier hat nicht das letzte Wort

Die Premiere von Beethovens Freiheitsoper "Fidelio" im Menschenrechtszentrum Cottbus war ein tolles Erlebnis. Rund 1000 Menschen aus Cottbus und Umgebung, Potsdam, Berlin und anderen Teilen Deutschlands strömten in die Bautzener Straße.

Die Musik verband alle, die dabei waren, und verwischte die Unterschiede, die sonst im Alltag herrschen.

Auch an diesem Wochenende und in der kommenden Woche ist "Fidelio" dort zu sehen und zu hören, wenn das Wetter hält. Die Mauern dieses Gefängnisses sind offen und brechen neu auf. Mutige Menschen, die sich nicht beirren lassen und wahrhaftig bleiben, bekommen am Ende ihr Recht. Liebe überwindet Gefängnismauern. In der grausamen Einsamkeit, in der der korrupte Gouverneur Pizarro Florestan hielt, stärkt ihn die Nähe Gottes. Sie bewahrt ihn davor zu zerbrechen, bevor Fidelio ihn erlöst. Menschliche Machtgier hat nicht das letzte Wort. Liebe und Wahrhaftigkeit - die Engel, die Gott schickt, sind stärker.

Zu DDR-Zeiten war Singen im Gefängnis verboten. Der Posaunenchor der Lutherkirche blies zu Festtagen aus einem Haus in der Nachbarschaft Choräle in den Gefängnishof hinein. Das wurde als Geburtstagsständchen für die mutige Bewohnerin getarnt. Bei "Fidelio" klingt die Begrüßungsfanfare für den Minister frei aus dem Gefängnishof heraus. Menschen, die als politische Gefangene zu DDR-Zeiten hier inhaftiert waren, singen im Gefangenenchor: "O welche Lust, . . . in freier Luft den Atem leicht zu heben! . . . Wir wollen mit Vertrauen auf Gottes Hilfe bauen; die Hoffnung flüstert sanft mir zu, wir werden frei, wir finden Ruh', . . . O Himmel! Rettung! Welch' ein Glück! O Freiheit, o Freiheit, kehrst du zurück?"

Die Freiheit, die wir in Deutschland haben, ist ein hohes Gut. Sie braucht Pflege und persönlichen Einsatz. Dafür steht das Menschenrechtszentrum mit seiner laufenden Arbeit. Lassen Sie sich dort zu eigener Zivilcourage anregen! Nehmen Sie sich Zeit für die Ausstellung und die Veranstaltungen, wenn keine Massen mehr zu "Fidelio" strömen!

Ulrike Menzel ist Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Cottbus