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| 14:11 Uhr

LR vor Ort
Der Ärger mit den ungewollten Fischliebhabern

Teichwirt Christoph Junghanns (3.v.r.) mit RUNDSCHAU-Redakteurin Katrin Kunipatz und Henrik Schuhr von der Unteren Naturschutz-, Jagd- und Fischereibehörde (3.v.l.). Wegen Regens fand die Veranstaltung nicht am Teich statt.
Teichwirt Christoph Junghanns (3.v.r.) mit RUNDSCHAU-Redakteurin Katrin Kunipatz und Henrik Schuhr von der Unteren Naturschutz-, Jagd- und Fischereibehörde (3.v.l.). Wegen Regens fand die Veranstaltung nicht am Teich statt. FOTO: LR / Steffi Ludwig
Forst. Die Reihe „LR vor Ort“ beschäftigte sich im Forster Ortsteil Mulknitz mit dem Spagat zwischen Teichwirtschaft und Naturschutz. Von Steffi Ludwig

Karpfen aus Forst erfreuen sich großer Beliebtheit, der Absatz besonders rund um die Feiertage habe sogar eine leichte Tendenz nach oben, sagte Teichwirt Christoph Junghanns bei der Veranstaltungsreihe „LR vor Ort“ am Donnerstagabend in Mulknitz. Nicht nur als Karpfen blau, sondern auch in den „moderneren“ Varianten als Filet oder geräuchert mögen ihn die Kunden. Doch der Kampf, um die Karpfen groß zu bekommen, werde immer größer und kostspieliger, so Junghanns. Deshalb müsse er mit gehandelter und veredelter Ware die Teichwirtschaft querfinanzieren.

Besonders der „Fraßdruck der ungewollten Fischliebhaber“, der Kormorane oder anderer Seevögel, mache ihm zu schaffen. Von einer Million ausgesetzter Brütlinge würden nur 30 000 bis 40 000 bis zum Speisekarpfen groß, sagte er im Gespräch mit RUNDSCHAU-Redakteurin Katrin Kunipatz.

Diskussionspartner Henrik Schuhr, Sachgebietsleiter der Unteren Naturschutz-, Jagd- und Fischereibehörde des Landkreises Spree-Neiße, weiß um die Nöte des Teichwirts – ist er doch selbst gelernter Fischwirt. Doch der Kormoran oder der Silberreiher seien nun einmal geschützte Arten. Mit besonderen Genehmigungen können sie von den Teichbewirtschaftern vergrämt oder getötet werden.

Das macht Junghanns bereits seit Jahren. Pro Jahr schießt er rund 70 Kormorane. „Doch er will eigentlich Fische züchten und keine Kormorane abschießen“, bringt es Schuhr auf den Punkt. Denn zu den Fischverlusten hinzu komme die Zeit, die er für das Abschießen, aus dem Wasser holen und Vergrämen mittels Knallapparaten oder Flugdrachen brauche: Pro Kormoran durchschnittlich vier Stunden, hat Junghanns ausgerechnet. Man könne zwar etwas tun, dies aber vorrangig in Brutgebieten, wie beispielsweise die Eier anstechen, berichtet Henrik Schuhr. Die Forster Teiche seien kein Brutgebiet. Allerdings sei in Kathlow in den vergangenen Jahren eine Kormorankolonie mit fast 60 Brutpaaren entstanden.

Weiteres Problem sei der Biber, der die Deiche untergräbt und so die Teichwirte mit ihren Fahrzeugen gefährdet. Der Biber fresse zwar keinen Fisch, bringe aber durch seine Tauchaktionen die Fische in unnötigen Stress, was diese schlecht oder gar nicht wachsen lasse. Präventive Maßnahmen wie Stabgittermatten in den Dämmen könne man sich fördern lassen, so Schuhr. Er habe eine Förderung bekommen, allerdings nur für die Außenteichdämme in Eulo, was jedoch ein gigantischer baulicher Aufwand gewesen sei, so Junghanns. Eine Elektrozäunung für sensible Teiche habe der Biber ins Wasser gezogen und zerstört.

Es sei zu hoffen, dass der Familienbetrieb Junghanns trotz der Probleme weiter bestehe, so Schuhr. Denn der Teichwirt betreibe auch aktiven unbezahlten Artenschutz im Naturschutzgebiet Euloer Bruch, das zugleich ein beliebtes Ausflugsziel vieler Forster sei.

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LR vor Ort - Logo 2c FOTO: LR