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| 17:14 Uhr

Ein Forster Weihnachtsmann packt aus
Rendezvous mit dem Rauschebart

Der Weihnachtsmann hat auch Carlos (r.) und Oskar auf dem Forster Weihnachtsmarkt beschenkt.
Der Weihnachtsmann hat auch Carlos (r.) und Oskar auf dem Forster Weihnachtsmarkt beschenkt. FOTO: LR / Steffi Ludwig
Forst. Was Lothar Lischke über zehn Jahre Weihnachtsmann-Tätigkeit in Forst berichten kann. Von Steffi Ludwig

Weit kommt der Weihnachtsmann nicht, als er den Forster Weihnachtsmarkt betritt. „Hey, hast du auch ein Geschenk für mich?“, ruft augenzwinkernd ein Mann vom Glühweinstand. Ein paar Schritte weiter bricht ein kleines Mädchen in lautes Weinen aus und versteckt sich hinter der Mama. Der dreijährige Tyler ist da mutiger, kann sogar etwas aufsagen und bekommt dafür Schokolade aus dem Sack des Weihnachtsmanns. Auch die Cousins Oskar (6) und Carlos (7), die mit ihren Großeltern Jutta und Norbert Bandow auf dem Weihnachtsmarkt sind, sagen ehrfürchtig ein Gedicht auf und dürfen dafür in den Jutesack greifen.

Das Behältnis für die süßen Geschenke ist in diesem Jahr ein Neues, hat Lothar Lischke kurz zuvor festgestellt, als er sich in einem Umkleideraum in die rote Gewandung hüllte. Seit etwa zehn Jahren ist er – meist für zwei Tage – der Weihnachtsmann auf dem Forster Weihnachtsmarkt. Und das mit Begeisterung – und ganz ohne Kurs, nur mit einer gehörigen Menge Intuition. „Vorher war ich nur als Papa für unsere Kinder immer mal der Weihnachtsmann, auch in der Schule“, berichtet der 64-Jährige. Doch das ist lange her, der große Sohn ist bereits 40. Aber als die Stadtverwaltung vor etwa zehn Jahren bei Lischke anfragte, weil ein Rauschebart gesucht wurde, sagte er zu.

Und er hat die Bandbreite sämtlicher Kinderreaktionen erlebt, die auch nach zehn Jahren noch die gleichen sind. „Einige stürmen auf mich zu und wollen mich fast umreißen“, berichtet der Weihnachtsmann. „Andere verstecken sich verschämt hinter den Eltern.“ Am zugänglichsten seien die Drei- bis Sechsjährigen, die an den Weihnachtsmann glauben. „Die sagen dann oft ein Gedicht auf oder singen ein Lied“, berichtet er. „In der ersten Klasse beginnen dann schon viele, den Weihnachtsmann zu hinterfragen – und werden dann, je älter sie sind, auch schon mal frech.“ Bei besonders naseweisen Exemplaren mache er dann schon mal eine Ansage. Die Jugendlichen winkten dann dem Weihnachtsmann meist aus der Ferne freundlich zu. „Aber auch von ihnen wollten schon welche singen und haben das dann auch gemacht“, schmunzelt Lothar Lischke. „Aber für die bin ich dann keine Respektsperson mehr, sondern das passiert dann eher auf der Freundschaftsebene.“

Was er auch festgestellt hat: „Die kleinen Wichtel merken alles.“ Deshalb versuche er, so viel wie möglich von seinen privaten Dingen zu verstecken. Als er seinen Ehering umließ, wurde er gefragt, wo denn seine Frau sei. „Am Nordpol“, habe er dann geantwortet. Sein Neffe habe mal seine Uhr erkannt. Aber durch seine Perücke und den großen weißen Bart bleibt er auch für viele Erwachsene unerkannt und kann mit ihnen Späßchen treiben. Beispielsweise ehemalige Arbeitskollegen aus dem Forster Eltwerk, wo Lischke als Maschinenbauingenieur gearbeitet hatte, konnte er schon mit privaten Interna verblüffen. „Die wunderten sich dann, woher der Weihnachtsmann das weiß“, erzählt Lischke, der sich danach zu erkennen gab.

Vor mehr als zehn Jahren war er in den betrieblichen Vorruhestand gegangen und ist seit einem Jahr Rentner – jedoch einer von denen, die niemals Zeit haben. Denn er ist seit vielen Jahren Stadtverordneter, singt außerdem im Forster Männergesangverein 1832 und ist im Vorstand des Schulvereins des Gymnasiums. Seine Frau sehe er in Vorweihnachtszeit eher selten, schmunzelt er. Und wenn, dann von Weitem: Denn während er am Freitagnachmittag den Weihnachtsmann gab, trat sie mit dem 1. Forster Frauenchor auf dem Weihnachtsmarkt auf.