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| 01:35 Uhr

Lösung für Forster Jule-Gleise in Sicht

Forst.. Eine Lösung für die Gleisanlagen der Schwarzen Jule ist offenbar in Sicht. Nach Angaben des Forster Bürgermeisters Jürgen Goldschmidt (FDP) laufe ein Streit mit dem Landesamt für Denkmalpflege auf einen Vergleich hinaus. Doch komplett vom Tisch ist das Problem noch lange nicht. Von Jan Selmons

Endlich ist laut Bürgermeister Jürgen Goldschmidt eine Einigung in Sicht. So gebe es ein “Protokoll mit Eckpunkten„, die gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege erstellt wurden, so Goldschmidt. “Die Stadt soll dann eine Konzeption vorlegen, wo in Abschnitten Gleise entfernt werden sollen„, erklärt der Bürgermeister. Dafür sei auch ein Beschluss der Stadtverordneten notwendig. Goldschmidt: “Bei der nächsten regulären Stadtverordnetenversammlung im März wird es eine entsprechende Vorlage geben.„

Kritik an dem Verfahren übt der Stadtverordnete Ingo Paeschke (Linke). Es sei den Leuten schwer zu erklären, dass sich jahrelang über solche Dinge vor Gericht gestritten werde. So entstünden vermeidbare Kosten. Denn jeder erwarte doch, dass sich Kommune und Land an einen Tisch setzen, um einen gütlichen Kompromiss zu finden.

Goldschmidt hält diese Argumentation für “naiv„: Nur durch den Rechtsstreit sei der jetzt erreichte Vergleich möglich geworden. “Es kann doch keiner glauben, dass sich das Land für schwächer hält als eine kleine Kommune„, verteidigt Goldschmidt den Streit.

“Es ist gut, dass die Stadt Druck aufgebaut hat„, sagt Rainer Kliche. Der SPD-Stadtverordnete und Seniorenbeiratschef hat gemeinsam mit der Volkssolidarität Unterschriften für die Entfernung der Schienen gesammelt. “Wir werden kommende Woche etwa 1000 Unterschriften an den Bürgermeister übergeben„, sagt Kliche. Es müsse endlich eine Lösung geben, “sonst steigen die Kosten für den Straßenbau ins Uferlose„. Zur Erinnerung an die “einzigartige„ Schwarze Jule könnten an Stellen wie dem Textilmuseum Teile erhalten werden. Doch am Ende bleibt laut Kliche immer eine Frage: “Was nützen Schienen, auf denen keine Bahn fährt?„

An den Gleisen scheiden sich seit Jahren die Geister. Stolperfallen, Unfallgefahr und Kostentreiber beim Straßenbau, sagen die einen. Identitätsstiftende Erinnerungsstücke, die anderen. Streit-Chronik:

Am 4. Dezember 2006 setzte die Denkmalfachbehörde in Zossen auch die Gleisanlagen neben Lokschuppen und Betriebsbahnhof der Schwarzen Jule auf die Denkmalliste.

Im März 2007 stellte die Behörde die Denkmaleigenschaft per Bescheid fest, wogegen die Stadt im Februar 2008 Klage erhob und die Denkmalwürdigkeit infrage stellte. Denn die Gleise müssen eigentlich in der Straße erhalten werden.

Die Berücksichtigung der Schienenfragmente in den Straßen führe jedoch zu einer hohen finanziellen Belastung beim Straßenbau, argumentierte die Forster Bauverwaltung.

Im Februar vergangenen Jahres wies das Verwaltungsgericht Cottbus die Klage ab, Forst ging in Berufung.

Zum Thema:

Die Forster Stadteisenbahn war 1893 bis 1965 in Betrieb. Sie versorgte Fabrikhöfe der Tuchindustrie mit Rohstoffen. Das Schienennetz maß 24 Kilometer. Die Jule steht heute im Verkehrsmuseum Dresden.