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| 02:32 Uhr

Lion-Group investiert acht Millionen Euro

Ein 40-Fuß-Container wird bei Lion in Forst umgeladen. Ab Herbst soll es auf dem neuen Containerterminal in Kodersdorf passieren.
Ein 40-Fuß-Container wird bei Lion in Forst umgeladen. Ab Herbst soll es auf dem neuen Containerterminal in Kodersdorf passieren. FOTO: kkz
Forst. Die Lion-Group will in diesem Jahr ein neues Containerterminal im sächsischen Kodersdorf bauen. Der Firmensitz Forst bleibt bestehen. Hier will man sich wieder verstärkt den Spezialtransporten widmen. Katrin Kunipatz

Nacheinander lädt der 80 Tonnen schwere Greifstapler die Container auf die bereitstehenden Waggons. Stück für Stück fährt die Diesellok den über 600 Meter langen Zug weiter. Die frühe Dunkelheit dieses Wintertages kümmert die Arbeitenden nicht. Scheinwerfer beleuchten die Szene auf dem Containerterminal der Lion-Group im Gewerbegebiet Forst. Denn gearbeitet wird bei der Lion-Group an 24 Stunden, sieben Tage pro Woche.

Normalität bei dem Unternehmen, das sich als Logistik-Dienstleister in den vergangenen Jahren weltweit einen Namen gemacht hat. Bis zu acht Züge beladen mit 44 Containern verlassen jede Woche das Betriebsgelände. Dies entspricht 352 großen Lkw, die nicht über die Autobahnen fahren müssen. Die Lion-Group bringt auf diesem Weg Waren von Firmen aus der Region zu den Seehäfen an der Nordsee. Auf dem Rückweg werden wiederum Container mit Waren aus aller Welt für Unternehmen in Sachsen, Südbrandenburg, Polen und Tschechien nach Forst transportiert.

Bananen per Zug nach Forst

"Einer unser Partner ist der größte polnische Bananenimporteur", erklärt Sven Noatzke, Geschäftsführer der Lion Spezialtransport GmbH. Die in Ecuador mit Bananenkisten beladenen Kühlcontainer erreichen per Schiff den Seehafen in Hamburg und kommen per Zug nach Forst. Hier werden die Container auf Lkw verladen und über die Straße bis ins polnische Zgorgelec gebracht.

Der Containerwarenverkehr ist nur ein Standbein der Lion-Group. Angefangen hat Speditionskaufmann Sven Noatzke 2003 mit der Organisation von internationalen Übermaß- und Schwerlasttransporten. Bis heute befördert die Lion-Group große Bau- und Landmaschinen für verschiedene Hersteller aus Übersee nach Osteuropa. Um unabhängiger von einem Wirtschaftsraum zu sein, stieg der Logistik-Dienstleister ab 2011 in den Containerwarenverkehr ein. Vier Jahre hat es gebraucht, um unter dem Stichwort Seehafen-Hinterlandverkehr in Forst ein Tor zur Welt zu etablieren. Doch jetzt wird es eng auf dem Firmengelände nahe der Autobahn. Gerade wurde eine 1500 Quadratmeter große Fläche vorbereitet, um mehr Lagerfläche für die Container zu bekommen. Doch optimal sei es nicht, so Sven Noatzke.

Erweiterung notwendig

Der Lkw-Parkplatz musste dafür weichen. Dank einer Übereinkunft mit der Stadt dürfen die Fahrzeuge vorübergehende auf einer Straße im Gewerbegebiet abgestellt werden. Eine Erweiterung und Optimierung des Containerterminals ist deshalb nötig. Da 80 Prozent der Kunden aus Sachsen kommen, war der Schritt nach Süden naheliegend. Eineinhalb Jahre reifte der Gedanke und nun ist klar: Die Forster Lion-Group wird im Gewerbegebiet im sächsischen Kodersdorf ein zweites Containerterminal aufbauen. Ideal kann hier das Gleis mittig auf das Gelände geführt werden und das Industriegebiet liegt direkt an der Autobahn. Bei einem Baubeginn im Frühjahr könnte das neue Containerterminal im Oktober 2017 in Betrieb gehen. "Dies bedeutet für die Orte an der B 112 eine Entlastung", erklärt Sven Noatzke. "Wir verlagern den Lkw-Verkehr auf einer Strecke von 80 Kilometern von der Straße auf die Schiene." Insgesamt kostet die Investition in Kodersdorf acht Millionen Euro. Hier könnten dann jährlich bis zu 30 000 40-Fuß-Container umgeschlagen werden. In Forst waren es im vergangenen Jahr rund 20 000.

Entwicklungspotenzial sieht Sven Noatzke auch beim jüngsten Unternehmensteil. Seit dem vergangenen Jahr ist die Lion-Group in den Internethandel eingestiegen. "In einer 3500 Quadratmeter großen Halle übernehmen wir für verschiedenste kleine Internetshops Lagerhaltung, Logistik und den täglichen Warenversand", sagt der Geschäftsführer. 2016 wurden täglich 1000 Pakete verschickt. In diesem Jahr wolle man die Zahl auf 5000 Pakete steigern und die Zahl der Mitarbeiter in diesem Firmenzweig auf zehn verdoppeln.

Der Standort im Gewerbegebiet Forst bleibt bestehen. Hier wolle man sich nach der Eröffnung des neuen Container-Terminals auf den Transport von Spezialtechnik konzentrieren. Statt Containern würden dann wieder Mähdrescher, Traktoren und große Anlagenteile per Lkw, Zug und Schiff koordiniert von der Forster Lion-Group in alle Welt verschickt.

Zum Thema:
Aktuell arbeiten bei der Lion-Group 38 Personen. Sie sind Speditionskaufleute, Buchhalter, Steuerfachleute, Logistiker und Maschinenführer. Durch die Zusammenarbeit mit in der Region niedergelassenen Transportunternehmen sind weitere rund 80 Personen mit der Lion-Group verbunden.Gegründet wurde die Lion-Group 2003 und ist von Anfang an auf den internationalen Warenverkehr ausgerichtet. Neben dem Warentransport kümmert sich der Logistik-Dienstleister auch um die Zollformalitäten. 2011 folgte der Einstieg in den Seehafen-Hinterlandverkehr. In Dresden gibt es außerdem ein Zollservicebüro und eine Außenhandelsniederlassung in Kiew.