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| 14:22 Uhr

Lilo Wanders sinniert in Groß Jamno über’s Älterwerden
Zwischen Rollator und Vitamin C

 Die „Aufklärerin der Nation“ Lilo Wanders überraschte in der „Waldeule“ Groß Jamno zu Beginn etwas anders gestylt die Zuschauer. Ihr Kommentar dazu, dass das Kleid den gleichen Stoff wie der Hintergrund hat: „Vor dem entsprechenden Hintergrund verschwimmen die Konturen.“
Die „Aufklärerin der Nation“ Lilo Wanders überraschte in der „Waldeule“ Groß Jamno zu Beginn etwas anders gestylt die Zuschauer. Ihr Kommentar dazu, dass das Kleid den gleichen Stoff wie der Hintergrund hat: „Vor dem entsprechenden Hintergrund verschwimmen die Konturen.“ FOTO: Margit Jahn
Forst. Lilo Wanders sinnierte an zwei Abenden in der „Waldeule“ Groß Jamno über das Älterwerden. Von Margit Jahn

Wer sich am Freitag über die eisverkrusteten Wege zum Restaurant „Zur Waldeule“ vorgearbeitet hatte, erlebte ein ausverkauftes Haus am kleinen Badesee in Groß Jamno. Lilo Wanders, die „Aufklärerin der Nation“ aus der damaligen Sendung „Wa(h)re Liebe“, gastierte in der „Waldeule“. Persönlich prickelndes, frech frivoles, amüsantes, aber ehrliches Wortgeplänkel gab es zum Thema „Endlich 60 – gaga, geil und gierig“.

Im glitzernden silberlangen Kleid mit aufgesetzter langer roséfarbener Federboa und schmauchender Zigarette in der Hand, betrat Lilo Wanders die Bühne – aufgebrezelt mit Sonnenbrille und gestylten Haaren und gestützt auf einen Rollator. „Guten Abend, ich bin wirklich Lilo Wanders“, begrüßte sie das sichtlich amüsierte Publikum. Amüsiert auch deshalb, weil ihr Kleid genau aus jenem Stoff war wie der Bühnenhintergrund. „Vor dem entsprechenden Hintergrund verschwimmen die Konturen“, wurden die Besucher sogleich aufgeklärt. Hinter der Kunstperson Lilo Wanders steckt Ernst-Johann Reinhardt (63), auch Ernie genannt, der als Schauspieler und Travestiekünstler in fast ausschließlich weiblicher Rolle der Lilo Wanders seit 1989 auftritt.

„Wenn ich einmal wiederkomme, möchte ich nichts anderes sein“ war ihr erstes Begrüßungslied zur Musik vom Band. Mit frech plappernder  Stimme ging es dann zwei Stunden von einem zum anderen Thema. Allerdings, um den Faden nicht zu verlieren, wie sie betonte, hatte sie ein kleines Manuskript dabei.

Philosophiert wurde um den Tagesbedarf an Vitamin C. Festgestellt hat sie dann, dass 37 Biere jenen Bedarf auch decken. Die Männer im Saal waren begeistert, hatten sie dies doch insgeheim schon immer gewusst, nur hat es offiziell noch niemand bestätigt. Laute Lacher gingen auch los, als sie sagte: „Eigentlich brauche ich keinen Alkohol mehr, in meinem Alter erreicht man diesen Effekt auch, wenn man schnell aufsteht.“ Dass sich 13 wichtige Mineralstoffe im Wein befinden, könne doch kein Zufall sein, war auch eine interessante These.

All die Wehwehchen, die auftauchen, wenn man älter wird, nahm sie mit Humor zur Kenntnis. „Wenn ich mir die Schuhe anziehe, überlege ich mir, was ich sonst noch erledigen könnte.“ Plaudernd gab es alle möglichen Lebenspassagen von ihr zu hören, und viele bekannte Namen aus Funk und Fernsehen fielen. Inge Meysel und auch Evelyn Künneke kreuzten ihre Wege, mit vielen anderen war sie befreundet. „Gott war ich jung, zur Zeit, als ich für Geld noch alles gemacht habe“, sinnierte sie zwischendurch.

Christine und Roland Nattke aus Forst haben sich diesen Abend gern gegönnt. „Seitdem die Waldeule neu ist, sind wir regelmäßige Besucher“, sagt Roland Nattke. „Gut, dass die Chefin viel über Facebook postet, da schaue ich regelmäßig rein.“ Ansonsten findet er, dass die Reklame für Veranstaltungen rund um Forst einfach zu wenig ist. In Cottbus werde intensiver ausgeschildert. Einmal im Monat gehen die beiden gut essen und verbinden das wie am Freitag mit einer unterhaltsamen Veranstaltung. Lilo Wanders kennen sie nur vom Fernsehen und sind nach der Veranstaltung begeistert.

Irgendwie war es dann wie in einem Wohnzimmer, die Zuschauer saßen dicht aneinander, für Knabbereien auf den Tischen war gesorgt, und die Kellner bahnten sich, mit vollen Getränketabletts jonglierend, die Wege auch an die letzten Tische. Schwören sich manche Gäste, nicht in der ersten Reihe zu sitzen, war die Gefahr, dort immer als erste angesprochen zu werden,  bei Lilo Wanders nicht gegeben. Sie bezog ihr gesamtes Publikum singend und plaudernd, aber nie aufdringlich, ein. Die Gäste erfuhren sehr viel aus ihrem privaten Leben. Heike Jurischka aus Spremberg war zum Mädelsabend mit ihren beiden Freundinnen da. „Wir waren schon oft hier und wollten Lilo Wanders mal live auf der Bühne erleben.“ Diese kennen die drei Freundinnen auch nur vom Fernsehen. „Uns hat es bisher sehr gut gefallen“, resümieren die drei in der Pause.

Lilo Wanders lud nach Veranstaltungsende zu Fotoaufnahmen und Autogrammstunde ein, wovon die Gäste auch regen Gebrauch machten. „Aber mit Blitz“, legte sie Wert drauf. „Es waren zwei unterschiedliche Abende, gestern haben sie an anderen Stellen gelacht“, verglich die Diva mit der blonden Mähne, die noch nie in Forst war, der es aber sehr gut hier gefallen hat. Ein Wiedersehen wird es im nächsten Februar geben.