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Liegen hier giftige Stoffe im Wald?

Dieser Waldweg führt zur ehemaligen Schadstoffdeponie des Bezirks Cottbus. Noch immer sollen hier giftige Stoffe lagern.
Dieser Waldweg führt zur ehemaligen Schadstoffdeponie des Bezirks Cottbus. Noch immer sollen hier giftige Stoffe lagern. FOTO: kkz
Groß Kölzig / Döbern. Giftige Stoffe lagern immer noch im Wald bei Döbern. Davon ist Michael Moogk überzeugt. Der Superintendent des Kirchenkreises Senftenberg-Spremberg lebt in Döbern. Vor und nach der Wende hat er sich als Mitglied des ökumenischen Friedenskreises der Region Forst intensiv mit der "zentralen Deponie für Giftabfälle" an der Straße zwischen Döbern und Bohsdorf Vorwerk beschäftigt. Katrin Kunipatz

Er zeigt Fotos aus der Zeit vor der Wende. Hier wurden - sorgfältig dokumentiert - alle Schadstoffe des ehemaligen Bezirks Cottbus entsorgt. Aber nach der Wende seien auch illegal Fässer versenkt worden, so Moogk.

Vor Ort deutet Michael Moogk auf ein Stück eingezäunten Wald. Man erkennt Reste von Gebäuden, völlig eingewachsene Teile einer alten Schranke. Erst auf sein Drängen hin, habe der Landkreis die Einfriedung um das Gelände vor drei Jahren wieder geschlossen. "Es fehlen Warnschilder", sagt Michael Moogk. Denn ein Teil der Gefahrstoffe und Gifte befinde sich immer noch im Boden. "Im Sinne unserer Kinder muss dieses Problem gelöst werden", fordert Michael Moogk. Bundesmittel seien dafür nötig.

Als ehemalige Schadstoffdeponie Groß Kölzig ist dem Landkreis Spree-Neiße das Gelände bekannt. Die Untere Abfallwirtschafts- und Bodenschutzbehörde teilt auf Nachfrage der RUNDSCHAU mit, dass in der ehemaligen Tongrube zwischen den Jahren 1971 und 1991 vor allem Heizwerkasche und später Bleistaub, mineralölhaltige Abprodukte, Lösungsmittel, Farb- und Lackrückstände sowie Industrieschlämme aus Betrieben des damaligen Bezirkes Cottbus abgelagert wurden. Die Schadstoffe kamen in zwei Meter tiefe Gruben, die in der eingelagerten Asche ausgehoben worden waren. Abgedeckt wurde alles wiederum mit Asche.

Laut Kreisverwaltung gab es 1991/92 eine erste Untersuchung. Die beauftragte Firma aus Weißwasser fand damals vereinzelt Bodenkontaminationen unterhalb des Deponiekörpers, schloss aber eine relevante Verfrachtung von Schadstoffen aus der Deponie ins Grundwasser aus. Bei der Kreisbehörde ging man deshalb davon aus, dass von der Deponie keine Gefährdung für Mensch und Umwelt ausgehe. 1996 begann die Sanierung und Rekultivierung der Deponie. Im Zuge dessen wurden auf dem Gelände eingelagerten Kratzteer- und Phenolbehälter, Fässer und eine offene Phenolgrube entsorgt. Offene Gruben wurden verfüllt, Erde auf der gesamten Deponieoberfläche verteilt und geeignete Pflanzen gesät oder gepflanzt.

Im Jahr 2015 fand eine weitere Untersuchung des Geländes statt. Die Menge der untersuchten deponierelevanten Schadstoffe lag unterhalb der Nachweisgrenze oder unterhalb des Geringfügigkeitsschwellenwerts. "Eine relevante Beeinträchtigung des Grundwassers oder des untersuchten Oberflächenwassers ist nicht festzustellen", resümiert die Kreisbehörde. Bei Bohrungen bis in eine Tiefe von 20 Metern wurden geologische Bedingungen vorgefunden, aus denen man auf eine natürliche Abdichtung der Deponie schließen könne. Außerdem wurde im nördlichen Bereich der Deponie, wohin aufgrund des Gefälles Oberflächen- und Grundwasser abfließen, eine Messstelle eingerichtet. Relevante Beeinträchtigungen des Grundwassers habe man nicht feststellen können. Die Grundwasseruntersuchung wird alle zwei Jahren durchgeführt.

Michael Moogk beruhigen diese Aussagen nur bedingt. Seiner Meinung nach hätten im Jahr 2015 auch eine Bodenuntersuchung und eine Suche nach metallischen Gegenständen erfolgen müssen.

Unterstützung bekommt er dabei von Prof. Dr. Wolfgang Spyra, der sich an der BTU mit dem Fachgebiet Altlasten beschäftigte. Auch er habe vor zwei Jahren die ehemalige Deponie besucht, sagt Spyra, und ihm seien dabei Vegetationsstörungen aufgefallen. "Und was ich gerochen habe, war nicht gut." Genau wie Moogk sieht er es als notwendig an, den Zeugenhinweisen nach heimlich vergrabenen Fässern nachzugehen.